Im Victoria & Albert Museum zu London ist das Hochzeitsauto von Prince Harry und Meghan Marcle noch bis zum April kommenden Jahres zu bewundern: Der Elektrorenner, mit der sie im Sommer vergangenen Jahres zu einem Hochzeitsempfang ins so genannte Frogmore House surrten. „Accelerating the Modern World“ heißt die spektakuläre Autoausstellung im weltberühmten Museum für Kunst und Design, in der jenes hellblaues Jaguar Cabriolet ohne Zweifel zu den Highlights zählt – neben dem Flugauto Popup Next von Italdesign und dem Messerschmidt Kabinenroller.

Karbon statt Wurzelholz, Displays statt Uhren
Das Cockpit des Elektro-Sportwagens wurde komplett neu gestaltet, auch die Handschaltung entfiel.
Foto: Jaguar

Doch beschleunigen wird der „Jaguar E-Type Zero“ die moderne Welt erst einmal nicht. Obwohl nach der Weltpremiere des Konzeptautos zahlreiche wohlhabende Jaguar-Fans in aller Welt die Scheckbücher zückten und Bestellungen aufgaben, hat der britische Autobauer die Fertigung das nach eigener Ansicht „schönsten Elektroautos der Welt“ erst einmal auf Eis gelegt. „Die Prioritäten im Hauptquartier wurden neu gesetzt“, erfuhr EDISON von einem verantwortlichen Manager von Jaguar LandRover Classic.

Akkublock statt Zylinderkopf
Blick in den Motorraum des elektrisch angetriebenen Jaguar E-Type Zero. Foto: Jaguar

Die Oldtimer-Spezialisten sollten unter Verwendung historischer Original-Karossen und -Fahrwerke die ursprünglich von einem Sechszylinder befeuerten Sportwagen vom Typ E in einen Stromer verwandeln – die Modellbezeichnung „E-Type“ hätte darüber eine ganz neue Bedeutung bekommen. Geplant war der Einbau eines elektrischen Antriebsstrangs mit 220 Kilowatt Leistung und einer Lithium-Ionen-Batterie mit 40 Kilowattstunden Speicherkapazität. Bis zu 270 Kilometern sollte der E-Jaguar damit emissionsfrei fahren können – zur nächsten Hochzeitsfeier oder einfach nur raus ins Grüne.

80.000 Euro nur für den Antriebsstrang

Etwa 80.000 Euro, so die Schätzung, hätte allein die Verwandlung des Jaguars vom Verbrenner zum Stromer gekostet. Hinzu wären die Kosten für das Auto selbst gekommen – noch einmal wenigstens 100.000 Euro bei einem Modell der Serie 1.5. Motor und Getriebe wären im Klassik-Center fachkundig herausoperiert worden, um fortan als Dekorationsstücke zu dienen oder auf Wiedereinbau und Wiedererweckung in einem späteren Zeitalter zu warten. „Wir haben den neuen elektrischen Antriebsstrang in die bestehende Struktur des E-Type implantiert. Das heißt, dass jederzeit auch wieder ein konventioneller Motor eingebaut werden kann“, versprach Projektleiter Tim Hanning damals. Auf diese Weise sollte die DNA des historischen Fahrzeugs erhalten bleiben.

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Statt eines Einfüllstutzens für Superbenzin liegt unter dem Tankdeckel des E-Type Zero ein Ladestecker vom Typ 1. Foto: Jaguar

Ende 2020 sollte der Jaguar E-Type Zero in Serie gehen. Doch der Plan wurde jetzt auf Eis gelegt. Erst einmal. Ende 2021, Anfang 2022 werde das Management um Jaguar-Chef Ralf Speth über das Projekt neu diskutieren. Denkbar, heißt es, sei auch eine Ausweitung des „Conversion“-Programms: Der elektrische Antriebsstrang passt nicht nur in einen E-Type, sondern auch in einen Roadster vom Typ XK oder eine Limousine vom Typ MK2.

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