Zugegeben: Optisch macht der Peugeot 3008 schon was her. Kantig, wuchtig und präsent steht der französische Kompakt-Crossover da. Doch die Elektro-Version mit 170 kW oder 231 PS Leistung lässt dem markanten Auftritt nur bedingt dynamische Taten folgen. Das ist auch in Frankreich angekommen. Deshalb haben die Techniker der Löwenmarke dem VW ID.4-Konkurrenten einen zweiten Elektromotor an der Hinterachse mit 83 kW spendiert. Das Resultat ist eine Systemleistung von 239 KW oder 325 PS. Klingt ja schon mal ganz ordentlich. Bleibt nur die Frage, wie viel von dem gallischen PS-Zaubertrank auf dem Asphalt ankommt.

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf die Technik des Stromers. Der Peugeot 3008 basiert auf der STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns, die als Frontantriebsarchitektur konzipiert ist. Bei beiden Elektromotoren handelt es sich um PSM-Maschinen (permanent erregte Synchronmaschine). Damit geht Peugeot einen anderen Weg als etwa Audi, die beim Q4 e-tron eine Achse mit einem Asynchronmotor (ASM) bestücken und die Hinterachse mit einem PSM-Triebwerk. Der ASM kann sich schnell vom Antriebsstrang abkoppeln und unbestromt ohne wesentliche Schleppverluste mitlaufen. Ein Vorteil der PSM-Triebwerke ist die größere Leistungsdichte. Somit können diese kompakter gestaltet sein, um die gleiche Leistung zu erbringen. Ein weiterer Vorteil ist die Effizienz. Darauf kommen wir später zurück.

Kurvenkünstler 
Dank des Allradantriebs geht der Elektro-Crossover deutlich flotter um die Kurve als die frontgetriebene Basisversion.
Kurvenkünstler
Dank des Allradantriebs geht der Elektro-Crossover deutlich flotter um die Kurve als die frontgetriebene Basisversion.

Ein Blick auf die Leistungen der beiden Maschinen verdeutlicht die unterschiedliche Gewichtung. Der E-Motor vorne bleibt unverändert. Also leistet dieser auch bei Dual-Motor-Version 157 kW (bei 104 bis 6.000 U/min). Hinten liegen 83 kW PS (bei 14.000 U/min). Der Blick auf die Drehmomentkurve ist deswegen interessant, da es hier Unterschiede gibt. Während der vordere Motor zwischen 250 und 4.370 U/min genau 343 Newtonmeter bereitstellt, sind es beim hinteren 166 Newtonmeter, die ab 1.000 bis 4.375 U/min anliegen. Das zeigt schon, dass die Vorderachse der Chef im Ring ist.

Deutlich dynamischer mit Allradantrieb

Das ist vor allem beim Fahrmodus Eco, der Fall, bei dem sich der hintere Motor nur dann einschaltet, wenn es die Traktion oder die Fahrsituation erfordert, oder wenn der Fahrer den spürbaren Druckpunkt im Gaspedal „überfährt“. Insgesamt stehen vier Fahrmodi zur Verfügung, die sich spürbar voneinander unterscheiden. Normal ist ausgewogen und bei 4WD ist die Kraftverteilung paritätisch.

Alles schick und ansehnlich
Der Innenraum des Peugeot 3008 Electric unterscheidet sich nicht von dem der anderen Versionen. Also blickt man auf das i-Cockpit mit dem gebogenen 21-Zoll-Bildschirm und einem kleinen Bedienungs-Display darunter.
Alles schick und ansehnlich
Der Innenraum des Peugeot 3008 Electric unterscheidet sich nicht von dem der anderen Versionen. Also blickt man auf das i-Cockpit mit dem gebogenen 21-Zoll-Bildschirm und einem kleinen Bedienungs-Display darunter.

