Der Hyundai Nexo war im Februar 2026 mal wieder Klassensieger. Nach den Erhebungen des Kraftfahrtbundesamtes war der SUV das meistverkaufte Elektroauto mit Brennstoffzellenantrieb in Deutschland. Um den Konkurrenten Toyota zu schlagen, reichte es, zwei Fahrzeuge des Typs auf die Straße zu bringen. Denn vom Toyota Mirai wurde im gleichen Monat nur ein Exemplar neu zugelassen.

Brennstoffzellenautos – E-Autos, die den Fahrstrom durch die chemische Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff in einer Brennstoffzelle selbst erzeugen – sind wahrlich kein Verkaufsschlager. Weder in Deutschland, noch in Europa. Dafür ist die Zahl der Wasserstofftankstellen zu gering – in Europa sind aktuell gerade mal 156 Stationen geöffnet, an denen das hochflüchtige Gas mit 700 bar zur Verfügung gestellt wird, 50 davon in Deutschland. Und die aktuellen Preise zwischen 13 und 19,25 Euro pro Kilogramm sind auch nicht dazu angetan, Autofahrer für das Antriebskonzept zu begeistern.

"Art of Steel" 
Kantig und selbstbewusst tritt der Hyundai Nexo der zweiten Generation aus. Von Fachwerk-Architektur wollen wir aber nicht sprechen.
„Art of Steel“
Kantig und selbstbewusst tritt der Hyundai Nexo der zweiten Generation aus. Von Fachwerk-Architektur wollen wir aber nicht sprechen.

Der Hyundai Nexo der zweiten Generation, der zum Jahreswechsel auf den deutschen Markt kam, braucht nach der Verbrauchsnorm WLTP etwa 0,9 Kilogramm von dem raren Gut auf 100 Kilometern Fahrstrecke. Und 6,69 Kilogramm davon gehen in seine drei Hochsicherheitstanks, so dass sich im Idealfall 826 Kilometer ohne Tankstopp zurücklegen ließen. Das entspricht in etwa der Entfernung zwischen Husum und Sindelfingen. Im ungünstigsten Fall wären dafür rund 130 Euro aufzuwenden – bei latenter Gefahr, am Zielort auf eine Tankstelle zu treffen, wo der Wasserstoff-Vorrat gerade zu Ende gegangen ist. Da ist die Reichweitenangst inzwischen größer als in einem Batterieauto, das irgendwo immer eine Steckdose findet.

Hyundai Nexo gewinnt an Profil

Vor dem Hintergrund ist es mutig, dass Hyundai trotz bescheidener Absatzzahlen weltweit (keine 7000 Fahrzeuge wurden 2025 abgesetzt, an dem Antriebskonzept festhält. Und eine gewiss nicht geringe Summe aufgewendet hat, um dem Nexo der zwischen 2018 und 2024 produzierten ersten Generation eine zweite folgen zu lassen. Als Technologieträger und eine Wette auf die Zukunft der Wasserstoff-Mobilität. Was dabei herausgekommen ist, weiß durchaus zu beeindrucken. Auch den Tester von EDISON bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Hyundai Nexo im Rhein-Main-Gebiet.

Ganz wohnlich 
Zwei Ladeschalen für Smartphones in der Mittelkonsole, edle Oberflächen und ein Breitwand-Display sorgen neben einem großzügigen Platzangebot dafür, dass sich die Insassen im Brennstoffzellen-Stromer wohl fühlen. Solange noch ausreichend Wasserstoff im Tank ist.
Ausgesprochen wohnlich
Zwei Ladeschalen für Smartphones in der Mittelkonsole, edle Oberflächen und ein Breitwand-Display sorgen neben einem großzügigen Platzangebot dafür, dass sich die Insassen im Brennstoffzellen-Stromer wohl fühlen. Solange noch ausreichend Wasserstoff im Tank ist.

