Auch Rolls-Royce wird elektrisch. Bis Ende des Jahrzehnts verabschiedet sich der britische Autobauer von seinen prächtigen V12-Triebwerken und steigt komplett auf Elektroantriebe um. Erstes Modell ist der Rolls-Royce Spectre. Und der feiert 2023 seine offizielle Weltpremiere.

Die Fans des britischen Traditionsherstellers, seit vielen Jahren unter dem Dach der BMW Group, sagt seinen prächtigen V12-Turboaggregaten ein sanftes Goodbye und springt herüber ins Elektrozeitalter. Kaum anzunehmen, dass davon alle aktuellen Kunden begeistert sein werden, denn die Luxusmarke Rolls-Royce ist nicht zuletzt durch seine spektakuläre Motorbaukunst in den vergangenen Dekaden zu dem geworden, was man heute ist: die exklusivste Automarke der Welt. Mit dem Fokus auf Verbrenner ist es fortan vorbei, denn bei Elektromodellen ist es mit der hauseigenen Motorenbaukunst nicht mehr weit her und stattdessen geht es um andere Themen.

Auslieferungen des Luxus-Stromers beginnen 2023

Erstes Modell, das Rolls-Royce auf elektrisch angetriebene Räder stellen will, ist der Spectre. Ein Coupé nach Vorbild des eleganten Wraith, der seine inneren Qualitäten jedoch noch zwei Jahre lang geheim halten will. In Sachen Motorleistung dürfte man kaum hinter den aktuellen V12-Verbrennern zurückfallen, deren aufgeladene V12-Aggregate Motorleistungen von bis zu 420 kW (571 PS) bieten. Und auch eine Mindestreichweite von über 400 Kilometern scheint gesetzt.

"Sollte funktionieren, sofern es feste Ladestationen gibt" 
Firmengründer Charles Rolls 1900 am Steuer seines Elektroautos "Columbia". Foto: Archiv Rolls-Royce
„Sollte funktionieren, sofern es feste Ladestationen gibt“
Firmengründer Charles Rolls 1900 am Steuer seines Elektroautos „Columbia“. Foto: Archiv Rolls-Royce

„Heute ist der bedeutendste Tag in der Geschichte von Rolls-Royce Motor Cars seit dem 4. Mai 1904. An diesem Tag trafen sich unsere Gründerväter Charles Rolls und Sir Henry Royce zum ersten Mal und waren sich einig, dass sie das beste Auto der Welt erschaffen würden“, blick Rolls-Royce-CEO Torsten Müller-Ötvös zurück in die Historie. „Heute, 117 Jahre später, kann ich stolz verkünden, dass Rolls-Royce das Erprobungsprogramm für ein völlig neues, absolut außergewöhnliches Produkt beginnt. Es wird die weltweite Revolution der vollelektrischen Automobile vorantreiben und das erste – und beste – Super-Luxusprodukt seiner Art sein. Dies ist kein Prototyp: Er ist real, wird in der Öffentlichkeit erprobt und unsere Kunden werden im vierten Quartal 2023 die ersten Exemplare erhalten.“

Erstes Elektroauto von Rolls schon im Jahr 1900

Anders als viele andere Hersteller erprobte Rolls-Royce Elektromotoren bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Sir Henry Royce war zu Beginn seines Schaffens fasziniert von allem Elektrischen und sein erstes Unternehmen namens F. H. Royce and Company entwickelte Dynamos, elektrische Kranmotoren und patentierte die Glühlampenfassung mit Bajonettverschluss.

"Experimental Car" 
Mit dem Rolls-Royce 102 EX testete die BMW-Tochter bereits vor zehn Jahren die Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs. Foto: RR
„Experimental Car“
Mit dem Rolls-Royce 102 EX testete die BMW-Tochter bereits vor zehn Jahren die Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs. Foto: RR

Charles Rolls, der andere Teil des dynamischen Entwicklerduos, prophezeite bereits vor mehr als 100 Jahre eine elektrifizierte Zukunft, denn im April des Jahres 1900 erlebte er ein frühes Elektrofahrzeug namens Columbia und erklärte dessen Elektroantrieb für ideal für Fahrzeuge: „Ein Elektroauto ist absolut geräuschlos und sauber. Es gibt keine Gerüche oder Vibrationen und es sollte funktionieren, sofern es feste Ladestationen gibt. Aber im Moment gehe ich nicht davon aus, dass es praktikabel ist – zumindest nicht für eine lange Zeit.“ Damit sollte Charles Rolls recht behalten, denn in den nächsten hundert Jahren Automobilgeschichte bekamen die Elektroautos kaum ein Rad auf den Boden.

Straßentests mit dem „Spectre“ noch dieses Jahr

Im Jahre 2011 ließ Rolls-Royce die einstigen Überlegungen zum Elektroantrieb zum ersten Mal wieder aufleben und man kreierte das Einzelstück eines Rolls-Royce Phantom mit Elektroantrieb, den 102 EX. 2016 legten die bayrischen Briten zum 100. Geburtstag der Marke BMW den visionären 103 EX nach. Torsten Müller-Ötvös: „Rolls-Royce hat ein historisches und einzigartiges Unterfangen begonnen, das heute Wirklichkeit wird. Unsere Designer und Ingenieure haben unermüdlich daran gearbeitet, uns hierher zu bringen: Wir sind jetzt bereit, mit der Erprobung des ersten vollelektrischen Rolls-Royce der Geschichte zu beginnen.“

"Vision Next 100"
Zur Feier des 100-jährigen Bestehens von BMW bauten die Briten ein Konzeptauto. Mit Elektroantrieb und für das Zeitalter des vollautonomen Fahrens: Der Rolls-Royce für das Jahr 2040 hatte schon kein Lenkrad mehr. Foto: Rolls-Royce
„Vision Next 100“
Zur Feier des 100-jährigen Bestehens von BMW bauten die Briten ein Konzeptauto. Mit Elektroantrieb und für das Zeitalter des vollautonomen Fahrens: Der Rolls-Royce für das Jahr 2040 hatte schon kein Lenkrad mehr. Foto: Rolls-Royce

Die Entwicklungen des elektrischen Rolls-Royce Spectre laufen mit BMW-Unterstützung bereits seit einigen Jahren. Die offizielle Ankündigung der Briten überrascht nicht, da die Modelle auf ihren insgesamt 2,5 Millionen Erprobungskilometern nunmehr verstärkt die geheimen BMW-Testgelände in aller Welt verlassen und reale Straßentests absolvieren. „2016 stellten wir den Phantom und mit ihm die proprietäre Aluminiumarchitektur der Marke vor: der skalierbare Spaceframe, der seither in allen neuen Rolls-Royce Automobilen zum Einsatz kommt“, erläutert Müller-Ötvös. „Diese einzigartige Technologie – von Rolls-Royce für Rolls-Royce entwickelt und exklusiv der Marke vorbehalten – ist nicht nur für die Modelle mit Verbrennungsmotor konzipiert, sondern auch für Fahrzeuge mit anderen Antrieben.“

Davon profitieren auch die kommenden Elektromodelle und mit ihm das Erstlingswerk des Rolls-Royce Spectre. Neben dem Elektro-Coupé des Spectre hat der Autobauer aus Goodwood zwei weitere Modelle – eine Luxuslimousine und einen entsprechenden SUV – in der konkreten Planung und kann bei allen drei Modellen nicht zuletzt auch auf Antriebs- und Batterietechnik der BMW Group zurückgreifen

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