Elf E-Bike-Typen gibt es nach der Zählweise des gut informierten Pressedienstes Fahrrad aus Göttingen für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Eine gute Alternative zum Auto sind da – je nach Topographie – die klassischen City- und Trekkingräder, mit denen sich dank elektrischer Trittunterstützung auch längere Fahrten entspannt und ohne zu schwitzen zurücklegen lassen. Wer auf der Fahrt zur Arbeit auch noch seine (Klein-)Kinder in den Hort bringen möchte, ist mit einem Lastenrad gut bedient. Und wenn die Arbeitsstätte so weit entfernt ist, dass eine Teilstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden muss, macht mit einem kompakten Faltrad nichts verkehrt. Auch die gibt es inzwischen mit einem Elektroantrieb zur Entlastung der Beinmuskulatur.

Die sportlichste, jüngste und derzeit auch populärste Kategorie von Fahrrädern für Berufspendler bilden allerdings die Gravel-Roadbikes – Zwitter aus Rennrad und Mountainbikes. Breite Stollenreifen erlauben bei den Modellen auch Abkürzungen über Schotterpisten und abseits der Straße durch die Natur. Und der nach unten gebogene Rennlenker ermöglicht eine aerodynamisch günstige Sitzposition und damit eine hohe Fahrgeschwindigkeit. Ganz nebenbei kann man damit auf der Fahrt zur Arbeit – oder am Wochenende – auch etwas für seine Kondition tun. Zudem sind Gravelbikes in aller Regel sehr leicht – selbst wenn ein kleiner Hilfsmotor im Tretlager und ein Akku im Unterrohr sitzt.

Schnell ins Büro 
Ein E-Gravelbike ist die sportlichste Art, auf zwei Rädern ins Büro zu kommen. Um die Alltagstauglichkeit zu erhöhen, lässt sich das 5.499 Euro teure Orbea Denna M20i mit Schutzblechen und auch einem Gepäckträger aufrüsten.
Schnell ins Büro
Ein E-Gravelbike ist die sportlichste Art, auf zwei Rädern an Verkehrsstaus vorbei ins Büro zu kommen. Um die Alltagstauglichkeit zu erhöhen, lässt sich das 5.499 Euro teure Orbea Denna M20i mit Schutzblechen und auch einem Gepäckträger aufrüsten.

Das Orbea Denna M20i aus dem Baskenland, das uns ein paar Wochen im Herbst zu Testzwecken begleitete, wiegt dank eines Rahmens aus Karbon nur knapp 13 Kilogramm. Verbaut ist hier ein Mittelmotor von Shimano vom Typ EP8 RS mit 250 Watt Leistung und 85 Newtonmeter Drehmoment sowie ein Akku, der 420 Wattstunden (Wh) Strom speichern kann. Und zwar so geschickt, dass Unkundige den Hilfsantrieb kaum bemerken – und sich wundern, mit welcher Dynamik der Fahrer selbst steilere Streckenabschnitte bewältigen.

Jede Menge Zusatz-Energie

Und das nicht nur kurze Zeit und ein paar Kilometern Strecke: Experten haben bei intensiveren Tests als bei unserer Erprobung ermittelt, dass der Stromvorrat für die Bewältigung von 3500 Höhenmetern reicht. Im Flachland und im Eco-Modus sind damit bis zu 145 Kilometer drin. Im Boost-Modus reicht die Trittunterstützung für immerhin 70 Kilometer. Wem das nicht genügt, kann gegen Zuzahlung von 449 Euro am Rahmen statt einer Trinkflasche einen kleinen Zusatzakku mit 210 Wh Kapazität anschrauben. Auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald ist das sicher ein Angebot, das zieht. Insbesondere dann, wenn die Arbeit zu wenig Zeit zum Training lässt.

Ganz dezent 
Der Shimano-Antrieb EP8 RS wiegt lediglich 2,65 Kilogramm und fügt sich dank kompakter Bauform fein in den Karbonrahmen ein.
Ganz dezent
Der Shimano-Antrieb EP8 RS wiegt lediglich 2,65 Kilogramm und fügt sich dank kompakter Bauform fein in den Karbonrahmen ein.

