Hyundai schwimmt gerade auf einer Erfolgswelle. Dementsprechend treten die Koreaner auch auf. „Das ist kein simples CUV, sondern ein stylisches SUV“, sagt Chef-Designer SangYup Lee und legt die Hand auf die mächtige Motorhaube des neuen Hyundai Santa Fe. Der Formgeber weiß, dass Trommeln ein Stück weit zum Handwerk gehört, schließlich hat er schon für VW, Porsche, Bentley und GM gearbeitet. Eine seine Kreationen, das Camaro Concept Vehicle, erlangte als Bumblebee im ersten „Transformers“-Film weltweite Berühmtheit.

Ganz so glamourös dürfte die Karriere der fünften Generation des Santa Fe nicht verlaufen, aber ein Verkaufserfolg sollte der große Bruder des Tuscon schon werden. Das Exterieur ist bildhafter Ausdruck der selbstsicheren Attitüde. Wo die fünfte Generation noch rundlich dahergekommen ist, tritt der neue Santa Fe kantig-kraftstrotzend auf. Das manifestiert sich auch in absoluten Zahlen: Der Santa Fe V ist mit einer Länger von 4,83 Metern um 45 Millimeter länger als bisher und auch der Radstand ist um fünf Zentimeter auf 2.815 Millimeter gewachsen.

Kastenwagen
Trotz der kantigen Form kommt der Hyundai Santa Fe auf einen cW-Wert von 0,29. Er ist damit aerodynamisch günstiger als das Vorgängermodell, Dafür sorgten die bekannten Kniffe wie ein glatter Unterboden. Fotos: Hyundai

„Der Chef-Ingenieur hat das Auto aufgrund des als ein Aerodynamik-Desaster bezeichnet“; erzählt SangYup Lee lachend. Da kannte der Techniker noch nicht den cW-Wert des neuen Santa Fe, der mit 0,29 um 0,04 Punkte unter dem des aktuellen Modells liegt. Die bessere Aerodynamik erreichten die Formgestalter durch bekannte Kniffe, wie etwa Verbesserungen am Unterboden, an den Radläufen, den Dach-Heckspoiler und vor allem dem Jalousie-Kühlergrill. In Südkorea steht das neue SUV demnächst beim Händler, Europa und die USA folgen in der ersten Jahreshälfte 2024. Anders als die US-amerikanische Version bekommt die europäische kein Lichtband vorne und steht serienmäßig auf 20 Zoll großen Reifen anstelle der 21 Zöller für den US-Markt.

Pferd von hinten aufgezäumt

Das Exterieur des neuen Hyundai Santa Fe ist so ein bisschen eine Melange verschiedener Automobile. Man nehme ein bisschen Volvo / Polestar (Front / Scheinwerfer), garniere dies mit einer gehörigen Portion Range Rover (Silhouette, Schulterlinie, Innenraum) und füge noch einen Schuss Honda Accord III Aerodeck (Rückleuchten): Schon ist die fünfte Generation des Santa Fe fertig.

Neue Sachlichkeit
Auch im Innenraum setzt sich die klare Linienführung fort. Das schräg stehende 6,6-Zoll-Klimaanlagen-Display über der Mittelkonsole haben sich die Koreaner bei Land Rover abgeschaut.
Neue Sachlichkeit
Auch im Innenraum setzt sich die klare Linienführung fort. Das schräg stehende 6,6-Zoll-Klimaanlagen-Display über der Mittelkonsole haben sich die Koreaner bei Land Rover abgeschaut.

„Tatsächlich haben wir das Pferd von hinten aufgezäumt und beim Heck begonnen“, enthüllt SangYup Lee. Also hat der Santa Fe eine weitaufschwingende Heckklappe, eine niedrige Ladekante und wertig wirkende Drehknöpfe. Beim umgelegten Lehnen der Rücksitze wächst das Kofferraumvolumen der fünfsitzigen Variante um rund 100 Liter. Die gewachsenen Abmessungen kommen natürlich auch bei den Insassen an. Beim Hybrid-Santa Fe wächst die Beinfreiheit der Rückbank um 20 Millimeter auf 1.055 Millimeter und bei der dritten Reihe sind es 15 Millimeter auf 761 Millimeter. Da die Kopffreiheit um 30 Millimeter auf 282 Millimeter wächst und die Lehne sich jetzt um zehn Grad nach neigen lässt, sollen Erwachsene auch ganz hinten Platz finden.

