Der Trend scheint nicht aufzuhalten. Nicht nur in Europa surren sich immer mehr Post- und Lieferdienste vollelektrisch durch Wohnsiedlungen, Innenstädte und Gewerbegebiete. Auch der US Postal Service verkündete jüngst, die Zahl der Elektrolieferwagen auf mehr als 25.000 Fahrzeuge verdoppeln zu wollen.

Die Deutsche Post/DHL betreibt bereits seit 2019 mit seinen selbst entwickelten und in Eigenregie produzierten 10.000 Street-Scooter-Fahrzeugen sowie rund 12.000 E-Trikes eine der größten Elektroflotten in Deutschland. Doch die in Eigenregie entwickelten und gefertigten Elektrolieferwagen floppten. Brennende Akkus,, mangelnde Zuverlässigkeit sowie hohe Produktionskosten sorgten dafür, dass DHL aus dem Transportergeschäft wieder ausstieg und die Fertigungsrechte schließlich an das Luxemburger Konsortium Odin Automotive – inzwischen umbenannt in B-ON – um den früheren BMW-Vorstand Stefan Krause verkaufte. Bis 2023 will DHL trotzdem sieben Milliarden Euro in eine klimaneutrale Logistik investieren. Mehr Erfolg soll der Elektrolieferwagen Street Scooter Gigabox bringen, der in seinen zwölf Kubikmetern Laderaum bis zu 240 Pakete transportieren kann. 

Electric Delivery Van (EDV) von Amazon 
Zusammen mit dem Startup Rivian hat der US-Liefergigant den EDV700 entwickelt, einen elektrischen Lieferwagen mit einem Ladevolumen von 20.000 Litern und einer Reichweite von 320 Kilometer. Die ersten Autos werden 2023 eingesetzt. Foto: Amazon.
Electric Delivery Van (EDV) von Amazon
Zusammen mit dem Startup Rivian hat der US-Liefergigant den EDV700 entwickelt, einen elektrischen Lieferwagen mit einem Ladevolumen von 20.000 Litern und einer Reichweite von 320 Kilometer. Die ersten Autos werden 2023 eingesetzt. Foto: Amazon.

Liefergigant Amazon ist weltweit nicht nur mit 1.800 Vans der Mercedes-Modelle eVito und eSprinter unterwegs, sondern hat zusammen mit dem amerikanischen Elektroautostart-Up Rivian einen eigenen Elektrolieferwagen entwickelt. „Wir brauchen weiterhin Innovationen und Partnerschaften mit Automobilherstellern wie Mercedes-Benz, um den Transportsektor zu dekarbonisieren und die Klimakrise zu bekämpfen“, erläutert Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon. „Die Erweiterung um 1.800 elektrische Lieferfahrzeuge ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg zum Aufbau der nachhaltigsten Transportflotte der Welt, und wir werden uns beeilen, diese Fahrzeuge noch in diesem Jahr auf die Straße zu bringen.“

Rivian EDV 700 mit 320 Kilometer Reichweite

Der US-Liefergigant hatte 2019 zunächst 100.000 der Elektrolieferwagen bestellt, die den offiziellen Namen EDV – Electric Delivery Van – tragen und bis Ende 2024 ausgeliefert werden sollen. Der Rivian Commercial Van ist als Monoachs- oder Allradantrieb zu bekommen und hat ein Ladevolumen von 12.700 bis 25.000 Litern sowie Nutzlasten zwischen 890 und 2.400 Kilogramm. Sein Wendekreis liegt bei 16,70 Metern. Die elektrisch angetriebenen Modelle sind über ein eigenes Flotten-Betriebssystem für maximale Effizienz und Kostenoptimierung miteinander sowie der Zentrale verbunden. Amazon hält selbst 20 Prozent der Rivian-Anteile.

Gefertigt werden die EDV im Rivian-Stammwerk in Normal / US-Bundesstaat Illinois. Das erste Modell, das nunmehr mit einer Handvoll Fahrzeuge in Kalifornien in Dienst gestellt wurde, ist der Rivian EDV 700 mit einem Ladevolumen von 700 Kubikfuss, umgerechnet knapp 20.000 Litern Stauraum. Die maximale Reichweite des elektrischen Lademeisters sind 320 Kilometer. Nachgeladen werden kann mit Geschwindigkeiten bis zu 150 kW. Ab Mitte dieses Jahres soll der Rivian Delivery Van auch für andere Flottenkunden zu bestellen sein; die Auslieferungen sind dann ab Anfang 2023 angedacht.