Dank der Zwölfgang-Kettenschaltung – natürlich ebenfalls von Shimano – lassen sich Muskelkraft und Trittfrequenz aber gut dosiert aufs Hinterrad übertragen. Die rennerprobte Deore XT Di2 M8150 schaltet über eine Wippe im rechten Bremshebel und passt im Rollen den Gang automatisch auf die voreingestellte Trittfrequenz an. Über eine dezente kleine Bedieneinheit auf der linken Seite – oder alternativ über den Shimano Di2-Shifter links – lassen sich die Unterstützungsstufen in drei Stufen einstellen. Und über die Shimano-App noch weiter individualisieren – je nach Fahrstrecke und Fitness-Grad.

Zu hören ist der E-Antrieb kaum

Wer von einem Touren- oder Mountainbike umsteigt, braucht also ein wenig Umgewöhnung – nicht nur, was Sitzposition und Körperhaltung anbetrifft. Die Einstellmöglichkeiten sind so vielseitig, dass man sich erst hineinfuchsen muss. Aber dann macht das Schotter (Gravel)-Bike jede Menge Spaß. Das elektrische Antriebssystem reagiert schnell und hängt gut am Pedal. Ein Tritt – und der Motor antwortet ohne Verzögerung. Je nach eingelegter Fahrstufe mit eigenem Charakter, aber stets harmonisch, nie unerwartet. Akustisch bleibt er dabei angenehm im Hintergrund. Und er bremst einen erfreulicherweise nicht aus, wenn es einmal schneller gehen muss. Eine elektrische Anschubhilfe gibt es natürlich nur bis 25 km/h. Aber wenn es in der Ebene und bergab schneller gehen soll, lässt er den Muskelkräften freien Lauf.

Leichte Übung 
Keine 13 Kilogramm wiegt das Orbea Denna in der Basisausstattung. Entsprechend agil lässt es sich bewegen. Fotos: Rother
Leichte Übung
Keine 13 Kilogramm wiegt das Orbea Denna M20i in der Basisausstattung. Entsprechend agil lässt es sich bewegen. Fotos: Rother

Das überzeugte auch einen Triathlon-Athleten, dem wir das Bike für eine Testfahrt überließen. Anfänglich sehr skeptisch (Wer braucht denn eine elektrische Trittunterstützung?), zeigte er sich bei der Rückkehr sehr angetan von unserem Orbea Denna. Für ein Intervalltraining bei niedrigem Puls würde er es sicher öfter ausleihen. Auch für die Fahrt zu einer weiter entfernten Trainingsstrecke. Die Straßenlage sei exzellent, der Fahrkomfort hoch. Allerdings merke man das Zusatzgesicht schon, wenn man den Antrieb komplett ausschaltet. Na klar, gegenüber einem Bio-Gravelbike mit Karbonrahmen schleppt das Denna ein Zusatzgewicht von etwa vier Kilogramm mit sich herum.

Preis von knapp 5500 Euro mit Karbon-Rahmen

Aber das ist die Sichtweise eines ambitionierten Athleten, nicht die eines Berufspendlers und Freizeitsportlers. Wir hätten uns – auch wenn das zulasten des Gewichts ginge – lieber noch eine Teleskop-Sattelstütze gewünscht. Etwa bei Fahrten durchs Gelände eine größere Sicherheitsreserve zu haben. Oder um bei der Fahrt ins Büro an der Ampel bequemer stehen zu können.

Ganz clean 
Die Bedieneinheit für den Elektromotor ist so klein, dass sie am Lenker kaum auffällt. Der Adapter am Vorbau dient hier der Anbringung eines Fahrradcomputers von Garmin für Leistungsmessungen und die Navigation.
Ganz clean
Die Bedieneinheit für den Elektromotor ist so klein, dass sie am Lenker kaum auffällt. Der Adapter am Vorbau dient hier der Anbringung eines Fahrradcomputers von Garmin für Leistungsmessungen und die Navigation.

Aber ansonsten weiß das Orbea Denna M20i zu gefallen, sowohl optisch wie technisch. Auf jeden Fall sollte man sich beim Kauf gleich nach einem stabilen Faltschloss umsehen: Immerhin kostet das carbon E-Bike in der Grundausstattung schon 5.499 Euro, mit Alu-Rahmen geht es bereits ab 3799 Euro los. Und Orbea bietet Käufern zahlreiche Möglichkeiten, das Denna weiter zu spezifizieren und aufzurüsten – je nach Einsatzzweck auch mit Schutzblechen oder einem Gepäckträger. Da ist die Gefahr groß, dass Neider sich das feine Teil anzueignen versuchen, wenn es untertags im Fahrradkeller steht. Alternativ kann man es natürlich auch mit ins Büro nehmen: Bei dem geringen Gewicht ist es leicht zu schultern.

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