Im Rettungswesen treffen zwei Welten aufeinander, die eigentlich schwer zu vereinbaren sind: Der Bedarf an maximaler Zuverlässigkeit bei minimaler Reaktionszeit und der Wunsch nach einer nachhaltigen Flotte. Bisher war der Dieselmotor hier das Maß der Dinge – auch wenn die klassischen Einsatzwege oft kurz sind und die Fahrzeuge dazwischen meist lange Zeit ungenutzt in der Wache stehen. Genau dieses Nutzungsprofil prädestiniert den Bereich für den Wechsel auf den Elektroantrieb.

Ein Debüt für die Rettung

Auf der diesjährigen Fachmesse Interschutz in Hannover präsentiert Scania eine Premiere: Das erste batterieelektrische „CrewCab“ der Firmengeschichte. Der 400 kW (551 PS) starke Scania CP31L 4×2 ist kein umgebauter LKW, sondern wurde gezielt für den harten Alltag von Feuerwehr, Flughafen- und zivilen Rettungsdiensten entwickelt.

Es gibt ihn auch in Rot

Die Doppelkabine des Scania gibt bei zu neun Rettungskräften Platz. Auch die technischen Eckdaten klingen dabei nach einem ernsthaften Arbeitsgerät:

  • Energie: Eine installierte Batteriekapazität von 356 kWh sorgt für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern. Scania setzt dabei auf ein 90-prozentiges nutzbares Kapazitätsfenster, um die Langlebigkeit der Zellen im anspruchsvollen Einsatzbetrieb zu garantieren. Geladen werden kann der Akku über eine CCS-Schnittstelle mit bis zu 375 kW.
  • Flexibilität: Das Design mit „Free Frame Sides“ lässt Aufbauherstellern alle Freiheiten. Ob Löschtechnik, Bergungsgerät oder komplexe Spezialausrüstungen – die Basis ist modular adaptierbar.
  • Emissionsfrei: Der Betrieb mit null lokalen Emissionen verbessert nicht nur den ökologischen Fußabdruck, sondern auch die Bedingungen für die Einsatzkräfte direkt am Einsatzort – eine Erleichterung bei der Kommunikation und in der direkten Umgebung von Einsatzstellen.

Nachhaltigkeit ohne Kompromisse

„Die Elektrifizierung unserer Kundenflotten bedeutet, Nachhaltigkeit mit operativer Zuverlässigkeit und langfristiger Profitabilität zu verbinden“, erklärt Louise Johansson, Solutions Managerin bei Scania Commercial für den Bereich Fire & Rescue. Der Anspruch ist klar: Keine Abstriche bei Sicherheit, Uptime oder dem Komfort für die Mannschaft, die auch mit schwerer Schutzausrüstung oder Atemschutzgeräten Platz finden muss.

Bis zu zehn Einsätze an einem Stück
Die Drehleiter L32A-XS electric von Rosenbauer basiert auf dem eTGM-Chassis von MAN. Die Antriebsenergie liefern hier zwei Lithium-Ionen-Batterien mit 178 kWh Bruttokapazität. Damit sind in der Stadt bis zu zehn typische Einsätze mit jeweils acht Kilometern Fahrtstrecke ohne Zwischenladen möglich, im ländlichen Bereich etwa vier Einsätze mit typischerweise rund 20 Kilometern Anfahrt.

Dass Scania hier so konsequent agiert, fügt sich in die umfassende Strategie des Herstellers ein, der für seine E-LKW-Reihe bereits ein Ökosystem aus Ladelösungen, Vernetzung über „Smart Dash“ und Software-Updates „Over the Air“ etabliert hat.

Drehleiter-Fahrzeug auf MAN-Basis von Rosenbauer

Auf der gleichen Messe präsentierte Spezialist Rosenbauer seinen weltweit ersten Drehleiter E-Lkw unter 16 Tonnen. Das Fahrzeug basiert auf dem MAN eTGM, der mit einem einem 210 kW (285 PS) starken Elektroantrieb und einem Zweigang-Getriebe daherkommt. Ein drehmomentstarker mechanischer Nebenantrieb übernimmt den Antrieb der Drehleiter.

Die Energie dafür liefern zwei Lithium-Ionen-Batterien mit insgesamt 178 kWh Bruttokapazität. Damit sind nach Herstellerangaben im urbanen Betrieb bis zu zehn typische Einsätze mit jeweils rund acht Kilometern Fahrtstrecke ohne Zwischenladen möglich; im ländlichen Bereich etwa vier Einsätze mit typischerweise rund 20 Kilometern Anfahrt. Das Aufladen der Batterien erfolgt per Gleichstrom mit bis zu 250 kW in rund 33 Minuten (von 5 bis 80 Prozent).

Die Beispiele zeigen: Die Rettungswache der Zukunft wird leiser und sauberer. Die Skepsis gegenüber elektrischen Einsatzfahrzeugen schwindet, da das hohe Drehmoment der E-Maschinen gerade bei schweren Fahrzeugen im Stop-and-Go oder beim Anfahren aus der Wache enorme Vorteile bietet. Damit ist sicher: Der Diesel hat auch im Löschfahrzeug seine besten Tage hinter sich.

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