Wer in Deutschland nach einem kompakten Elektro-SUV sucht, stolpert unweigerlich über Namen wie VW ID.4, Kia EV3 oder den jüngst gestarteten Škoda Elroq. Nun drängt ein weiterer Akteur in den Markt, dessen Markenname hierzulande bislang kaum jemandem über die Lippen geht: Jaecoo. Die Kunstwort-Kreation (eine Mixtur aus dem deutschen Wort „Jäger“ und dem englischen „Cool“) gehört zum chinesischen Staatskonzern Chery Automobile. Während Chery mit Marken wie Omoda und Jaecoo in Teilen Südeuropas und Asiens längst Verkaufserfolge einfährt, machten die Chinesen um den anspruchsvollen deutschen Markt bisher einen spürbaren Bogen. Mit dem Jaecoo 5 EV ändert sich das nun.

Und der Neuling geht direkt über das stärkste aller Argumente: den Preis. Ab 32.400 Euro steht der in der „Select“-Version bereits sehr gut ausgestattete Stromer in der Liste. Zum Vergleich: Ein Škoda Elroq 60 mit vergleichbarer Batteriekapazität kostet in der neuen Sparversion „Essence“ wenigstens 38.670 Euro. Und auch ein Kia EV3 (Basispreis mit 58,3 kWh-Akku: 36.190 Euro) ist einige tausend Euro teurer.

Zisterziensische Schlichtheit 
Die Erbauer des Altenberger Doms aus dem Mittelalter verzichteten auf üppige Pracht außen wie innen. Eine ähnliche Philosophie pflegten wohl auch die Designer des Jaecoo 5: Bis auf den geschwungenen Heckspoiler finden sich am Fahrzeug keine Extravaganzen.
Zisterziensische Schlichtheit
Die Erbauer des Altenberger Doms aus dem Mittelalter verzichteten auf üppige Pracht außen wie innen. Eine ähnliche Philosophie pflegten wohl auch die Designer des Jaecoo 5: Bis auf den geschwungenen Heckspoiler finden sich am Fahrzeug keine Extravaganzen.

Geht die Rechnung für das Budget-SUV auf? Wir haben den Jaecoo 5 EV zu einer ersten ausführlichen Testfahrt durch das kurvige Bergische Land entführt – in der Topversion „Exclusive“, für die im Handel 35.400 Euro aufgrufen werden. Aufpreispflichtig ist hier lediglich der Wunsch nach einer anderen Lackierung – falls „Khaki White“ gerade nicht zusagt.

Design & Plattform: Ein Hauch von Solihull

Optisch setzt der 4,38 Meter lange Jaecoo 5 auf klare Kante und die von den Chery-Designern gern beschworene „britische Eleganz“. Das ist kein reines Marketing-Geschwurbel: Die aufrechte Front, die horizontal betonte Heckpartie und die Fensterlinie erinnern verblüffend an Modelle aus dem Hause Land Rover. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Chery unterhält in China seit Jahren ein erfolgreiches Joint Venture mit Jaguar Land Rover (CJLR) und bereitet derzeit die Wiederbelebung des Namens „Freelander“ als eigenständige Elektro-Marke vor. Die Verwandtschaft schimmert beim Jaecoo 5 jedenfalls an mehr als einer Karosseriefuge durch.

Cooler Jäger
Die Bodenfreiheit von 166 Millimetern und ein Böschungswinkel von 20 Grad vorne und 29,8 Grad hinten erlaubt auch schon mal Ausflüge mit dem Jaecoo 5 ins Gelände. Größere Räder stünden dem Kompakt-SUV trotzdem gut zu Gesicht.
Cooler Jäger
Die Bodenfreiheit von 166 Millimetern und ein Böschungswinkel von 20 Grad vorne und 29,8 Grad hinten erlaubt auch schon mal Ausflüge mit dem Jaecoo 5 ins Gelände. Größere Räder als die montierten 18-Zöller stünden dem SUV trotzdem gut zu Gesicht.

Europäischer soll das Auto ohnehin werden: Noch rollt der Jaecoo 5 aus China an, doch bereits ab dem ersten Quartal 2027 soll das Modell im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona montiert werden.

Innenraum & Platzangebot: Schick, aber hinten zwickt es

Im Interieur empfängt uns der Jaecoo 5 in der Topversion „Exclusive“ modern und aufgeräumt. Das vertikale 13,2-Zoll-Zentraldisplay und das 8,9-Zoll-Kombiinstrument wirken gestochen scharf, befeuert von einem reaktionsschnellen Qualcomm-Snapdragon-8155-Chip. Kunstledersitze mit Belüftung, Panoramadach, beheiztes Volant und eine zweilagige Akustikverglasung vorne gehören bei der Topversion zur Serienausstattung. Originell: Chery bewirbt den Fünfer massiv als „haustierfreundlich“ – die Kunstlederbezüge sind kratzfest, antibakteriell beschichtet und lassen sich im Nu reinigen, ergänzt durch einen eigenen „Haustier-Klimamodus“ für kurze Stopps am Supermarkt.

Volle Hütte 
Die Serienausstattung des Jaecoo 5 ist schon in der Basisausführung gut und lässt in der Exclusive-Version kaum Wünsche offen. Serienmäßig sind 20 Assistenzsysteme, klimatisierte Vordersitze mit Kunstlederbzügen sowie ein Panorama-Glasdach an Bord.
Volle Hütte
Die Serienausstattung des Jaecoo 5 ist schon in der Basisausführung gut und lässt in der Exclusive-Version kaum Wünsche offen. Serienmäßig sind 20 Assistenzsysteme, klimatisierte Vordersitze mit Kunstlederbzügen sowie ein Panorama-Glasdach an Bord.

