Auf den ersten Blick wirkt der neue MG4 EV Urban, der von der SAIC-Tochter MG Motor jüngst auf einem „Tech Day“ in Deutschland präsentiert wurde, wie ein klassischer, funktionaler Kompaktwagen für den städtischen Alltag. Mit seiner klaren, auf das Wesentliche reduzierten Formensprache und seiner Länge von knapp 4,40 Metern drängt er sich optisch nicht auf. Doch der wahre Clou, eine waschechte technische Sensation, verbirgt sich zwischen den Achsen: Der MG4 EV Urban wird das weltweit erste Serienfahrzeug sein, das von einer Semi-Solid-State-Batterie angetrieben wird.
Dank der neuen E3-Elektroplattform und intelligenter „Cell-to-Body“-Technologie wird dieser neuartige „SolidCore“-Stromspeicher direkt in die Fahrzeugstruktur integriert. Wenn der Fronttriebler voraussichtlich im vierten Quartal 2026 auf die Straße rollt, wird er mit zwei Batteriegrößen (43 kWh und 54 kWh) angeboten. In der größeren Version ermöglicht das Kompaktauto so alltagstaugliche Reichweiten von bis zu 415 Kilometern nach der WLTP-Verbrauchsnorm. Die Variante mit der größeren Speicherkapazität wird wohl über die SolidCore-Batterie verfügen – die Unternehmenssprecher wollten sich da noch nicht festlegen.
Leistungsdichte zwischen 180 bis 250 Wh/kg
Die treibende Kraft hinter dieser innovativen Speicher-Technologie ist der Batteriespezialist Qingtao New Energy. Dessen Mitbegründer Dr. Li Zheng, der heute als Chief Battery Scientist bei MG Global fungiert, erklärte auf dem Tech Day das immense Potenzial der neuen Zellen: Der neuartige Stromspeicher erreicht im MG4 Urban bereits eine Energiedichte von 180 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg). In einer weiteren Ausbaustufe für eines der kommenden Modelle der Premium-Schwestermarke IM soll die Energiedichte sogar auf beachtliche 250 Wh/kg klettern. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Lithium-Ionen-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Chemie kommt auf eine Energiedichte zwischen 90 und 160 Wh/kg, für Stromspeicher mit Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Chemie sind Werte zwischen 150 und 250 Wh/kg typisch.

Blick in das Innenleben des innovativen Batteriemoduls, das MG demnächst im neuen MG4 Urban verbaut. Durch den drastisch reduzierten Flüssiganteil im Inneren der Zellen wird das Risiko von thermischen Reaktionen hier deutlich gesenkt.
Der technologische Kern der SolidCore-Batterie liegt in ihrem physikalischen Aufbau: Im Gegensatz zu konventionellen Lithium-Ionen-Batterien besteht der Elektrolyt hier zu rund 95 Prozent aus festen Bestandteilen. Diese feste Materialstruktur legt sich wie ein Schutzschild um die Elektroden. Der entscheidende Vorteil dieser Semi-Solid-Technik ist das enorme Plus an Sicherheit. Durch den drastisch reduzierten Flüssiganteil im Inneren der Zellen wird das Risiko von thermischen Reaktionen deutlich gesenkt. Interne Tests von MG Motor belegen, dass die Batterie selbst unter extremen Hitzebedingungen von bis zu 1.000 Grad Celsius eine hohe Sicherheit gewährleistet: Sie kann nicht brennen.
Kälteresistent, sicher und leistungsstark
Neben der Sicherheit adressiert die SolidCore-Batterie einen der größten Kritikpunkte der Elektromobilität: die Temperatursensibilität im Winter. Die Batterie wurde für einen extrem breiten Temperaturbereich entwickelt und liefert auch bei klirrender Kälte von bis zu minus 30 Grad Celsius eine stabile Leistung. Die Fahrer profitieren hier von spürbaren Alltagsvorteilen: Gerade bei kalten Temperaturen reduzieren sich die Ladezeiten bei herkömmlichen Elektroautos meist um etwa 15 Prozent.

Der neue MG4 Urban kommt unscheinbar daher. Aber das Platzangebot in dem Kompakt-Stromer ist auch auf der Rücksitzbank erstaunlich großzügig. Und die „SolidCare“-Batterie im Fahrzeugboden ist geradezu revolutionär. Fotos: MG
Auch beim Fahren selbst verspricht die Semi-Solid-Technologie mehr Dynamik. Eine spezielle Spinell-Struktur ermöglicht den Lithium-Ionen eine dreidimensionale Bewegung, was den Energietransport im Vergleich zu herkömmlichen Batterien merklich beschleunigt. Das Resultat ist eine um 20 Prozent höhere Leistungsabgabe. Obendrein ist der neue Akku leichter: MG präsentierte auf dem Tech Day am ein Modell seiner Festkörperbatterie mit den Maßen 1,30 m lang, 1,17 m breit und 11 cm hoch. Die Kapazität liegt bei 100 kWh bei einem Gewicht von 296 kg.
Neue Technik macht Akku nicht unbedingt teurer
Was der MG4 Urban in Deutschland kosten wird, hat der Importeur noch nicht verraten. Aber der Preis könnte die Wettbewerber aufschrecken: Das zunächst noch mit einem konventionellen LFP-Akku ausgerüstete Basismodell wird in Österreich schon für 19.900 Euro angeboten. Und die Version mit der Solid-Core-Batterie muss nicht unbedingt teurer sein: „Die Materialkosten sind nicht höher als bei einem konventionellen Akku“, verriet Li Zheng.
Er bereitet sich mit seinem Team in China auch schon auf die nächste Evolutionsstufe vor: echte All-Solid-State-Batterien, die künftig Energiedichten von bis zu 400 Wh/kg und Reichweiten eines Elektroautos von über 1.000 Kilometern ermöglichen sollen. Laut Li Zheng wird bereits ein „Demo Car“ mit einer Feststoffbatterie aufgebaut, das im kommenden Jahr auf Testfahren gehen soll. Mit dem Start einer ersten Serienfertigung rechnet er allerdings erst gegen Ende des Jahrzehnts.
Welche staatliche Förderung soll es in Österreich geben?
Stimmt, es handelt sich um eine Förderung des Herstellers (€ 2.000,- Umweltbonus und € 2.500,- Eintauschbonus). Wird korrigiert. Danke für den Hinweis.