Die Löwen haben nicht angebissen. Thomas Gemperle (34), Pascal Buholzer (29) und Bernhard Winter (24) haben für ihren „coolsten Elektrorollstuhl der Welt“ in der Start-up-Show des Fernsehsenders „Vox“ zwar keinen Investor gefunden – fünf Millionen Euro für einen 10-prozentigen Anteil an der in Winterthur beheimateten Scewo AG waren Nico Rosberg, Georg Kofler & Co. einfach zu viel Geld.

Immerhin aber erneten die drei Absolventen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich mit ihrem Besuch in der „Höhle des Löwen“ viel Beifall. Und obendrein bekamen sie jede Menge Werbung für den „Scewo Bro“, den angeblich einzige Elektro-Rollstuhl, der nicht nur selbstbalancierend ist, sondern auch Treppensteigen kann.

Studentisches Hilfswerk

Die Idee dazu kam Co-Gründer Winter 2014, als er ein Thema für seine Masterarbeit in Maschinenbau und Verfahrenstechnik suchte. Erst sollte es ein Roboter werden. Dann wurde er von einem Dozenten auf den Zürcher „Cybathlon“ aufmerksam gemacht – einen Wettkampf für Menschen mit Behinderungen, die unterstützt von modernsten technischen Assistenzsystemen beim Lösen von alltagsrelevanten Aufgaben gegeneinander antreten. Winter tat sich daraufhin mit Kommilitonen der ETH sowie der Zürcher Hochschule der Künste zusammen und entwickelte in neunmonatiger Arbeit den Elektro-Rollstuhl „Bro“ mit kombiniertem Rad- und Raupenantrieb.

Revolutionäre der Rollstuhlindustrie
Scewo-Gründer Bernhard Winter, Thomas Gemperle und Pascal Buholzer (v.l.) mit ihrem Elektro-Rollstuhl „Bro“. Foto: Scewo

“Wir sagen immer, wir bauen den Tesla unter den Rollstühlen”, sagt Winter. Entsprechend hochgesteckt sind die Ziele der Unternehmensgründer: Mit ihrer Entwicklung wollen die drei Schweizer nicht weniger als die gesamte Rollstuhlindustrie aufrollen. Mit einem Elektroantrieb, der den Stuhl samt den Menschen darauf dank eines Lithium-Ionen-Akkus mit 30 Amperestunden Kapazität bis zu 35 Kilometer weit trägt.

Mit Sitzlift und Raupenantrieb

Vor allem aber mit drei anderen Finessen, die derzeit kein anderer Rollstuhl bietet: Egal, wie der Untergrund beschaffen ist – der hydraulisch gelagerte Sitz bleibt immer in der Waagerechten. Und Bordsteinkanten oder Treppen sind damit auch kein Hinternis mehr: Über die Steuerungskonsole oder eine App kann der Raupenantrieb ausgefahren werden. Bordsteinkanten oder Treppen sind damit schnell überwunden. Eine weitere Besonderheit: Mit den Elektromotoren kann der Sitz bis auf 87 Zentimeter Höhe angehoben werden – Menschen mit und ohne Handicap können sich so auf Augenhöhe begegnen. Und in einem Supermarkt kann der Rollstuhlfahrer dank des Sitz-Lifts ohne fremde Hilfe auch an Waren in höhergelegenen Regalebenen gelangen.

Die komplexe Technik schlägt sich allerdings auch in Gewicht – und Preis nieder. 162 Kilogramm wiegt der Elektro-Rollstuhl der Klasse B inklusive Akku. Und wer sich für den „Bro“ entscheidet, braucht ein gut gefülltes Bankkoto: Der aktuelle Verkaufspreis beträgt 36.000 Euro. Immerhin gibt es für den Rollstuhl inzwischen eine deutsche Hilfsmittelnummer – das sollte eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erleichtern.

Artikel teilen

2 Kommentare

  1. Avatar

    Eine wirklich tolle Erfindung von sehr sympathischen jungen Menschen.
    Ich fürchte nur das es wirtschaftlich schwierig wird.
    Der Stuhl ist wirklich zu teuer und die Schweiz ein sehr teurer Produktions Standort und hat nicht genug Einwohner so dass man auf export setzen muss. Nur export von höchstlohnland in ärmere Länder immer schwierig.
    Die alten hersteller wie meyra werden sich auch das Geschäft nicht aus der Hand nehmen lassen und das Ding teilweise kopieren. Vielleicht das beste ihr verkauft ihnen das patent.

    Antworten
  2. Avatar

    Das Teil ist wirklich genial.

    Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.