Schon rein optisch hat der Brennstoffzellen-Stromer deutlich an Profil gewonnen. Statt rundgelutscht kommt der Nexo nun eckig und kantig daher – „Art of Steel“ nennt Hyundai die neue Designsprache. Er ist mit 4,75 Meter um acht Zentimeter in der Länge gewachsen, was nicht allein den Fondpassagieren, sondern auch dem Kofferraum zugute kommt, der nun 50 Liter mehr fasst als vorher. Schweinwerfer und Heckleuchten nehmen das inzwischen Hyundai-typische Pixel-Design auf, die farbig abgesetzten Lüftungsöffnungen in der Frontmaske sorgen für eine starke Prägnanz: Ja, der Nexo weiß zu gefallen. Auch im Innenraum, mit hochwertigen Oberflächen, zwei großen, zum Fahrer hin gekrümmten Infodisplays und einem Head-up-Display sowie einer bedienerfreundlichen Struktur: Wer schon ein mal in einem Hyundai saß, findet sich hier sofort zurecht und erstklassig aufgehoben.

Stärkerer Antrieb mit höherem Wirkungsgrad

Die wichtigsten Verbesserungen sieht man nicht – man spürt sie aber schon auf den ersten Metern. Der rund zwei Tonnen schwere Fronttriebler tritt kräftiger an, sein Fahrwerk ist komfortabler abgestimmt, der Passagierraum besser gekapselt. Die Erhöhung der Systemleistung von 135 kW auf 190 kW hat dem Nexo gut getan. Hyundai hat das Brennstoffzellensystem und die Leistungselektronik obendrein kräftig überarbeitet, um die Effizienz des Antriebs zu verbessern. Der Wirkungsgrad stieg darüber angeblich von 60 auf 61,7 Prozent. Gar um 16 Prozent stieg die maximale Leistung des Brennstoffzellen-Stacks auf 110 kW. Ja, es gibt durchaus Fortschritte bei der Technik zu vermelden.

Ladeanschluss 
Nein, hier wird nicht der Strom in den Akku eingespeist. Die Steckdose an der Flanke des Hyundai Nexo kann vielmehr erstmals dazu genutzt werden, um mit dem Inhalt des Akkus Elektrogeräte zu betreiben. Vehicle-to-Load lautet das Zauberwort.
Ladeanschluss
Nein, hier wird nicht der Strom in den Akku eingespeist. Die Steckdose an der Flanke des Hyundai Nexo kann vielmehr erstmals dazu genutzt werden, um mit dem Inhalt des Akkus Elektrogeräte zu betreiben. Vehicle-to-Load lautet das Zauberwort.

So sorgen neue Materialen und eine veränderte Konstruktion beispielsweise auch dafür, dass die Tanks mehr Wasserstoff in kürzerer Zeit speichern können. All das verbessert durchaus die Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs. Positiv fiel auf der Testfahrt auch das niedrige Geräuschniveau auf: Doppelverglasung, schallabsorbierende Reifen und eine aktive Geräuschunterdrückung sorgen dafür, dass auch schnelle Autobahnfahrten mit der Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h die Wohlfühlatmosphäre nicht stören. Ein gleich großes und ähnlich starkes Batterieauto wie der Hyundai Ioniq 9 könnte es nicht besser.

Hoher Einstiegspreis, niedriger Wiederverkaufswert

Dort würde aber nicht ständig die Sorge mitfahren, dass die vom Navigationssystem angepeilte Wasserstoff-Tankstelle außer Betrieb ist. Auch müsste man nicht so tief in die Tasche greifen – weder für die Antriebsenergie, noch für das Fahrzeug: Der Hyundai Nexo der zweiten Generation kostet in der Basisausführung 69.900 Euro, in der von uns gefahrenen „Prime“-Topausführung (mit Head-up-Display, Akustik-Verglasung, aktiver Geräuschunterdrückung und allerlei mehr) schon 77.550 Euro. Panorama-Glasdach und Kamera-Außenspiegel schlugen beim Testwagen mit weiteren 3000 Euro zu Buche – da war die Linie von 80.000 Euro schon gerissen.

Ein Ioniq 9 (ab 69.850 Euro) ist zwar kaum günstiger und mit dessen 110 kWh-Batterie sind im Idealfall auch nur Reichweiten von 620 Kilometern darstellbar. Aber dessen Gebrauchs- und Wiederverkaufswert dürfte deutlich höher liegen. Zwei Jahre alte Nexo der ersten Generation mit 4000 Kilometern Laufleistung werden bei mobile.de schon für weniger als 15.000 Euro angeboten, Toyota Mirais des Modelljahres 2023 (Neuwagenpreis 68.500 Euro) schon für weniger als 30.000 Euro: Das Vertrauen in die Technik muss hierzulande erst noch wachsen. Nicht nur Hyundai braucht da Mut – auch der Autokäufer, der sich auf die Technik einlässt.

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