Schaut man sich die technischen Rahmendaten des neuen Polestar 3 mit 800-Volt-Technik und die des neuen Volvo EX60 an, sind die Gemeinsamkeiten frappierend. Nicht nur die Plattform ist weitgehend identisch. Auch ist der aufgefrischte Polestar 3 nach seiner Überarbeitung ebenfalls in drei Antriebsversionen zu bekommen. Die Interessanteste bleibt die mittlere Dual-Motor-Variante, die zu Preisen ab 87.900 Euro mehr als 400 kW oder 544 PS Antriebsleistung und ein maximales Drehmoment von 740 Nm bietet. Wem das noch nicht reicht, wählt das Topmodell Polestar 3 Performance und bekommt dann eine Spitzenleistung, die mit 500 kW oder 680 PS und einem Drehmoment von 870 Nm fast schon irreal anmutet.
Im Alltagsbetrieb dürfte sich der Unterschied zwischen beiden Modellen allerdings kaum bemerkbar machen. Denn ob der elektrische Allrad-SUV aus dem Stand in 4,7 oder 3,9 Sekunden auf Tempo 100 spurtet, ist ebenso ohne Belang wie eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/n abgeregelt ist: Außer in Deutschland sind solche Fahrgeschwindigkeit ohnehin nicht erlaubt. Und mit 230 km/h ist der Polestar 3 immerhin noch 50 km/h schneller als das Schwestermodell von Volvo, der aus Sicherheitsgründen bereits bei 180 km/h abgeregelt wird.

Dank einer Spitzenleistung von 500 kW sprintet die Performance-Version des Polestar 3 in 3,9 Sekunden auf Tempo 100.
Im Zeitalter der Elektromobilität zählen ohnehin andere Kennziffern. Etwa die Ladegeschwindigkeit. Und mit einer maximalen Ladeleistung von 350 kW – möglich durch das neue 800-Volt-Bordnetz – spielt der Polestar 3 nun in der Top Ten der europäischen E-Auto-Liga ganz vorne mit. Die Standzeiten am mit Gleichstrom betriebenen Hypercharger sinken dadurch beträchtlich. Von 10 auf 80 Prozent laden die Versionen Dual Motor und Performance ihr 106 kWh fassendes Akkupaket in rund 20 Minuten. Und selbst die Basisversion mit ihrem 248 kW (333 PS) starken Hinterradantrieb füllt die 92-kW-Batterie mit 310 kW.
Viel Komfort für über 100.000 Euro
Für den stattlichen Preis von 106.900 Euro bietet der 4,90 Meter lange Polestar 3 Performance aber nicht allein mehr Ladepower, sondern auch eine verbesserte Ausstattung. Vor allem die serienmäßige Zweikammer-Luftfederung weiß dabei zu gefallen. Denn die Leichtmetallräder sind mit 22 Zoll so groß, dass man mit einer konventionellen Federung leicht sämtliche Unebenheiten in der Fahrbahn im Innenraum spüren würde. Die Lenkung des Polestar 3 arbeitet erfreulich präzise. Bei mittleren und höheren Tempi gerät sie allerdings einen Tick zu leichtgängig und lässt dann die Rückmeldung von der Fahrbahn vermissen.
Doppelglas, eine allgemein exzellente Geräuschdämmung und die immens starken Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse sorgen ansonsten dafür, dass die Insassen entspannt reisen – idealerweise mit sanften Klängen aus der 1610 Watt starken Soundanlage von Bowers & Wilkins. Und während das Sonnenlicht durch das große Panoramadach – per Tastendruck leicht zu verschatten – den puristischen Innenraum erhellt.

Produziert wird der Polestar 3 für den europäischen Markt in einem Volvo-Werk in den USA. Das hochwertig ausgekleidete Interieur ist in einer zeitlosen Ästhetik betont minimalistisch gehalten – so wie es der Schwede liebt. Fotos: Polestar
In Sachen Bedienung hat der überarbeiteten Polestar 3 allerdings noch einige Macken. Ein paar gut platzierte und insbesondere sichtbare Taster für Sitzverstellung, Klimatisierung und weitere Zentralfunktionen wären wünschenswert. Und die Anzeigen der neun Zoll großen Instrumente sowie des Head-Up-Displays dürften gerne etwas größer dimensioniert sein. Besser präsentiert sich der 14,5 Zoll große große Zentralbildschirm mit seiner feinen Google-Integration nebst KI-Assistent Gemini und einer soliden Sprachbedienung.
Der 484 Liter große Laderaum lässt sich durch das darunter liegende Fach um 90 und durch den Frunk um weitere knapp 24 Liter erweitern. Falls das noch immer nicht reichen sollte, bleibt da noch immer die Möglichkeit, durch Umlegen der Rückbank das Transportvolumen auf 1.411 Liter zu erhöhen. Das sollte für den Skiurlaub ebenso reichen wie für den Einkauf im Baumarkt.