Peter Lohmeyer fährt schon seit vielen Jahren elektrisch. Erst einen Nissan Leaf, später einen Opel Mokka Electric, dazu eine eSchwalbe„, einen Elektro-Roller. Aktuell bewegt der beliebte Schauspieler als Markenbotschafter von Great Wall Motor den Plug-in Hybrid Wey 03 durch Hamburg und zu den Drehorten. Reichweitenangst? Kenne er nicht, sagte er. Es gebe doch überall Lademöglichkeiten. Bevor er mit leerem Akku liegen bleibe, klingele er irgendwo an einer Haustür, stelle sich freundlich vor („Hallo, ich bin der Peter“) und bitte um ein paar Kilowattstunden Strom. „Deshalb habe ich immer noch ein 20 Meter langes Kabel dabei.“ Auch, um abends im Hotel auf jeden Fall Strom tanken zu können. Auch dort gebe es mit Sicherheit irgendwo an der Außenwand oder im Keller eine Steckdose.

Arznei gegen Reichweitenangst
Kompakt und nur fünf Kilogramm schwer ist die mobile Ladestation von depow, die in einem kleinen Koffer daherkommt.

An das launige Gespräch mit Peter musste ich die Tage bei einer Testfahrt mit einem Elektroauto denken. Natürlich hatte ich mein Smartphone dabei, auf dem ich eine Reihe Lade-Apps abgespeichert habe. Aber diesmal hatte ich im Kofferraum einen kleinen schwarzen Koffer dabei. Darin war kein 20-Meter-Kabel, sondern ein mobiles 11-kW-Ladegerät von depow und allerlei Adapter – alles was man braucht, um Elektroautos zu laden, wenn mal weit und breit keine öffentliche Ladesäule in Sicht ist.

Adapter für verschiedene Stromanschlüsse

Mit einem roten 16-Ampere-Stecker für das dreiphasige Laden an der einen Seite und einem Typ-2-Stecker am fünf Meter entfernten anderen Ende. Dazu drei Adapter für den Fall, dass der Stromanschluss aus einer einfachen Haushaltssteckdose besteht, einem dreipoligen blauen Camping-Stecker oder – an einer Baustelle beispielsweise – gar aus einem Starkstromanschluss mit 32 Ampere. Ein echter Lade-Allrounder also, für den der chinesische Hersteller aktuell weniger als 200 Euro aufruft.

Anschluss gesucht 
Mehrere Adapter gaben die Möglichkeit, unterwegs auch CEE-Starkstromanschlüsse zum Laden des Elektroautos zu nutzen.
Anschluss gesucht
Mehrere Adapter gaben die Möglichkeit, unterwegs auch CEE-Starkstromanschlüsse zum Laden des Elektroautos zu nutzen.

Bei dem Preis geht in Deutschland natürlich jeder zertifizierte Elektriker sofort in Habacht-Stellung. Für ähnliche TÜV-geprüfte „Traveller-Sets“ werden von europäischen Herstellern wie Juice und go-e immerhin Preise um die 800 Euro aufgerufen. Doch meine Sicherheitsbedenken wurden von einem befreundeten Fachmann schnell ausgeräumt. Der Elektriker bestätigte nicht nur die CE-Konformität, sondern fand auch die vom Hersteller ergriffenen Schutzmaßnahmen gegen Überstrom, Über- und Unterspannung sowie gegen Überhitzung- und Kurzschlussschutz als ausreichend. Als gut befunden wurde von ihm auch die Möglichkeit, über zwei Taster auf dem Brikett-großen Steuerkasten die Stromstärke einstellen zu können oder auch die Ladezeit programmieren zu können. Für eine Testfahrt gab er uns deshalb grünes Licht.

Laden am Baustrom-Kasten

Die erste Erprobung an der Haushaltssteckdose in der Garage verlief entsprechend unspektakulär. Mit 3,2 kW zog unser Skoda Elroq über Nacht ausreichend Strom, um am nächsten Morgen mit voll geladenem Akku für eine Ausfahrt zur Verfügung zu stehen. Weder schmorten im Hausnetz irgendwelche Leitungen durch noch gingen in der Siedlung sämtliche Lichter aus. Na also, geht doch. Das Laden des Elektroautos über den 16-Ampere-Drehstromanschluss in der Garage – mit dem in der Vergangenheit eine Kreissäge betrieben wurde – verlief ein paar Tage später ebenfalls ohne Probleme. Nur dass der Akku schon nach vier Stunden wieder gefüllt war, wie mir die App mittteilte.

Haben Sie mal ein paar Kilowattstunden? 
Stromschnorrer an einem Baustrom-Kasten im Wohngebiet. Der Polier hatte keine Einwände gegen die Nutzung. Fotos: Rother
Haben Sie mal ein paar Kilowattstunden?
Stromschnorrer an einem Baustrom-Kasten im Wohngebiet. Der Polier hatte keine Einwände gegen die Nutzung. Fotos: Rother

Gescheitert bin ich allerdings mit dem Versuch, den Stromer auf einem Campingplatz zu laden. Technisch wäre das sicher kein Problem gewesen, aber der Betreiber der Anlage fürchtete um sein Stromnetz und wies mich ab. Das kommt davon, wenn man nicht Lohmeyer heißt.

Auf offene Ohren stieß ich dafür auf einer Baustelle in der Nachbarstadt. Der Polier verstand zwar erst nicht recht, was mein Ansinnen war, erhob dann aber keinen Einspruch gegen die testweise Mitbenutzung des Baustromverteilers. 3,2 Ampere, 16 Ampere, 32 Ampere – die orangefarbene Box gab alles her. Die Adapter waren schnell an das „Ladebrikett“ angeschlossen. Und das Batterie-Managementsystems des Autos hatte keine Probleme mit dem Anschluss und gab den Weg für den Ladestrom umgehend frei.

Energiewirtschaftsgesetz verbietet Dauerbetrieb

Die Installation einer teuren Wallbox, so geht mir nach dem kleinen Tests mit der mobilen Ladestation von depow durch den Kopf, könnte man sich eigentlich ersparen. Sofern der Stromanschluss in der Garage fachgerecht installiert wurde und ordentlich abgesichert ist. Doch Vorsicht: CEE-Steckdosen sind in der Regel nur für einen temporären Betrieb externer Verbraucher wie einer Kreissäge oder eines Betonmischers ausgelegt, nicht für den Dauerbetrieb über viele Stunden. Und den Netzbetreibern hierzulande sind mobile Ladelösungen überhaupt nicht recht, da der Anschluss im Unterschied zu einer „ordentlichen“ Wallbox nicht zu drosseln ist, wenn die Stromversorgung im Energiewendeland Deutschland mal wieder instabil wird. Paragraph 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG ) schreibt deshalb seit Januar 2024 vor, dass „Verbrauchseinrichtungen“ (wie der Ladeanschluss für ein Elektroauto, der Heimspeicher oder auch der Stromanschluss für die Wärmepumpe) zum Schutz des Stromnetzes fernsteuerbar sein müssen.

Aber als Notlösung für unbeschwerte Fahrten mit dem Elektroauto durch Regionen mit einer geringen Ladesäulen-Dichte ist die mobile Ladelösung bestens geeignet, um Reichweitenangst zu dämpfen. Und – hallo Peter: Es gibt sogar eine Version der depow-Ladestation mit 20 Meter Kabellänge für nur wenige Euro mehr.

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