Auch das Vangeschäft wird längst in Asien und speziell auf dem chinesischen Markt entschieden. Hier sind die Personentransporter von Marken wie Toyota, Lexus oder Li Auto längst eine Alternative zu Luxuslimousinen wie der Mercedes S-Klasse geworden. Kein Wunder, dass lokale Nachrüstfirmen die aktuelle V-Klasse seit Jahren zu inoffiziellen Maybach-Versionen mit Luxusausstattungen und Status-Grill umfunktionieren.

Mercedes selbst schaute als Zuschauer in die Röhre und verdiente an den Edelumbauten keinen Cent. Doch diese Zeiten dürften bald vorbei sein. Denn die neue Generation der V-Klasse bekommt mit der Bezeichnung VLE und VLS nicht nur einen neuen Namen, sondern hebt das gesamte Segment auf ein völlig neues Niveau. Dabei gibt es nicht allein edle Personentransporter bis zum Luxusvan auf Privatjetniveau, sondern auf gleicher Plattform eine neue Generation von Nutzfahrzeugen. Beim Antrieb hat der Kunde – egal ob privat oder gewerblich – die freie Auswahl zwischen Elektro oder Verbrenner.

Neue Business-Class
Ein Kleinbus bleibt ein Kastenwagen, auch im Zeitalter der Elektromobilität. Aber unter der Blechhaut tut sich eine Menge.
Neue Business-Class
Ein Kleinbus bleibt ein Kastenwagen, auch im Zeitalter der Elektromobilität. Aber unter der Blechhaut tut sich eine Menge.

Der Mercedes VLE / VLS startet auf der neuen Plattform Van.ea zunächst als Elektroversion und somit bleibt die V-Klasse zunächst im Programm – bis der VLE im kommenden Jahr auch als Verbrenner nachgelegt wird, der auf der Van.ca-Basis rollt. Beide Modelle sollen das Fahrverhalten eines Crossovers mit Vielseitigkeit sowie Raumangebot eines Vans verbinden.

Mercedes spricht vom „Beginn einer neuen Ära“

Mitte des Jahres wird das Van-Doppelpack auf die Märkte rollen und die neue Elektroplattform mit technischen Finessen wie 800-Volt-Technik und Allradlenkung schrittweise einführen. Auch das Design des V-Klasse-Nachfolgers ist nicht wiederzuerkennen. Gefällige Formen, Status-Grill und große Räder zwischen 19 und 22 Zoll – so präsentiert sich eher eine Luxuslimousine oder ein Grand Tourer.

Lichtspiel-Theater
Wer mag, kann den Innenraum des Vans in allen Farben erstrahlen lassen. Es fehlt nur noch die Funktion Lichtorgel. Oder doch nicht?
Lichtspiel-Theater
Wer mag, kann den Innenraum des Vans in allen Farben erstrahlen lassen. Es fehlt nur noch die Funktion Lichtorgel. Oder doch nicht?

„Der neue VLE markiert den Beginn einer neuen Ära bei Mercedes-Benz. Er hebt alles, was unsere Kunden kennen und schätzen, auf ein neues Niveau“, sagt Thomas Klein, Leiter von Mercedes Vans, „die Kombination aus der Vielseitigkeit eines MPV, dem Fahrkomfort einer Limousine und einem immersiven Raumerlebnis macht ihn absolut einzigartig im Segment der Fahrzeuge mit bis zu acht Sitzplätzen.” Für entsprechenden Komfort sorgen unter anderem eine variable Luftfederung sowie eine mitlenkende Hinterachse.

Reichweiten von bis zu 700 Kilometer

Zum Marktstart im Sommer rollt zunächst der Mercedes VLE 300 auf den Markt, der von einem 200 kW / 272 PS starken Elektromotor angetrieben wird und der mit seinem 115-kWh-Batteriepaket mit Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Chemie Reichweiten von bis zu 700 Kilometern darstellen soll. Darüber rangiert der allradgetriebene VLE 400 4matic, der mit 305 kW / 415 PS Spitzenleistung glänzt. Der Normverbrauch liegt je nach Ausführung zwischen 18,6 und 21 kWh / 100 km.

