Wenn grüner Strom im Überfluss vorhanden ist und zu geringen Kosten produziert werden kann, ist es unerheblich, ob er direkt oder zur Produktion von Wasserstoff genutzt und – mit deutlich schlechterem Wirkungsgrad – zum Betrieb eines Brennstoffzellenfahrzeugs genutzt wird. In einem Flugzeug, in einer Lok – oder in einem Mini-Bus.

Einen solchen präsentiert das Renault Joint-Venture „Hyvia“ demnächst auf der Kommunalmesse „Salon des Maires“ in Paris. Der City-Bus H2-TECH auf Basis des Kleinlasters Master kann bis zu 15 Fahrgäste umweltfreundlich und emissionsfrei durch die Stadt kutschieren. Ohne Tank- oder Ladepause bis zu 300 Kilometer weiter. Dafür sorgt eine Brennstoffzelle mit 30 Kilowatt Leistung sowie ein Tank, in dem 4,5 Kilogramm Flüssigwasserstoff mit 350 bar gespeichert wird. Zusätzlich ist ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 33 kWh an Bord, die den Brennstoffzellenantrieb insbesondere beim Anfahren des Busses unterstützen soll.

Französische Lösung
Den Transporter Master bietet Renault demnächst auch mit Brennstoffzelle an. Reichweiten von 250 Kilometern, hohe Nutzlasten und kurze Tankzeiten sollen Gewerbekunden von dem Antriebskonzept überzeugen. Auch ein Camper wäre damit darstellbar.

Nach einem ähnlichen Prinzip und auf der gleichen Plattform hat Renault auch einen Elektro-Transporter mit Brennstofftellenantrieb konstruiert. Der Master H2-TECH wird demnächst ebenfalls auf einer Fachmesse in Frankreich präsentiert. Der Zweitonner verfügt allerdings über zwei kleinere Tanks, die jeweils 1,5 Kilogramm Wasserstoff bei 700 bar speichern. Damit soll der Kastenwagen bis zu 250 Kilometer weit kommen.

Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs

Vergleichbare Fahrzeuge mit reinem Batterieantrieb wären deutlich schwerer, die Nutzlast entsprechend geringer. Zudem sind die Ausfallzeiten aufgrund der vergleichsweise langen Ladezeiten länger – ein wichtiges Argument bei der gewerblichen Nutzung von Elektrofahrzeugen. Das ist ein Grund für die intensive Beschäftigung der französischen Autoindustrie mit der Technik. Ein anderer sind die niedrigen Strompreise im Nachbarland: Mit 0,20 Cent pro Kilowattstunde sind sie im Schnitt beinahe nur halb so hoch wie in Deutschland (0,37 Cent/kWh) – unter anderem aufgrund eines hohen Anteils an Atomstrom.

„Hyvia“ ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das Renault mit dem US-amerikanischen Wasserstoff-Spezialisten und börsennotierten Brennstoffzellen-Hersteller Plug Power erst im Januar aus der Taufe gehoben hatte, um „die Herausforderungen der grünen Wasserstoff-Mobilität und die Dekarbonisierung des Verkehrs zu meistern“, wie es Hyvia-CEO David Holderbach formuliert.

Auch Stellantis investiert kräftig in die Technik

Das Joint-Venture strebt bis 2030 einen Marktanteil von 30 Prozent bei wasserstoffbetriebenen leichten Nutzfahrzeugen in Europa an. Hyvia wird an vier Standorten in Frankreich tätig sein und will seine Produkte und Services – Fahrzeuge, aber auch Wasserstoff-Tankstellen – nach und nach in ganz Europa anbieten. Der Wasserstoff wird dabei entweder auf dem Gelände der Verkehrsbetriebe oder Speditionen durch Wasserelektrolyse erzeugt oder aber mit Tankanhängern angeliefert.

Peugeot Expert-e Hydrogen
Mit Batterie und Brennstoffzelle
Den Peugeot-Transporter Expert-e gibt es wie das Schwestermodell Opel Vivaro in einer Ausführung auch als Plug-in-Brennstoffzellen-Fahrzeug, mit Wasserstoff-Tank und einem Lithium-Ionen-Akku an Bord. Foto: Stellantis

Die Wasserstoffwirtschaft hat in Frankreich einen höheren Stellenwert als etwa in Deutschland. Wie Renault investiert deshalb auch der Stellantis-Konzern, der rund um die französischen PSA-Gruppe (Peugeot-Citroën) entstanden ist, kräftig in Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik. Auf Basis der mittleren Transporter-Baureihen ist bereits eine Kleinserie von Brennstoffzellen-Fahrzeugen entstanden. Die Federführung liegt dabei bei Opel: Der Plug-in-Brennstoffzellen-Transporter Vivaro-e Hydrogen soll Flottenkunden noch in diesem Jahr angeboten werden. Ein Preis für das Fahrzeug wurde zwar noch nicht genannt. Trotzdem ist auch Lars-Peter Thiesen, Leiter Zukunftsstrategien bei Opel, von der Antriebstechnik überzeugt: „Wir stehen am Übergang von der Demo-Flotte hin zur Massenproduktion“, sagte er vor wenigen Wochen bei der Präsentation des Wasserstoff-Vivaro in Rüsselsheim.

Wegen der deutlich geringeren Stromkosten in Frankreich dürfte das allerdings vorerst nur für den dortigen Markt gelten.

Artikel teilen

2 Kommentare

  1. Avatar

    Die Strompreise entstehen durch vollkommen unterschiedliche Steuer- und Abgabesummen und relativen sich bei genauer Betrachtung gewaltig:
    Deutschland 30,4 Cent/kWh -> 53 % Abgaben = 14,3 Cent/kWh
    Frankreich 19,0 Cent/kWh -> 34 % Abgaben = 12,5 Cent/kWh
    (https://strom-report.de/strompreise-europa/ für 2020)

    Bitte den Atomstrom nicht zu Unrecht loben.

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Danke für den Hinweis

      Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.