Glücklicherweise ist Porsche der Fehler, den man beim Mittelklasse-Crossover Macan gemacht hat, beim großen Bruder nicht nochmals passiert. So gibt es den Cayenne nicht ausschließlich mit Elektroantrieb, sondern bietet dem Kunden noch eine Weile das alte Modell als Benziner oder Plug-in-Hybrid an. Nachdem die 300 kW starke Basisversion sowie das 630 kW starke Topmodell Turbo bereits seit einiger Zeit angeboten wird, legen die Schwaben nunmehr mit dem Cayenne S Electric das voraussichtliche Volumenmodell nach.

Und das gibt es gleich in zwei Ausprägungen: Als klassischer SUV für mindestens 126.400 Euro und gegen einen Aufpreis von 3.900 Euro als sportliches Coupé mit leicht nach hinten abfallender Dachlinie. Das passt von der Linienführung etwas besser zu Porsche – die Silhouette und Fensterlinie des 911 Carrera ist hier mit ein wenig Fantasie durchaus zu erkennen. Abstriche beim Ladevolumen oder dem Kopfraum im Fond muss der Käufer beim Coupé zwar machen. Doch auf der Rücksitzbank lässt es sich auch mit über 1,85 Meter noch angenehm sitzen. Und der Laderaum fasst hinter der elektrischen Heckklappe immer noch 534 Liter. Das sind fast 250 Liter weniger als beim Cayenne SUV. Aber zum Trost gibt es ja noch den 90-Liter-Frunk unter der Fronthaube.

Porsche Jagdwagen 
Porsche Cayenne S Coupé Electric in Oakgrün-Metallic und Leichtbau-Sportpaket - 150.000 Euro sollte man schon mitbringen.
Porsche Jagdwagen
Porsche Cayenne S Coupé Electric in Oakgrün-Metallic und Leichtbau-Sportpaket – 150.000 Euro sollte man schon mitbringen.

In Sachen Antriebsleistung dürfte der Cayenne S Electric für viele Porsche-Fans genau die richtige Wahl sein. Denn während für die meisten die schiere Kraft des Topmodells entbehrlich sein dürfte, ist die Basisversion manchem etwas schlapp auf der Brust. So ist der 4,99 Meter lange Cayenne S Electric als Normalversion oder Coupé-Ableger für viele perfekt.

Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse leisten hier 400 kW oder 544 PS und können kurzzeitig auf bis zu 490 kW geboostet werden. Aus dem Stand geht es damit in 3,8 Sekunden auf Tempo 100. Und 200 km/h sind in 12,3 Sekunden erreicht. Im realen Fahrbetrieb dürfte das keine große Bedeutung haben. Doch die Werte geben eine Vorstellung, wie sportlich der immerhin 2,5 Tonnen schwere Koloss bewegt werden kann. Wenn nötig und wo möglich, bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h.

Leichtfüßig trotz 2,6 Tonnen Gewicht

Der Cayenne Electric überspielt sein hohes Gewicht von über 2,6 Tonnen in der S-Version ebenso gekonnt wie entspannt. Er gaukelt seinem Fahrer mit Fahrwerksfeinheiten die Leichtfüßigkeit vor, die wie man sie von einem Porsche erwartet. Mithilfe einer präzisen Lenkung und einem Fahrwerk, dass die Karosserie auf der Landstraße auch in schnell gefahrenen Wechselkurven nur leicht ins Wanken bringt, mit einer bissigen Bremse und einem dezenten Ein- wie Ausfedern.

Kommandozentrale
Über einen Mangel an Informationen können sich Fahrer und Beifahrer in den Ledersitzen mit Pepitamuster nicht beklagen: Drei Monitore und ein Head-up-display liefern mehr Daten über Fahrzeug und Fahrstrecke als man unterwegs verarbeiten kann.
Kommandozentrale
Über einen Mangel an Informationen können sich Fahrer und Beifahrer in den Ledersitzen mit Pepitamuster nicht beklagen: Drei Monitore und ein Head-up-display liefern mehr Daten über Fahrzeug und Fahrstrecke als man unterwegs verarbeiten kann.

Im Grenzbereich oder beim starken Abbremsen können variable Fahrprogramme, Allradlenkung und Dämpferabstützung aber doch keine Wunder vollbringen. Und auch die variable Luftfederung stößt dann an ihre Grenzen. Doch es bleibt immer wieder beeindruckend, wie ruhig sich der Cayenne S selbst auf welligem Fahrbahnuntergrund beim Anbremsen vor Kurven präsentiert, nur um diese nach dem Beschleunigen mit unfassbarem Schub wieder zu verlassen.

Laden mit bis zu 400 kW in einer Viertelstunde

Dass der Fahrer perfekt in den belederten Sportstühlen sitzt und auf eine Vielzahl von Instrumenten und Anzeigen blickt, sorgt für eine weitere Erhöhung des Wohlfühlwertes. Dieser wird jedoch durch eine ärgerliche Sparmaßnahme getrübt. Denn denn im Gegensatz zum Verbrennermodell muss das mit Flüssigkristallen gefüllte Panoramaglasdach des Cayenne S und Cayenne S Coupé ohne eine Jalousie auskommen. Verringern lässt sich die Sonneneinstrahlung zwar per Knopfdruck, doch die Verschattung fällt an Sommertagen deutlich geringer aus als mit einer klassischen Jalousie. Da ist es besser, auf das über 3400 Euro teure Panoramadach mit „Sunshine Control“ zu verzichten.

Ein schöner Rücken...
Im Unterschieb zum Turbo muss die S-Version des Porsche Cayenne Coupé auf die aktiven Luftklappen im hinteren Stoßfänger verzichten, um die Aerodynamik des Power-Stromern bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern. Der Optik tut dies keinen Abbruch.
Ein schöner Rücken…
Im Unterschieb zum Turbo muss die S-Version des Porsche Cayenne Coupé auf die aktiven Luftklappen im hinteren Stoßfänger verzichten, um die Aerodynamik des Power-Stromern bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern. Der Optik tut dies keinen Abbruch.

Das mindestens 130.300 Euro teure Porsche Cayenne S Coupé Electric lässt seinem Nutzer auch die Wahl, wie er nachtanken möchte. Entweder an einem AC-Ladestecker mit bis zu 22 kW (zum Aufpreis von 1666 Euro), auf einer induktiven Bodenplatte in der eigenen Garage mit bis zu 11 kW (für über 5000 Euro) oder (serienmäßig) an einem Schnelllader mit bis zu 400 kW. Letzteres ermöglicht nach einer bis zu 670 Kilometer langen Fahrt Ladepausen von etwa nur einer Viertelstunde. Der konventionelle Benziner dürfte ähnlich lang brauchen, um seinen 100 Liter fassenden Tank mit SuperPlus zu füllen und die veritable Rechnung im Kassenhäuschen zu bezahlen. Spätestens hier wird der Fahrer des Cayenne Electric nur noch ein müdes Lächeln für die Freunde der guten alten Verbrennungskraftmaschine übrig haben.

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