Wählt man „Sport“, verschiebt sich das Kräfte-Verhältnis auf 60 Prozent an der Vorderachse und 40 Prozent an der Hinterachse. Dann liegt die volle Leistung an und man merkt, dass dem Peugeot 3008 diese Vitaminspritze gut tut. Die Dual-Motor-Version ist deutlich ambitionierter unterwegs als die Modelle mit Frontantrieb. Auch auf kurvigen Serpentinen hat man Spaß. Auch das Bremsgefühl ist definierter nicht so weich und der Pedalweg kürzer, als das bei den anderen Fahrprogrammen der Fall ist. Auch die Lenkung ist etwas direkter als sonst. In den Kurven verhält sich der 2.262 Kilogramm schwere Peugeot 3008 neutral und gutmütig.

Stromverbrauch unter 20 kWh/100km

Wir waren zumeist im Normal-Modus unterwegs und fühlten uns nie untermotorisiert. Wenn man alles aus dem Antriebsstrang herausholt, sprintet der Peugeot 3008 in sechs Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo und ist bis zu 180 km/h schnell. Alles keine Hyper-Sportwagen-Werte, aber geschmeidig genug, um entspannt unterwegs zu sein.

Praktiker 
Der Peugeot 3008 Electric hat nicht nur dynamische, sondern auch viele praktische Qualitäten wie ein Kofferraum, der zwischen 544 Liter (bei voller Bestuhlung) und 1480 Liter bei umgelegter Rücksitzbank fasst.
Praktiker
Der Peugeot 3008 Electric hat nicht nur dynamische, sondern auch viele praktische Qualitäten wie ein Kofferraum, der zwischen 544 Liter (bei voller Bestuhlung) und 1480 Liter bei umgelegter Rücksitzbank fasst.

Bleibt noch das versprochene Thema Effizienz. Nach unserer Testfahrt, die uns sowohl über Autobahnen als auch kurvenreiche Bergaufpassagen führte, benötigten wir 19,8 kWh/100 km. Das sind 1,9 kWh/100 km mehr als Peugeot für den Normzyklus angibt. Die WLTP-Reichweite beträgt 490 Kilometer. Das ist ok, aber nicht rekordverdächtig.

Allradler nur mit kleinem Akku erhältlich

Dieser Wert wird klarer, wenn man weiß, dass der Peugeot 3008 Electric 325 Dual Motor ausschließlich mit der kleineren Batterie bestückt wird. Das bedeutet die mit einer Netto-Kapazität von 73 Kilowattstunden anstelle von 96,9 kWh beim großen Energiespeicher. Die Plattform hätte trotz des Allradantriebs auch noch Platz für den großen Akku. Emmanuel Varene erklärt den freiwilligen Verzicht mit dem Preis und der Positionierung der Marke Peugeot und des 3008. „Mit der 96,9-Kilowattstunden-Batterie wäre das Auto schlichtweg zu teuer“, so der Produktchef.

Ganz nach Belieben
Ob der Peugeot 3008 Electric mit Front- oder Allradantrieb unterwegs ist, kann der Fahrer selbst entscheiden. Auch eine Bergabfahrhilfe ist im Angebot. Fotos: Peugeot

Verständlich. Bei einem Preis von 59.900 Euro muss man für den Peugeot 3008 Electric 325 Dual Motor die Portokasse schon gehörig plündern. Dafür erhält man aber auch „volle Hütte“, lediglich die Lederbezüge kosten extra. Der Innenraum unterscheidet sich nicht von dem der anderen Versionen. Also blickt man auf das i-Cockpit mit dem gebogenen 21-Zoll-Bildschirm und einem kleinen Bedienungs-Display darunter. Alles schick und ansehnlich. Auch an das kleine oben und unten abgeflachte Lenkrad gewöhnt man sich. Allerdings ist die Bedienung des Infotainments nicht auf Anhieb eingängig und die Displays sind mit zu vielen Anzeigen überfrachtet. Auch ein Head-up-Display ist leider nach wie vor nicht vorhanden. Um die Preisliste nicht zu sprengen, vermuten wir mal.

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