Sterilisationsanlage im Handschuhfach

Zu den Details, die den Koreanern so wichtig sind, gehören auch so praktische Hilfen wie Griffe an der Außenseite der Karosserie, um leichter an die optionale Dachbox oder gegebenenfalls in das Dachzelt zu gelangen. Im Innenraum erinnern das Lenkrad und das schräg stehende 6,6-Zoll-Klimaanlagen-Display über der Mittelkonsole sofort an Land Rover, während die beiden jeweils 12,3 Zoll großen Monitore aus dem konzerneigenen Technikregal stammen. Der Infotainment-Touchscreen ist gekrümmt, was bei der Erreichbarkeit vom Fahrersitz erleichtert.

Rauf aufs Dach  
Griffe an der Außenseite der Karosserie dienen dazu, leichter an die optionale Dachbox oder gegebenenfalls auch in ein Dachzelt zu gelangen - für den Fall, dass man es auf der Reise nach Santa Fe nicht mehr ins nächste Motel schafft.
Rauf aufs Dach
Griffe an der Außenseite der Karosserie dienen dazu, leichter an die optionale Dachbox oder gegebenenfalls auch in ein Dachzelt zu gelangen – für den Fall, dass man es auf der Reise nach Santa Fe nicht mehr ins nächste Motel schafft.

Der Pilot muss sich auch nicht dauernd nach hinten umdrehen, um die Stimmung auf der Rücksitzbank zu kontrollieren, das übernimmt ein Radar-Sensor. Praktisch ist auch, dass die Armablage beziehungsweise die Mittelkonsole von vorne und hinten geöffnet werden kann. Das Smartphone des Fahrers kann als Schlüssel genutzt werden und wenn es um das Laden geht, legt man es einfach in die großen Mittelkonsolen. Alternativ stöpselt man das Gerät an einen der USB-C-Anschlüsse, der dann mit 27 Watt Energie in die Batterien pumpt. Ein cooles Feature ist die UV-C-Sterilisationsablage im Handschuhfach, die für Handys und Portemonnaies geeignet ist. Die Software wird drahtlos aktuell gehalten und auch das Starten des Fahrzeugs per Fingerabdruck soll möglich sein.

Bis zu 70 Kilometer rein elektrisch

Der Hyundai Santa Fe teilt sich die Technik mit dem Tuscon, wurde aber im Detail verbessert. Unter anderem ist das Fahrwerk mit hydraulischen Buchsen bestückt. Es gibt zwei teilelektrifizierte Benziner, deren Basis der 1.6-Liter-Turbomotor (Gamma III) darstellt. Beim Hybrid ohne Stecker mit einer Systemleistung von 169 kW (230 PS) steuert der Benziner 132 kW (180 PS) bei, während es bei der Plug-in-Version 118 kW (160 PS) sein werden. Die Systemleistung dürfte zumindest auf dem Niveau der aktuellen Modellvarianten bleiben (195 kW / 265 PS), eventuell aber auch auf rund 221 kW / 300 PS ansteigen. Die Batteriekapazität und damit die rein elektrische Reichweite von maximal 70 Kilometern bleiben identisch.

Beide Antriebsstränge sind mit der Sechsgangautomatik gekoppelt und der Allradantrieb ist der gleiche wie im Tuscon mit einer elektrisch gesteuerten Kupplung. Allerdings soll der neue Santa Fe passend zu seinem rustikalen Auftreten auch im Gelände besser zurechtkommen. Die Preise sollen nur moderat steigen: Aktuell kostet der PHEV-Santa Fe mindestens 63.050 Euro.

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