Der chinesische E-Auto-Gigant BYD zündet beim Schnellladen die nächste Stufe. Aktuell testet der weltgrößte E-Autobauer in seinem Heimatland nach einem Bericht von CarNewsChina ein extrem schnelles „Flash-Charge“-Ladenetzwerk, das bisherige Ladezeiten massiv unterbietet. Erste Aufnahmen und durchgesickerte Details der Teststation in Shenzhen, die sich nahe dem BYD-Hauptsitz befindet, sind beeindruckend. Die Anlage wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Kraftstoff-Tankstelle und ist mit T-förmigen Ladesäulen sowie flüssigkeitsgekühlten Ladekabeln ausgestattet. Die verbaute Technik hat es in sich: Das System basiert auf einer 1000-Volt-Architektur und liefert eine Spitzenleistung von unglaublichen 1500 kW bei einer Stromstärke von 1500 Ampere.
Zum Vergleich: Das ist etwa die dreifache Leistung der in China eingesetzten Tesla V4-Supercharger (500 kW) und rund viermal so flott wie die aktuellen 400-kW-Schnelllader in Deutschland. Zwar tut sich auch auf dem hiesigen Markt etwas. So installiert der Ladeanbieter Ionity bald Ladesäulen mit 600 kW Ladeleistung im nordrhein-westfälischen Werne. Doch BYD stößt in völlig neue Dimensionen vor. Ein Akku, der an einem gewöhnlichen Schnelllader rund 20 Minuten bräuchte, um auf 80 Prozent zu kommen, ist an den neuen China-Säulen in nur noch etwa fünf Minuten geladen. Dies gleicht beim Nachladen fast schon dem bekannten Tankstellentempo.
Komfort per App und niedrige Preise
Der Ladevorgang selbst soll dank automatischem Plug-and-Charge und einer eigenen App besonders reibungslos ablaufen: Nach dem Einstecken des Ladekabels startet die Stromzufuhr in etwa zehn Sekunden. Ein weiterer Pluspunkt für Kunden in China ist der aufgerufene Vorführpreis: Die Kilowattstunde kostet dort momentan 1,3 Yuan. Umgerechnet sind es etwa 16 Eurocent.

Das elektrische Luxus-Kombi – Konkurrent des Porsche Taycan Sport Turismo – ist auf eine maximale Ladeleistung von 1000 kW ausgelegt. Nötig sind dafür die Hyper-Flash-Charger von BYD. Die ersten davon sollen im Laufe des Jahres auch in Deutschland stehen.
Die neuen Superlader akzeptieren aktuell allerdings nur Fahrzeuge, die Ladeleistungen von mehr als 1000 kW technisch überhaupt verarbeiten können. Zu diesen ausgewählten Modellen gehören unter anderem der BYD Tang, der BYD Seal 07 sowie der Denza Z9 GT. Das ist auch für den europäischen Markt hochrelevant: Der BYD Tang wird hierzulande bereits verkauft, während das Edelmodell Denza Z9 GT im Frühjahr 2026 seinen Marktstart in Deutschland feiern soll.
Erste Anlagen bald auch in Deutschland
Bis dahin sollen auch hierzulande die ersten Hyper-Flash-Charger in Betrieb gehen, wie Deutschland-Chef Lars Bialkowski kürzlich in einem Interview mit EDISON ankündigte. „Wenn wir die Voraussetzungen des Eichrechts jetzt schnell gelöst kriegen, dann werden wir bald auch die ersten sehen“, so Bialkowski. Wie viele und wo genau, wollte er noch nicht verraten. Nur so viel steht derzeit fest: Installiert werden sie auf dem Gelände von BYD-Handelsbetrieben. Und sie sollen auch Elektroautos anderer Marken offen stehen.
Aber zuerst müssten noch die Probleme gelöst werden, die mit der extrem hohen Ladeleistung und den Regularien auf dem deutschen Strommarkt verbunden sind. „Wir arbeiten derzeit intensiv an einer vollständigen Angleichung von Technologien und Prozessen.“ Ein besonderes Bonbon hatte Bialkowski auch noch bereit: Um den Start des Ladesystems zu beschleunigen, könnte die Energie zu Beginn sogar teilweise kostenfrei abgegeben werden.