Alle guten Dinge sind fünf. So lautet das Motto bei Range Rover. Also ergänzt der Range Rover GT im kommenden Jahr die Modellpalette. Auch wenn das beim britischen Nobel-Autobauer noch niemand zugibt: Die Ankunft des neuen GT dürfte das Aus für den glücklosen Velar bedeuten. Das ist für die Bereinigung des Modellportfolios auch nur konsequent. Der Velar ist ohnehin zu nah am Flaggschiff, dem Range Rover positioniert. „Der Range Rover GT ersetzt kein bestehendes Modell“, betonen die Manager. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, ist eine präzisere Positionierung der einzelnen Modelle unabdingbar.

Dementsprechend hoch sind die hausinternen Erwartungen. „Der Range Rover GT wird das Grand-Touring-Segment neu definieren“, sagt Range-Rover-Chef Martin Limpert und ergänzt: „Das Ergebnis ist der ‚autoähnlichste‘ und zugleich unverkennbar leistungsfähigste Range Rover, der je geschaffen wurde – nun möglich auf unserer elektrifizierten EMA-Architektur.“

Vor der Häutung
Trotz der Tarnfolie im Schlangendesign lassen sich die Konturen des neuen Range Rover GT bereits gut erkennen. Fotos: Land Rover

Also wird der GT zunächst als vollelektrischer Langstreckenläufer auf den Markt kommen, später dann aber auch mit hybridisierten Verbrennungsmotoren (Vollhybrid). Auf die Elektrokarte allein wollen sie in Gaydon dann doch nicht setzen. Auch wenn sich der britische Autobauer mit technischen Daten noch bedeckt hält, gehen wir davon aus, dass die BEV-Version mindestens 600 Kilometer WLTP-Reichweite schafft und über eine 800-Volt-Plattform wie der kommende Jaguar 01 verfügt. Schließlich lebt ein Grand Tourer von langen Etappen – nicht von häufigen Ladestopps.

Reduziertes Design im Innenraum

Der Innenraum des E-Crossovers gefällt uns mit seinen geraden Linien und dem reduzierten Design. Das Ambiente im Range Rover GT könnte auch gut aus einem neuen Volvo stammen. Range Rover macht die Display-Orgien einiger Wettbewerber bewusst nicht mit. Weder die Fondpassagiere noch der Beifahrer haben einen Monitor vor der Nase. „Digital Detox“ nennen das die Interieur-Designer.

Digital Detox
Während sich bei anderen Autobauern Monitore über die gesamte Fahrzeugbreite hinziehen, belässt es Range Rover bei zwei Displays.

Und das ziehen sie konsequent durch. Das Lenkrad nimmt deutlich sichtbare Anleihen am Volant des Jaguar-Prototypen Type 00 und entspricht in Größe und Position eher einem Peugeot-Steuerknüppel als dem Lenkrad eines BMW iX3 der Neuen Klasse. Die Lenkhebel mit dem Automatikschalter rechts sowie die konfigurierbaren Touchflächen sind fast eins zu eins von der Studie übernommen. Auf dem Armaturenbrett dahinter befindet sich ein schmales Display, das den Fahrer zusammen mit dem serienmäßigen Head-up-Display mit Informationen versorgt.

Mit KI und Augmented Reality

Ein Blick auf den Projektionsausschnitt des Head-up-Displays verrät, dass es vergleichsweise kompakt ausfällt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Techniker der englischen Luxusmarke keine modernen Features wie Augmented Reality nutzen. Die Anzahl der klassischen Bedienelemente beschränkt sich auf die Lenkradtasten, die Lenkhebel und die Fensterheber.

Ansonsten ist der große Touchscreen die Kommandozentrale des Infotainments. Um das zuvor erwähnte Konzept des digitalen Detox vollständig umzusetzen, ergibt es jedoch wenig Sinn, bei der Bedienung den Tesla-Ansatz sklavisch nachzuahmen. Wir gehen deshalb von einer Sprachbedienung mit KI-Unterstützung aus.

Ultrafabrics statt Rindsleder 
Der Range Rover GT startet mit einem veganen Innenraum. Lederersatz soll sich nicht so schnell aufwärmen, heißt es zur Begründung.
Ultrafabrics statt Rindsleder
Der Range Rover GT startet mit einem veganen Innenraum. Lederersatz soll sich nicht so schnell aufwärmen, heißt es zur Begründung.

Der opulent gepolsterte Fahrersitz ist bequem, auch ohne die ausgeprägten Wangen eines Sportsitzes. Das vegane Material Ultrafabrics dient als Lederersatz und fühlt sich auch so an. Ein großer Vorteil des synthetischen Materials ist, dass es sich nicht so schnell erwärmt wie Leder. Bei einem großen Panorama-Glasdach ist das sicher kein unwichtiger Aspekt.

Für Ledersitze fehlen große Rinderhäute

Auf die Frage nach einer klassischen Lederausstattung schüttelt die Materialexpertin Hannah Custance den Kopf. „Aktuell nicht.“ Der Grund: Die Vordersitze sind so groß, dass derzeit keine geeigneten Lederhäute verfügbar sind. Wir gehen aber davon aus, dass sich das noch ändern wird, denn ein Range Rover ohne Ledersitze – das kostet weltweit Kunden.

Wir wechseln auf die Rückbank. Range Rover bietet den GT mit zwei Einzelsessel im Fond oder einer klassischen Rückbank an. Der traditionelle Range-Rover-Kunde dürfte die Zwei-plus-zwei-Sitzkonfiguration bevorzugen. Entscheidend sind jedoch die Platzverhältnisse. Und die fallen im englischen Grand Tourer mehr als großzügig aus. Die Bein- und Kopffreiheit sind üppig bemessen. So lassen sich lange Strecken entspannt bewältigen – egal, auf welchem Platz man sitzt. Ein echter GT eben. Nur eben elektrisch.

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