In mehr als 20 deutschen Städten finden am heutigen UN-Weltfahrradtag (3. Juni) so genannte Pop-up-Aktionen statt, bei denen Radfahrer ein stärkeres Engagement der Politik für einen umweltverträglicheren Verkehr und mehr Platz in den Städten für den Fahrradverkehr einfordern.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat bei der Gelegenheit erneut die Bundesregierung zu einer entschiedenen Mobilitätswende aufgerufen: Sie müsse die Rolle des Fahrrads als umweltverträgliches, einfach nutzbares und für alle bezahlbares Verkehrsmittel deutlich stärken.

Die Vertreter der Zweiradindustrie freuen sich über diese Initiativen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) forderte in einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) unter anderem eine „gerechte E-Mobilitätsförderung“ durch die Ausweitung und Verstetigung der Förderprogramme für Schwerlasträder – die Anschaffung von Cargobikes und Fahrradanhängern sollte ähnlich wie der Kauf von Elektroautos finanziell gefördert werden.

Lieferzeiten von mehreren Monaten

Und Finanzhilfen könnten Fahrradkäufer könnten in der Tat gut gebrauchen. Zwar ist die Nachfrage nach Fahrrädern und speziell E-Bikes weiterhin ungebrochen. Aber seit Jahresbeginn sind die Preise deutlich gestiegen – und die nächste Preisrunde dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Steigende Rohstoff- und Transportkosten sowie offenbar auch eine künstliche Verknappung von Teilen durch Lieferanten aus Fernost lassen die Branche derzeit ebenso ächzen wie Lieferzeiten von mehreren Monaten.

Gedrosselte Produktion
Einige Fahrradhersteller können aufgrund von Versorgungsproblemen nicht so viele Fahrräder ausliefern wie der Markt verlangt. Fahrradketten und Bremsscheiben sind derzeit Mangelwaren. Und auch an anderen Komponenten fehlt es gerade. Foto: pd-f

Aufgrund der schwierigen Lade hatten einige große Radhersteller bereits zu Jahresbeginn Preisanpassungen von bis zu zwölf Prozent vorgenommen. Und wie Heiko Müller vom E-Bike-Hersteller Riese+Müller aus Darmstadt jetzt in einem Pressegespräch andeutete, werden in Kürze wohl weitere Preiserhöhungen notwendig werden. Denn viele Lieferanten von Komponenten würden ihre Preiszusagen nicht mehr einhalten und weiter an der Schraube drehen – dem könne sich ein Zweiradhersteller nicht entziehen. Müller: „Unsere Magen sind nicht so üppig, dass wir Preiserhöhungen einfach schlucken können.“

Fahrradketten und Scheibenbremsen sind Mangelwaren

Wie Guido Müller vom Beleuchtungsspezialisten Busch & Müller aus Meinerzhagen ausführte, hätten sich die Preise für Kunststoff-Granulat seit Jahresbeginn von 1,90 auf 3,20 Euro pro Kilo erhöht. Und aufgrund eines gestiegenen Kupferpreises hätten sich Kabel bereits um 20 Prozent verteuert. Bei elektronik-Bauteile betrage die durchschnittliche Teuerung sogar 40 Prozent – und die aktuelle Lieferzeit betrage im Schnitt 20 Wochen. Fahrradketten und Scheibenbremsen beispielsweise seien derzeit echte Mangelwaren.

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Die Folge: Die Fahrräder werden zum Teil um mehrere Hundert Euro teurer – wenn sie denn überhaupt noch zu bekommen sind. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Preis eines im Fachhandel erworbenen „Bio-Bikes“ bereits bei 1279 Euro, der eines E-Bikes mit elektrischer Trittunterstützung bei durchschnittlich 2.975 Euro. Wobei es hier wie da Ausreißer nach oben gibt: Spezial-Bikes mit besonders hochwertigen Komponenten und mit Rahmen aus Carbon stehen auch schon mal mit einem fünfstelligen Kaufpreis in der Liste – und werden trotzdem gekauft. „Die Kunden sind heute bereit, deutlich mehr für ein hochwertiges Fahrrad auszugeben. Manche verkaufen ihren Zweitwagen – und erwerben vom Erlös zwei neue E-Bikes.“

Transportkosten bis zu zehn Mal teurer

Die Preisexplosionen, so führten die Experten aus, habe verschiedene Gründe – Corona sei nur einer davon. Die weltweite Pandemie habe unter anderem dazu geführt, dass sich die Fertigung von neuen Containern für den Übersee-Verkehr fast halbierte – und viele Container heute an den falschen Orten lagern. Die Transportkosten seien dadurch teilweise um das Zehnfache gestiegen.

Auch seien, wie Andreas Hombach vom Metallbauunternehmen WSM zu berichten wusste, wegen der Pandemie und der gesunkenen Nachfrage nach Stahl weltweit 70 Hochöfen stillgelegt worden – erst 20 davon seien in diesem Jahr wieder hochgefahren worden.

Wird sich die Lage in einigen Monaten also wieder entspannen und werden die Preise dann wieder sinken? Die Experten aus der Fahrradbranche gehen nicht davon aus. „Wir werden uns an das Preisniveau gewöhnen müssen“, sagte Markus Grill von Croozer aus Hürth bei Köln – das Unternehmen stellt unter anderem Fahrradanhänger her. Sein Tipp an die Verbraucher: Jetzt kaufen, was da ist. „Billiger wird es nicht.“

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