In Nordfriesland haben kurz vor Pfingsten zwei neue Brennstoffzellenbusse ihren Linienbetrieb aufgenommen. Das Besondere daran: Betankt werden die zwölf Meter langen Niederflurbusse von Typ H2.City Gold des portugiesischen Herstellers CaetanoBus mit grünem Wasserstoff aus regionaler Produktion. Der Energieversorger GP Joule betreibt dafür fünf Elektrolyseure mit einer Gesamtleistung von 1,125 Megawatt in der Nähe bestehender Windparks im Umkreis von Niebüll und hat in Niebüll und Husum zudem zwei Wasserstoff-Tankstellen aufgebaut. Dort können nicht nur die Busse betankt werden, die von der Deutsche Bahn-Tochter Autokraft betrieben werden, sondern auch die rund 30 mit Wasserstoff betriebenen Personenwagen, die bislang in der Region registriert sind.

Wasserstoff im Tank
Für das Projekt eFarm hat GP Joule zwischen Husum und Niebüll ein komplettes Ökosystem aufgebaut. Grafik: GP Joule

Mit der Aufnahme des Linienverkehrs mit Brennstoffzellenbussen komplettiert sich für GP Joule das wegweisende Projekt eFarm – der Nachweis, dass „durch die Energie- und Verkehrswende neue Wirtschaftssysteme mit regionaler Wertschöpfung entstehen können“, wie es Firmengründer Ove Petersen formuliert. EDISON hatte über das wegweisende Projekt vor einem Jahr berichtet. Anstatt den in Nordfriesland erzeugten Windstrom über neue und zum Teil umstrittene Hochspannungsleitungen nach Bayern oder Baden-Württemberg weiterzuleiten, soll er in der Region verbraucht werden – als Elektrizität oder nach der Umwandlung in Wasserstoff im Verkehr. Die Elektrolyseure, die auf dem Gelände älterer Windparks in Bosbüll, Langenhorn, Dörpum und Reußenköge entstanden, sind in der Lage, jährlich 220 Tonnen Wasserstoff zu erzeugen. Die Wärme, die bei der Elektrolyse entsteht, soll zudem in Biogasanlagen genutzt werden – und in Bosbüll obendrein die Häuser und Höfe des rund 200 Einwohner zählenden Dorfes heizen.

Rund 16 Millionen Euro sind bislang in das 2017 gestartete Pionier-Projekt eFarm geflossen. 4,4 Millionen Euro steuerten Banken und Sparkassen aus Nordfriesland bei, acht Millionen Euro machte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer aus seinem Budget locker. Den Rest steuerten GP Joule sowie 20 regionale Gesellschafter – unter anderem Stadtwerke, Bürgerwind- und Solarparks – bei.

Brennstoffzellenbus mit Toyota-Technik für 800.000 Euro

„Dank eFarm können wir als erste Busgesellschaft in Deutschland nicht nur klimaneutralen, sondern auch regional erzeugen Wasserstoff tanken“, freute sich Daniel Marx von der Regionalleitung der DB Region Bus Nord, der für Busse der Regiokraft verantwortlich ist. Das Unternehmen ist eine der größten Busgesellschaften in Schleswig-Holstein mit rund 100 Bussen, die aktuell noch überwiegend mit Dieselkraftstoff betrieben werden.

Insofern ist man dort sehr gespannt, wie sich die Brennstoffzellenbusse im Linienverkehr schlagen. Der H2City Gold bietet Platz für bis zu 64 Fahrgäste und verfügt über eine Reichweite von rund 400 Kilometern. Die 37,5 Kilogramm fassenden Wasserstofftanks, die Batterien für den Anfahrbetrieb mit einer Speicherkapazität von 44 Kilowattstunden sowie das komplette Brennstoffzellensystem von Toyota sind aus Sicherheitsgründen auf dem Dach platziert. Der große technische Aufwand hat seinen Preis: Der H2.City Gold kostet aktuell rund 800.000 Euro.

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