Der Kunststoffspezialist Igus aus Köln will ein Fahrrad entwickeln, das komplett nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konzipiert ist und ohne metallische Werkstoffe auskommt. Selbst Antriebskette, Lager und andere Verschleißteile sollen aus Kunststoff-Recyclat produziert werden – um das Fahrrad leichter zu machen, aber auch widerstandsfähiger gegen Korrosion. Aber auch Kosten- und Umweltvorteile könnten sich durch die Umstellung auf den alternativen Werkstoff ergeben. Zudem könnten dann sämtliche Komponenten in Europa produziert werden.

Igus hat sich dazu mit dem niederländischen Startup Dutchfiets zusammengetan. Das 2016 gegründete Unternehmen aus Woudenberg bei Utrecht hat bereits über 100 Fahrräder produziert, bei denen der Rahmen und die Räder komplett zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen. Und statt über eine Stahlkette wird hier die Muskelkraft über einen Riemen aus Polyurethan und Karbon auf das Hinterrad übertragen. Aber viele andere Bauteile der rund 1000 Euro teuren Räder wie die Vorderradgabel, Lenkstange, Sattelstütze und Verschleißteile bestehen immer noch aus konventionellen metallischen Werkstoffen.

Farbenfroh und nachhaltig
Dutchfiets aus den Niederlanden vertreibt bereits E-Bikes, bei denen die Rahmen und die Laufräder aus recyceltem Kunststoff bestehen. Die erste Serie der leichten Öko-Pedelecs war zu Preisen von knapp 1000 Euro schnell ausverkauft. Foto: Dutchfiets
Farbenfroh und nachhaltig
Dutchfiets aus den Niederlanden vertreibt bereits E-Bikes, bei denen die Rahmen und die Laufräder aus recyceltem Kunststoff bestehen. Die erste Serie der leichten Öko-Pedelecs war zu Preisen von knapp 1000 Euro schnell ausverkauft. Foto: Dutchfiets

Die Idee zu der Entwicklung des komplett stahlfreien Öko-Fahrrads hatte Igus-Geschäftsführer Frank Blase. Er hatte beobachtet, dass Fahrräder, die in Küstennähe benutzt werden, oft sehr schnell rosten. Bei einem Plastik-Fahrrad bestehe diese Gefahr nicht.

Erster Prototyp soll Ende des Jahres fertig sein

Der Kunststoff-Spezialist aus dem Kölner Süden will nun in seinem neuen Forschungszentrum zusammen mit dem Team von Dutchfiets an die Umsetzung der Idee gehen. Blase hofft schon Ende des Jahres einen ersten Prototypen präsentieren zu können. Immerhin produziert Igus bereits wartungsfreie Wälz- und Gleitlager aus Hochleistungskunststoffen für die Fahrradindustrie, die unter anderem in den Federgabeln, Motoren und Sattelstützen von E-Mountainbikes sowie etlichen Bauteilen von Cargobikes namhafter Hersteller zum Einsatz kommen.

Blase geht auch davon aus, dass das Plastik-Bike auch eine bessere Öko-Bilanz aufweisen würde als die aus Stahl oder Aluminium: Bei der Herstellung von Kunststoffen würden 50 Prozent weniger Erdöl verbraucht als bei ähnlichen Produkten aus Stahl und 70 Prozent weniger als bei Aluminium.

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