400 Kilometer mit einer Akkuladung 
Die GM-Tochter Bright Drop nutzt für den elektrischen Lieferwagen Zevo 600 die nagelneue Ultium-Plattform. Foto: BrightDrop
400 Kilometer mit einer Akkuladung
Die GM-Tochter Bright Drop nutzt für den elektrischen Lieferwagen Zevo 600 die nagelneue Ultium-Plattform. Foto: BrightDrop

DHL- und UPS-Gegner FedEx hat sich als reiner Paketlieferdienst für die Modelle des Wettbewerbers BrightDrop, einer General-Motors-Tochter, entschieden. „Was BrightDrop auszeichnet, ist unser Ökosystem“ sagt BrightDrop-CEO Travis Katz, „wir stellen nicht nur Elektrofahrzeuge oder Flottenmanagement-Software her. Wir bauen intelligente Lösungen, die den Warenverkehr einfacher und effizienter machen und gleichzeitig bessere Gemeinschaften für uns alle schaffen.“

FedEX setzt auf Zevo 600 von GM-Tochter Bright Drop

Der Zevo 600 von BrightDrop ist ein vollelektrischer Transporter, der speziell für die Auslieferung von Waren und Dienstleistungen entwickelt wurde. Er bietet eine elektrische Reichweite von über 400 Kilometern mit einer Akkuladung und kann 250 Kilometer pro Stunde nachladen, was für kurze Standzeiten sorgt. Auch wenn man es dem Transport-Koloss nicht ansieht, ist der Transporter mit einem Ladevolumen von fast 17.000 Litern auf der gleichen GM-Ultium-Plattform wie der Cadillac Lyriq unterwegs.

Gefertigt wird er im kanadischen CAMI-Werk. Technisches Highlight ist die Bright-Drop-Softwareplattform, die für eine Optimierung der Geschäfts- und Flottenabläufen sorgt, indem sie Kunden die Möglichkeit bietet, die Standortdaten ihrer Fahrzeuge in Echtzeit zu sehen, den Batteriestatus zu überwachen, Fernbefehle auszuführen, Ladevorgänge zu verwalten und Over-the-Air-Updates zu erhalten.

Stromern zum Fischmarkt
Bei einem Großversuch von Logistik-Dienstleistern am historischen Billingsgate Market in London konnten die CO2-Emissionen aus dem Lieferverkehr unter anderem durch den Einsatz eines E-Transit von Ford immerhin um 37 Prozent gesenkt werden. Foto: Ford
Stromern zum Fischmarkt
Bei einem Großversuch von Logistik-Dienstleistern am historischen Billingsgate Market in London konnten die CO2-Emissionen aus dem Lieferverkehr unter anderem durch den Einsatz eines E-Transit von Ford immerhin um 37 Prozent gesenkt werden. Foto: Ford

Ford hat jüngst seinen elektrischen Transit, eines der erfolgreichsten Transportfahrzeuge Europas vorgestellt. Zudem erprobt der Autobauer aus Dearborn/Michigan zusammen mit dem Paketdienst Hermes nicht nur den Einsatz von elektrischen Fahrzeugen, sondern auch die Kombination mit Fußgängerkurieren, um die Zustellung von Paketen schneller und nachhaltiger zu gestalten. Die Sendungsübergabe von den Lieferfahrzeugen an Fußgängerkuriere wird über MoDe:Link koordiniert – eine cloudbasierte Routing- und Logistiksoftware, die von Ford entwickelt wurde. Gewährleistet wird ein sicheres Anhalten des Fahrzeugs sowie ein optimaler Übergabepunkt an die jeweiligen Fußgängerkuriere, um ihnen unnötig lange Wege bis zur Anlieferadresse zu ersparen.

Software steuert Hermes-Einsätze

„Wir prüfen neue Initiativen, um Emissionen bei Lieferungen auf der letzten Meile zu reduzieren. Damit reagieren wir auch auf die wachsende Anzahl von Umweltzonen in Städten sowie neue Rechtsvorschriften in vielen Kommunen. Das augenblicklich erprobte Betriebsmodell lässt sich bei Bedarf problemlos ausbauen, um einerseits eine steigende Nachfrage zu erfüllen und andererseits neue Arbeitsplätze zu schaffen für Kuriere, die kein Fahrzeug mehr fahren oder besitzen müssen“, sagt Carl Lyon, Chief Operating Officer von Hermes UK.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat den Paketdienstleister UPS jüngst mit dem Smart Way Excellence Award ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt Branchenführer in Sachen Umweltleistung und Energieeffizienz der Frachtlieferkette. UPS wurde für sein Engagement beim Einsatz alternativer Kraftstoffe und fortschrittlicher Technologien zur nachhaltigen Verbesserung von Transport sowie für seine Transparenz bei der Berichterstattung zu Emissionsreduzierungen anerkannt. „Als eines der weltgrößten Logistikunternehmen ist UPS weiterhin entschlossen, in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance führend zu sein,“ erläutert Carlton Rose, bei UPS für das Flottenmanagement verantwortlich.

UPS investiert in Arrival

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat UPS mehr als eine Milliarde US-Dollar in Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen und fortschrittlicher Technologie investiert. Das Unternehmen ist der größte Nutzer von erneuerbarem Erdgas in der Transportbranche und verfügt über eine Flotte von mehr als 11.000 spezialisierten Fahrzeugen weltweit, die mit alternativen Kraftstoffen und fortschrittlicher Technologie betrieben werden. Neben dem Kauf von weiteren 6.000 Erdgas-LKW will UPS 10.000 Elektrofahrzeuge vom britischen Technologie-Startup Arrival in seine Flotte integrieren.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.