Das war an sich ganz anders gedacht. Raus aus dem Verbrenner – rein in die schöne, neue Elektrowelt. Mercedes fiel damit genau so auf die Nase wie große Teile des Wettbewerbs. Doch immerhin gab es als ein Rückfallszenario, das andere ausließen: Als sich konkretisierte, dass auf vielen Märkten die Sturm-und-Drang-Zeit der Elektromodelle noch auf sich warten ließ, funktionierten die schwäbischen Techniker die Elektroplattform zu einem Zwittermodell um. Das Ergebnis kann sich – optisch wie technisch – sehen lassen, denn der Mercedes CLA mit seinem Hybridmotor sieht aus wie das Elektromodell. Einzige Unterschiede: Unter der Haube werkelt ein 1,5 Liter-Vierzylinder-Turbo und am Heck lugt ein Auspuff hervor.
Technisch ist der elektrische CLA ein Modell mit Hinterradantrieb, der beim CLA 350 4matic zusätzlich eine 80 kW oder 109 PS starke Maschine an der Vorderachse bekommt, die sich bedarfsgerecht zuschaltet. Das Batteriepaket mit 58 oder 85 kWh liegt beim Stromer versteckt zwischen den beiden Achsen. Ganz anders die Hybridversion, denn der 1,5 Liter große Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung – produziert von Kooperationspartner und Mercedes-Großaktionär Geely – treibt die Vorderachse an und die Allradler bekommen zusätzlich einen Kraftfluss ans Heck. Im Gegensatz zu anderen Mercedes-Modellen ist der CLA kein Plug-in-Hybride, der extern geladen werden kann, sondern verfügt über ein 48-Volt-Bordnetz, das ein gerade einmal 1,3 kWh großes Batteriemodul speist. Der Tank hat ein Volumen von 51 Litern.

Die allradgetriebene Hybridversion der kompakten Limousine ist optisch kaum von der vielgefeierten Elektroversion zu unterscheiden.
Öffnen, einsteigen, starten – alles wie beim elektrischen CLA EQ – fast. Denn mit einem Druck auf den Starter ist der 1,5 Liter großer Verbrenner zu vernehmen, der in der mittleren Version 120 kW oder 163 PS leistet. Bei den winterlichen Temperaturen und entsprechenden Straßenverhältnissen wird mehr als wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass die Motorleistung über ein achtstufiges Doppelkupplungsgetriebe auf beide Achsen übertragen wird. Flott geht es bergab und dann ins verschneite Nebental, wo Allradantrieb und Winterreifen ebenso überzeugen können wie die präzise Lenkung. Das gut abgestimmte Fahrwerk gefällt und auch die Leistungsentfaltung des von vielen vorab kritisierten Benziners überzeugt. Von Mercedes weitgehend entwickelt und von Geely produziert, sorgen sich nicht nur eingefleischte Daimler-Fans um den Untergang des Morgenlandes. Ein chinesischer Benziner in einem Mercedes? Das ist für einige zu viel des Schlechten.
Hoher Lärmpegel beim Beschleunigen
Doch der Motor schlägt sich wacker und bewegt den knapp 1,8 Tonnen schweren Mercedes CLA 220 4matic allemal flott. Weniger als jene 184 PS (120 kW / 163 PS + 22 kW / 30 PS Elektroboost) sollten es in dieser Fahrzeugklasse mit einem Stern auf dem Kühlergrill aber nicht sein. Es ist daher kein guter Gedanke, sich für den mindestens 46.243 Euro teuren CLA 180 zu entscheiden, der mit 100 kW oder 136 PS Antriebsleistung auskommen muss.

Der 1,5 Liter große Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung wird aus Kostengründen vom Kooperationspartner und Mercedes-Großaktionär Geely in China produziert. Unter Laste neigt er zum Dröhnen. Fotos: Mercedes-Benz
Was wirklich stört, ist nicht die Herkunft des Turbo-Vierzylinders, der mit Elektrounterstützung und 48-Volt-Bordnetz an sich gut zum Allradler passt. Es ist der Motorklang, der unter Last nicht nur bei verwöhnten Viel-Zylinder-Fans ein Unwohlsein hervorruft. Kaum hat sich der Benziner in Drehzahlhöhen aufgeschwungen, ist zwar die Leistung an Bord – leider aber auch das Dröhnen, das nicht zu einem Mercedes passen mag. Da ist die vollelektrische Version viel, viel angenehmer. 1,5 Liter Hubraum sind zwar gut für einen günstigen Verbrauch im Teillastbereich, aber die Akustik leidet massiv. Zugegebenermaßen nicht schlimmer als die 1,5-Liter-Dreizylinder bei BMW oder das 1,5 Liter große Zylinderquartett in vielen Modellen des VW-Konzerns. Aber souverän und standesgemäß für ein Fahrzeug, das mindestens 51.156 Euro kostet, ist das nicht.
EQ kostet nur rund 3000 Euro mehr
Neben dem Klang hapert es bisweilen auch an der Abstimmung zwischen Verbrenner- und Elektromodus. Denn die Umschaltung ist mit kurzen Pausen nicht immer harmonisch. Und die elektrischen Passagen, die mit dem kleinen Batteriepaket zurückzulegen sind, durchbrechen zumindest bei den winterlichen Temperaturen nicht die 200-Meter-Marke. Die Schaltpedale am Lenkrad durch eine Zieh-Drück-Funktion am Lenkstockhebel zu ersetzen, verschlägt einem ebenfalls den Atem. Hier gelobt Mercedes jedoch so schnell als möglich nachzubessern. Trotzdem – unter dem Strich ist der elektrisch angetriebene Mercedes CLA die klar bessere Wahl. Auch weil er im direkten Vergleich nur rund 3.000 Euro mehr kostet.