Im „Buzzforum“ waren sie schon seit einigen Wochen ganz aufgeregt. Allein der Ankündigung von Konzernchef Herbert Diess, dass die Serienversion des VW ID.Buzz am 9. März der Weltöffentlichkeit präsentiert werde, hatte im Internet-Forum rege Diskussionen ausgelöst. Darüber, wie weit sich das Serienauto vom Konzept des „Microbus“ aus 2001 entfernt habe. Auch über die Frage, ob der neue Elektro-„Bulli“ mit einem langen Radstand komme und in der Camper-Version „California“. Und neugierig waren die VW-Fans natürlich auf den Preis des ID.Buzz und das Datum des offiziellen Verkaufsstarts.

Limonengelb und Starlight-Blue 
Auch die dreisitzige Cargo-Version des ID.Buzz wird in Zweifarb-Lackierung angeboten: Gute Laune hebt auch die Arbeitsmoral.
Limonengelb und Starlight-Blue
Auch die dreisitzige Cargo-Version des ID.Buzz wird in Zweifarb-Lackierung angeboten: Gute Laune hebt auch die Arbeitsmoral.

Nun, die meisten Fragen konnten heute Abend tatsächlich beantwortet werden bei der Enthüllung des „bislang emotionalsten Mitglieds der vollelektrischen ID. Familie“, das die „DNA des legendären Volkswagen T1 von 1950 mit einzigartigem Design, innovativer Technologie und fortschrittlicher Nachhaltigkeit in die Zukunft“ tragen soll, wie es in der Pressemitteilung heißt. In der Eventlocation „Schuppen 52“ am Hamburger Hafen präsentierten VW-Markenchef Ralf Brandstätter und VW-Nutzfahrzeugchef Carsten Intra mit dem neuen ID.Buzz und dem ID.Buzz Cargo die erste rein elektrische Bus- und Transporter Baureihe Europas in knallbunten Farben. In „Starlight Blue“, „Energetic Orange“, „Bay Leaf Green“ und „Limonengelb“ und den dazu passenden Interieurfarben. Da kam auch bei Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil trotz der düsteren Weltlage gute Laune auf.

20 Jahre vom Konzept zum Serienmodell

Schon insofern ist der ID.Buzz ein echter Lichtblick in einer eher düsteren Zeit. Auch wenn die Serienversion des Lifestyle-Transporters nur mehr die Grundform und das Antriebskonzept mit dem „Microbus“ gemein hat, den Volkswagen 2001 auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert hatte. Aber das ist nun mal das Schicksal von Konzeptautos: Auf dem Weg vom Design in die Konstruktion bleibt meist keine Schweißnaht auf der anderen. Und zwischen dem ersten Entwurf von Chefdesigner Klaus Zyciora liegen immerhin 20 Jahre – in der Zeit floss viel Wasser durch den Mittelland-Kanal. Es gab angeblich sogar eine Zeit, da wäre das Projekt in den Fluten des Kanals aus Kostengründen fast untergegangen wäre.

Der erste Entwurf
Das Konzeptauto „Microbus“ von 2001 war deutlich zierlicher als das 4,71 Meter lange Serienmodell. Und der Fußgängerschutz spielte damals noch nicht die große Rolle wie heute. Trotzdem konnten einige Designelemente in die Gegenwart gerettet werden.

Aber nun ist der ID.Buzz nicht nur fester Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie von VW, sondern auch gleich das „neue Gesicht einer intelligenten, zukunftsorientierten und nachhaltigen Mobilität“ – in Europa ebenso wie in Nordamerika, wo der klassische „Bulli“ bis heute eine große Fangemeinde hat.

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Technische Daten
ID. Buzz PRO / ID. Buzz Cargo

Länge/Breite/Höhe (mm): 4712/1985/1937 (Cargo: 1938)
Radstand (mm): 2988, Höhe Ladekante (mm) 632
Antrieb: 150 kW (204 PS), 310 Nm max. Drehmoment, Heckantrieb
Akkukapazität: 82 kWh Brutto, 77 kWh Netto
Ladeleistung: AC 11 kW, DC bis zu 170 kW
Reichweite: ca. 400 km
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Preis: ca. 60.000 Euro

Langversion des ID.Buzz folgt später

Dafür bringt der Neue außer fröhlich bunten Farben und einem komplett „tierfreien“ Innenraum (selbst das Lenkrad ist mit einem Lederimitat ummantelt) so einiges mit. Einen kräftigen Heckantrieb mit 150 kW (204 PS) Spitzenleistung und 310 Newtonmeter Drehmoment sowie einen Lithium-Ionen-Akku, der brutto 82 Kilowattstunden (kWh) Strom fasst. Für den Fahrbetrieb stehen davon 77 kWh zur Verfügung. Vor allem aber glänzt der Elektro-Bulli mit jeder Menge Platz im Innenraum – schon in der fünfsitzigen Version mit „kurzem“ Radstand von 2.988mm. Eine XL-„Langversion“ für sieben Sitze wird spätestens 2024 nachgeschoben, wenn der Export in die USA startet.