Vermisst haben wir allerdings ein Head-up-Display – wer aufmerksam auf die Straße schauen will, muss den Blick stets nach unten auf das kompakte Instrumentendisplay richten. Auch bei der Ergonomie gibt es Abzüge: Die Rekuperation lässt sich nicht elegant per Lenkradwippen modulieren (wie man es etwa vom Škoda Elroq oder Kia EV3 kennt), sondern muss umständlich über Untermenüs auf dem Touchscreen angewählt werden.

Beim Platzangebot zeigt der Blick in die Datenkarte, wo die Grenzen liegen:

  • Jaecoo 5: Länge 4.380 mm | Radstand: 2.620 mm
  • Kia EV3: Länge 4.300 mm | Radstand: 2.680 mm
  • Škoda Elroq: Länge 4.488 mm | Radstand: 2.765 mm

Trotz kompakter Außenlänge bietet der Jaecoo mit 2.620 Millimetern den kürzesten Radstand im Trio. Vorne sitzt man luftig, doch im Fond spürt man die fehlenden 14 Zentimeter Radstand im Vergleich zum Škoda deutlich: Großgewachsene stoßen mit den Knien schnell an die Vordersitzlehnen. Der Kofferraum fasst 384 Liter (erweiterbar auf 1.284 Liter), ergänzt um einen praktischen 35-Liter-Frunk unter der Haube. Auch hier bieten Kia (460 Liter bei voller Bestuhlung) und Škoda (470 Liter) deutlich mehr.

Fahreindruck: Komfortabel, aber weich im Gebälk

Als „kleiner Bruder des Jaecoo 7“ will der Jaecoo 5 „kein Auto sein, das die Welt verändert“, räumt das Management hinter vorgehaltener Hand ehrlich ein. Und genau so fährt er sich auch. Angetrieben von einer 155 kW (210 PS) starken E-Maschine an der Vorderachse geht der Chinese durchaus beherzt zu Werke: 288 Nm Drehmoment und ein Standardsprint in 7,7 Sekunden reichen für Überholmanöver im Bergischen Land allemal aus.

Landstraßen-Cruiser
Das Fahrwerk ist spürbar auf Komfort getrimmt, fällt für unseren Geschmack aber einen Tick zu weich aus. Foto: Bart van Bestrop

Die Kehrseite zeigt sich auf den kurvigen Landstraßen rund um Altenberg und das Bergische Land: Das Fahrwerk ist spürbar auf Komfort getrimmt, fällt für unseren Geschmack aber zu weich aus. Bei schnellen Richtungswechseln gerät der Aufbau spürbar ins Wanken, was die Freude am Kurvenräubern schnell dämpft. Auf unebenen Querfugen und bei forscher Kurvenhatz knarzte es bei unserem Vorserien-Testwagen zudem vernehmlich im Gebälk – hier darf Chery bis zum Start der Produktion in Barcelona bei der Torsionssteifigkeit gerne noch eine Schippe drauflegen.

Auf der Langstrecke und im Stadtverkehr bügelt die weiche Abstimmung Kanten und Kanaldeckel dafür gelassen weg, und dank der Akustikverglasung bleibt es im Innenraum angenehm leise.

Verbrauch & Laden: Bewährte Hausmannskost

Beim Verbrauch schlug sich der Jaecoo 5 wacker: Unser Testverbrauch über eine gemischte Runde aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn lag bei 17,5 kWh/100 km, also nur leicht über der Werksangabe nach WLTP von 16,5 kWh/100 km. Mit dem verbauten 61-kWh-LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) wären im Alltag also reale Reichweiten zwischen 330 bis 350 Kilometern realistisch.

Zeit zum Shoppen 
34 Minuten braucht es, um den Ladestand des 61 Kilowattstnden fassenden LFP-Akku auf 80 Prozent zu heben - bei einer maximalen Ladeleistung von 130 kW. Da sind einige der stärksten Konkurrenten schon längst wieder auf der Piste. Fotos: Rother
Zeit zum Shoppen
34 Minuten braucht es, um den Ladestand des 61 Kilowattstnden fassenden LFP-Akku auf 80 Prozent zu heben – bei einer maximalen Ladeleistung von 130 kW. Da sind einige der stärksten Konkurrenten schon längst wieder auf der Piste. Fotos: Rother

Am Schnelllader zeigt sich jedoch das Alter der Plattformarchitektur. Die maximale Ladeleistung an DC-Stationen liegt bei 130 kW. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent nimmt laut Datenblatt 34 Minuten in Anspruch – Werte, die vor drei Jahren konkurrenzfähig waren, heute aber niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Immerhin: An der heimischen Wallbox zieht der Jaecoo serienmäßig über ein 11-kW-Bordladegerät Strom. Und auch eine V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) mit bis zu 3,3 kW zur Speisung externer Camping-Geräte ist bereits an Bord.

Vorläufiges Fazit

Der Jaecoo 5 EV ist kein Dynamiker und setzt weder beim Ladetempo noch bei der Raumökonomie Maßstäbe. Und doch könnte der Schachzug von Chery aufgehen: Für 32.400 Euro Grundpreis – flankiert von üppigen 7 Jahren Fahrzeug- und 8 Jahren Batteriegarantie sowie einem rasant wachsenden Händlernetz – schnüren die Chinesen mit dem vollelektrische Kompakt-SUV ein Preispaket, bei dem die europäische Konkurrenz schlucken muss. Wer mit der weichen Fahrwerksauslegung, dem fehlenden Head-up-Display und den mäßigen Schnellladezeiten leben kann, bekommt einen voll ausgestatteten, schicken Alltagsbegleiter, der vor allem den Geldbeutel schont.

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