Rollendes "Büro"
Damit auf langen Fahrten keine Langeweile aufkommt, gibt es gegen Aufpreis einen 31 Zoll großen Monitor, der auf Knopfdruck aus dem Wagenhimmel herausklappt. Große wie Kleine können dann entweder daddeln - oder mit Lehrer oder Kollegen videokonferenzen.
Rollendes „Büro“
Damit auf langen Fahrten keine Langeweile aufkommt, gibt es gegen Aufpreis einen 31 Zoll großen Monitor, der auf Knopfdruck aus dem Wagenhimmel herausklappt. Große wie Kleine können dann entweder daddeln – oder mit Lehrer oder Kollegen videokonferenzen.

Zu einem späteren Zeitpunkt folgen weitere Motorvarianten – mit einem kleineren 80-kWh-Batteriepaket sowie für die Ewig-Gestrigen mit klassischen Verbrennermotoren. Dank 800-Volt-Bordnetz kann der Familienvan – später erhältlich in zwei Radständen – mit bis zu 300 kW nachladen. Für später sind noch höhere Leistungen am Schnelllader eingeplant. Wechselstrom kann mit bis zu 22 kW aufgenommen werden. Dadurch fallen die Ladepausen auch daheim oder am Straßenrand in der Stadt kurz aus.

Bis zu 4000 Liter Stauraum

Großzügig bemessen ist auch das Ladevolumen des Kofferraums. Für Gepäck und andere Utensilien steht bei voller Bestuhlung 795 Liter, nach Umlegen der Sitzplätze im Fond sogar über 4.000 Liter an Stauraum zur Verfügung. Und wenn der Platz einmal nicht reichen sollte: VLE und VLS können bis zu 2,5 Tonnen an den Haken nehmen.

Mann gönnt sich ja sonst nichts 
Auf Wunsch gibt es den Mercedes VLE auch mit zwei breiten und vielfach verstellbaren "Thronsesseln" im  Fond. Speziell in China erfreuen sie sich bei ungekrönten Parteifunktionären und Industriekapitänen großer Beleibtheit. Fotos: Mercedes-Benz Vans
Mann gönnt sich ja sonst nichts
Auf Wunsch gibt es den Mercedes VLE auch mit zwei breiten und vielfach verstellbaren Loungesesseln“ im Fond. Speziell in China erfreuen sie sich bei ungekrönten Parteifunktionären und Industriekapitänen großer Beleibtheit. Fotos: Mercedes-Benz Vans

Im Innenraum gibt es Platz für bis zu acht Personen, die auf Wunsch auch auf klimatisierten Loungesesseln jeden Kilometer genießen können. Bis zu drei Bildschirme zwischen 10 und 14 Zoll Diagonalen sowie ein Head-Up-Display gibt es vorn. Hinten fährt auf Knopfdruck gegen Aufpreis ein 31 Zoll großer Bildschirm aus dem Dachhimmel heraus, der mit 8K-Auflösung und bis zu 22 Lautsprecher-Boxen, mit Splitscreen-Funktion und Kamera für Unterhaltung im Fond sorgt, aber auch unterwegs die Teilnahme an Videokonferenzen ermöglicht.

Viele Extras gegen Aufpreis

Serienmäßig bietet das Startmodell des Mercedes VLE elektrische Schiebetüren mit herunterfahrbaren Fenstern. Die elektrische Heckklappe – unverändert mit separat zu öffnender Heckscheibe – lässt sich Mercedes jedoch extra bezahlen. Alle Fondfenster verfügen auf Wunsch über elektrische Rollos und auch das Panoramadach kann elektrisch verschattet werden.

Mit einem Wort: Die Aufpreisliste ist Mercedes-typisch mal wieder sehr lang geraten. Die Preisliste rücken die Stuttgarter allerdings noch nicht raus. Zur Orientierung: Der Mercedes EQV 250 mit 60 kWh-Akku kostet in der Langversion tagesaktuell 59.100 Euro, der 150 kW starke EQV 300 Extralang mit 90 kWh-Akku 63.344 Euro. Mit Luftfederung und ein paar Extras mehr sind schnell 67.500 Euro gefordert. Der VLE dürfte da schon aufgrund des nochmals größeren Akkus und der höheren Antriebsleistung eher bei 80.000 Euro starten.

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