Schön bunt hier 
Kräftige Farben passend zur Außenlackierung peppen den Innenraum des ID. Buzz auf. Das Cockpit ist ähnlich wie in ID.3 und ID.4 aufgebaut - inklusive der Touchslider für Innenraumtemperatur und Lautstärkeregelung unter dem Zentraldisplay. Foto: VW
Schön bunt hier
Kräftige Farben passend zur Außenlackierung peppen den Innenraum des ID. Buzz auf. Das Cockpit ist ähnlich wie in ID.3 und ID.4 aufgebaut – inklusive der Touchslider für Innenraumtemperatur und Lautstärkeregelung unter dem Zentraldisplay. Foto: VW

Und der Innenraum des „Buzz“ ist nicht nur mit viel Farbe und Liebe zum Detail ausgekleidet, sondern bietet obendrein ein hohes Maß an Variabilität. Es gibt Ablagefächer und Schubladen in Hülle und Fülle, die Rücksitzbank ist nicht nur umklappbar, sondern auch verschiebbar – der Gepäckraum wächst darüber von 1.121 auf 2.205 Liter.

ID.Buzz auf Probefahrt Gewartet haben wir auf den ID. Buzz, den vollelektrischen Nachfolger des VW Bulli, eine gefühlte Ewigkeit. Aber jetzt geht‘s wirklich los. Hier ein paar neue Details. Elektroauto

Damit macht der ID.Buzz zwar dem teilelektrischen VW Multivan keine Konkurrenz (469-3672 Liter Kofferraumvolumen). Aber er hat das Zeug, den VW Sharan zu ersetzen: Der Familien-Van mit einem Kofferraumvolumen zwischen 885 und 2430 Litern wird zum Jahresende aus dem Lieferprogramm genommen.

Bis zu 170 kW Ladeleistung

Zwei seitliche Schiebetüren sind beim „Buzz“ serienmäßig, in der zwei- bis dreisitzigen Cargo-Version kostet die zweite Schiebetür Aufpreis. Zudem sind die Elektro-Transporter die ersten Fahrzeuge der ID-Familie, die für das bi-direktionale Laden vorbereitet sind: Über eine spezielle Wallbox kann der Strom zum Beispiel bei einem Blackout aus dem Akku in das Hausnetz eingeleitet werden. Einen speziellen Heimspeicher können sich die Besitzer eines Eigenheims mit Photovoltaik-Anlage damit ersparen.

Und falls mal unterwegs Strom gezogen werden muss: An Schnellladestationen kann der ID.Buzz den Strom mit bis zu 170 kW aufnehmen – da kommt aktuell selbst ein ID.5 GTX (135 kW) nicht mit. Der und auch die übrigen ID-Stromer mit großem Akku kriegen die höhere Ladeleistung erst mit dem nächsten Software-Update. Dafür geht es dann auf der Autobahn „Bulli“-typisch gemächlich voran: Schon bei 145 km/h wird in der aktuellen Konfiguration der Vortrieb abgeregelt.

Prototyp und Urform 
Das ikonische Design des T1 "Sambabusses"  aus den 1950er und 1960er Jahren versuchten die VW-Designer in die Gegenwart zu retten. Das V-förmige Frontschild mit dem großen VW-Logo war beim Prototypen von 2017 noch prägnanter. Foto: VW
Prototyp und Urform
Das ikonische Design des T1 „Sambabusses“ aus den 1950er und 1960er Jahren versuchten die VW-Designer in die Gegenwart zu retten. Das V-förmige Frontschild mit dem großen VW-Logo war beim Prototypen von 2017 noch prägnanter. Foto: VW

(UPDATE) Das senkt den Stromverbrauch und erhöht die Reichweite, die mit dem 77 kWh-Akku bei 400 Kilometern liegen soll: Die offiziellen Normverbräuche fehlen noch. Später sollen auch Versionen mit einer geringeren sowie einer höheren Akkukapazität nachgereicht werden. Und auch ein Allradler ist fest eingeplant.

Immerhin sickerte am Rande der Präsentation durch, was der Spaß in etwa kosten wird: Für die Basisversionen sind Preise zwischen 53.000 und 55.000 Euro veranschlagt – die Version PRO, die zunächst an den Start geht, wird wohl an der Marke von 60.000 Euro kratzen.

Deutlich günstiger wird der E-Bulli für Handwerker und Transportunternehmen: Die Preise für die Cargoversion mit kleinem Akku werden nach Angaben eines Firmensprechers zwischen 35.000 und 39.000 Euro liegen. Ähnlich vage blieben die Angaben zum Produktionsstart in Hannover („Erste Jahreshälfte 2022“) und zur Markteinführung in Europa („Herbst 2022“): Wegen der akuten Lieferprobleme bei Computerchips und Kabelbäumen will man sich in den Punkten noch nicht festlegen.

Mit längeren Lieferzeiten ist also auch hier zu rechnen. Zumal die Produktion in Hannover (Jahreskapazität 100.000 Einheiten) erst einmal hochgefahren werden muss. In diesem Jahr werde man deshalb wohl nur eine Produktion von etwa 50.000 Einheiten schaffen, hieß es. Zumal in Hannover ja auch noch noch der VW Bulli 6.1 vom Band läuft. Für die weitere Zukunft sind deshalb für den ID.Buzz noch andere Produktionsstätten – unter anderem in den USA – vorgesehen.

Immerhin geht der Vorverkauf in Deutschland im Mai los. Ganz sicher. Versprochen.

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