An Aschermittwoch ist alles vorbei? Nicht so in Monheim am Rhein. In der Gemeinde im Kreis Mettmann wurde an diesem Tag ein neues Kapitel im öffentlichen Nahverkehr aufgeschlagen: Auf einer etwa zwei Kilometer langen Strecke fahren ab sofort fünf elektrisch Kleinbusse durch die Innenstadt, vollautonom und im regulären Linienverkehr, an sieben Tagen in der Woche. Aus Sicherheitsgründen zwar vorerst nur mit Tempo 16. Und hinter dem Lenkrad steht zur Sicherheit ein Operator“, der aufpassen soll, dass der Robo-Bus namens SAM seinen Kurs einhält. Zudem gibt er an Haltestellen und nach einem Stopp vor Kreuzungen das Signal für die Weiterfahrt. Aber egal: Der Anfang ist gemacht.

„Automatisiert fahrende Busse wie hier in Monheim sind der richtige Schritt. Ziel der Landesregierung ist es, dass solche Innovationen in Nordrhein-Westfalen erforscht, entwickelt und frühzeitig getestet werden. So kommen wir voran“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, der aus der nahegelegenen Landeshaupstadt Düsseldorf zur Jungfernfahrt nach Monheim gekommen war. Bürgermeister Daniel Zimmermann zeigte sich stolz über das Projekt: „Das gibt es in NRW kein zweites Mal.“

Keine zwei Jahre von der Idee bis zum Start

Beeindruckend ist auch die schnelle Umsetzung des Verkehrsprojekts. Im Sommer 2017 wurde von der Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, im Jahr darauf, als die Gutachter grünes Licht gegeben hatten, die Maßnahme mit dem Verkehrsministerium des Landes abgestimmt und beim TÜV Rheinland ein Auftrag für eine Sicherheitsprüfung erteilt. Und im Herbst 2018 schrieben die Verkehrsbetriebe Bahnen der Stadt Monheim den Auftrag für die fünf Robo-Busse aus. Den Zuschlag erhielt schließlich das französische Unternehmen EasyMile.

Der Zulieferer ZF wird selber zum Fahrzeughersteller und fertig gemeinsam mit dem Aachener Start-up E.go einen People Mover. Der soll künftig bis zu 15 Personen als Sammeltaxi durch die Innenstädte kutschieren. E-Mobilität, Öffentlicher Nahverkehr

Das Technologieunternehmen EasyMile ist eines der führenden Unternehmen in Europa für intelligente Mobilitätlösungen und Fahrerlose Systeme. Die Betriebssoftware, die Sensorik sowie das Bremssystem für die Fahrzeuge wurde zusammen mit dem Autozulieferer Continental entwickelt, der seit Sommer 2017 auch eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen aus Toulouse hält.

Monheim führt kostenlosen Nahverkehr ein

In zahlreichen deutschen und europäischen Städten sind die kleinen Robo-Busse vom Typ EZ10, die bis zu 12 Passagiere transportieren können, inzwischen im Einsatz. Beinahe zeitgleich hat im südwestfälischen Drolshagen ein kleineres Fahrzeug des Typs mit Platz für sechs Personen einen achtmonatigen Probebetrieb aufgenommen. In Bad Birnbach sind Elektrobusse von EasyMile bereits seit Oktober 2017 in Betrieb und haben dort seitdem 10.000 Menschen ohne Zwischenfälle transportiert. Auch auf dem Gelände der Charite in Berlin verkehrt der autonom fahrende Bus im Shuttleverkehr.

Begegnung der dritten Art
Während der IAA im vergangenen Jahr testete Continental einen elektrisch angetriebenen und autonom fahrenden Kleinbus auf einer Teststrecke durch die City. Foto: Continental

In Monheim soll die Bevölkerung jetzt erst einmal ausgiebig testen. Bis zum 1. April ist die Mitfahrt für alle Menschen kostenlos. Danach steigt die Stadt in den kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr ein: Die rund 44.000 Bewohner der Stadt erhalten eine Chipkarte, mit der sie Busse und Bahnen, aber auch Bike-Sharing-Angebote in der Stadt kostenlos benutzen können.

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