Renault hat gerade einen guten Lauf – was den Verkauf von Elektroautos anbetrifft. Der pfiffige R5 im Retro-Style lockt nicht nur neue Interessenten in die Ausstellungsräume der Renault-Niederlassungen und -Händler. Vom „kleinen Freund“ im neuen Gewand wurden europaweit inzwischen über 100.000 Exemplare verkauft, in Frankreich führt das Modell das Ranking der meistverkauften Elektroautos an. Auch der vollelektrische R4, „Best Bay Car of the Year 2026“, weckt nicht nur nostalgische Erinnerungen, sondern schafft Kaufanreize. Die Cabrio-Version „Plein Sud“ dürfte dem Absatz des Modells in den kommenden Monaten noch einmal zusätzlichen Schub verschaffen. Und auch der neue Twingo zum Startpreis von unter 20.000 Euro hat wenige wenige Wochen nach dem Verkaufsstart schon einen Platz im Herzen vieler Elektromobilisten erobert.

Sorgen macht den Verkaufsstrategen an der Seine derzeit nur der Megane E-Tech: Vier Jahre nach seinem Start hat die 4,20 Meter lange Schrägheck-Limousine, mit dem Renault einen Kontrapunkt zum VW ID.3 setzen wollte, im Rennen um die Kundengunst deutlich an Fahrt verloren: In Deutschland wurden bis Ende Mai von dem Modell keine 500 Fahrzeuge mehr verkauft. Mit seinem 60 kWh-Akku und einer maximalen Ladeleistung von 130 kW selbst in der 41.000 Euro teuren Topversion ist er heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Die neuen Wettbewerber aus China bieten da inzwischen deutlich mehr fürs Geld.

Auf sportlich getrimmt
Neue Farben und Felgen, eine neue Leuchtengrafik und ein Diffusor kennzeichnen den Renault Megane E-Tech des Modelljahres 2027.
Auf sportlich getrimmt
Neue Farben und Felgen, eine neue Leuchtengrafik und ein Diffusor kennzeichnen den Renault Megane E-Tech des Modelljahres 2027.

Was macht man in einer solchen Situation: Man verpasst dem Auto ein Facelift – und gibt ihm noch ein wenig mehr mit als bisher. Etwa eine (etwas) größere Batterie für eine größere Reichweite und eine höhere maximale Ladeleistung für kürzere Ladepausen, ein paar Assistenzsysteme mehr und eine verbesserte Ausstattung. Wir durften uns den „neuen“ Megane E-Tech bereits ansehen und haben alle Details.

Frischer Wind für die Optik

Um gegen die wachsende Konkurrenz zu bestehen, hat Renault das Design des kompakten Stromers spürbar geschärft. Vor allem die Frontpartie im Stil des vollelektrischen Scenic E-Tech wirkt dank eines überarbeiteten Stoßfängers in Wagenfarbe nun deutlich präsenter. Besonders auffällig sind die neuen, seitlichen Lufteinlässe, die mit einer Lichtsignatur aus acht Rhombus-Elementen im Schachbrettmuster bestückt sind. Auch das Renault-Logo wurde tiefer unterhalb der Motorhaube positioniert, was dem Megane eine dynamischere Optik verleiht.

Am Heck setzt Renault bei den durchgehenden Rückleuchten auf ein neues 3D-Design ohne Abdeckglas. Da die neue Batterie von LG Chem dicker ausfällt, ist das Fahrzeug zudem um 20 Millimeter in die Höhe gewachsen und hat zudem zehn Millimeter an Bodenfreiheit verloren. In Kombination mit neuen Felgendesigns (19 bis 20 Zoll) sorgt das für einen satteren Stand auf der Straße.

Mehr Power, mehr Reichweite

Das wichtigste Update findet sich jedoch unter dem Blech. Renault rüstet den Megane E-Tech auf eine neue LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit 67 kWh Netto-Kapazität um. Diese nutzt eine innovative „Cell-to-Pack“-Architektur, die eine hohe Energiedichte ermöglicht und die WLTP-Reichweite auf bis zu 500 Kilometer anhebt. Bislang waren mit einer Ladung des 60 kWh großen Akkus nur 450 bis 470 Kilometer drin.

Ein wenig mehr Lade-Power 
Gleichstrom nimmt der Megane E-Tech künftig mit bis zu 165 kW auf. Das soll die Ladepausen unterwegs um etliche Minuten verkürzen.
Ein wenig mehr Lade-Power
Gleichstrom nimmt der Megane E-Tech künftig mit bis zu 165 kW auf. Das soll die Ladepausen unterwegs um etliche Minuten verkürzen.

Auch beim Laden hat der Franzose nachgelegt: Die Gleichstrom-Ladeleistung steigt um 35 kW auf nun 165 kW. Damit verkürzt sich der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent auf rund 26 Minuten – ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorgänger, der für die Anhebung des Ladestands auf 80 Prozent etwas mehr als eine halbe Stunde benötigte. Für Vortrieb sorgt weiterhin der bewährte, 160 kW oder 218 PS starke Synchronmotor mit gewickeltem Rotor, der ohne Seltene Erden auskommt – hier sahen die Renault-Ingenieure keinen Besserungsbedarf.

Technisches Upgrade im Innenraum

Im Cockpit bleibt das „OpenR Link“-System mit seinen zwei Bildschirmen (insgesamt 774 cm²) das Herzstück. Die Integration von Google-Diensten wie Maps und Assistant gehört längst zum Standard, doch Renault geht einen Schritt weiter: Ab Ende 2026 soll der KI-Sprachassistent Google Gemini Einzug halten, der Kontext über mehrere Anfragen hinweg versteht.

Ein Hauch von Alpine 
Die neue Ausstattungslinie "Esprit Alpine" kommt sportlich daher und ersetzt die bisherige "Iconic"-Version. Bis auf neue Sitzbezüge hat sich im Innenraum optisch nichts verändert, der Gangwahlhebel sitzt weiterhin zusammen mit dem Wischerhebel an der Lenkradsäule.
Ein Hauch von Alpine
Die neue Ausstattungslinie „Esprit Alpine“ kommt sportlich daher und ersetzt die bisherige „Iconic“-Version. Bis auf neue Sitzbezüge hat sich im Innenraum optisch nichts verändert, der Gangwahlhebel sitzt weiterhin zusammen mit dem Wischerhebel an der Lenkradsäule.

Ergänzt wird das Technologiepaket durch eine Kamera in der A-Säule, die nun nicht mehr nur die Müdigkeit überwacht, sondern auch per Gesichtsscan individuelle Fahrerprofile (Sitzposition, Medien, Fahrzeug-Einstellungen) automatisch aktiviert. Zudem reagiert der neue „Smart“-Modus der Multi-Sense-Einstellungen adaptiv auf den Fahrstil, indem er stufenlos zwischen Eco, Comfort und Sport wechselt.

Neuer Preis wird noch nicht verraten

Renault strafft zudem das Angebot: Statt der bisherigen Vielfalt gibt es künftig nur noch einen Antrieb, eine Batteriegröße (die 40 kWh-Variante entfällt) sowiezwei Ausstattungslinien: „Techno“ und das sportlich betonte „Esprit Alpine“. Damit will man den Konfigurationsdschungel lichten und den Einstieg für die zahlreichen Neukunden, die Renault mit dem Megane weiterhin gewinnen will, so einfach wie möglich gestalten.

Bestellbar ist das neue Modell ab Juli, beim Händler steht der „neue“ Megane E-Tech ab Oktober. Mit welchem Preisschild, will Renault noch nicht verraten. Wir tippen aber mal: Viel wird nicht obendrauf kommen.

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