Mein Gott haben es die Tschechen spannend gemacht, aber jetzt haben sie ihn endlich komplett enthüllt. Diesen 4,87 Meter langen XXL-Skoda, der zu alten Ostzeiten, als Škoda noch kleine Wägelchen wie den schnell rostenden, aber sehr begehrten Hecktriebler MB 1000 produzierte, vermutlich wie eine Bombe eingeschlagen hätte. Inzwischen ist Škoda der Renditebringer des angeschlagenen VW-Konzerns, und diesen SUV, der optisch mit seiner coolen Modern-Solid-Designlinie fast wie ein hochgesetzter Kombi wirkt, gibt es auf Wunsch sogar mit sieben Sitzen. Wobei dort die letzte Reihe, easy ausklappbar aus dem Kofferraum, wirklich eher was für die kleineren Kids ist.
Also gut passend für den Kita-Kindergeburtstag und so, zumal dieser Riese auch einen riesigen Kofferraum hat. Sein Volumen reicht beim Fünfsitzer bis zu 935 rekordverdächtigen Litern bei dachhoher Beladung, bei umgeklappten Rücksitzen sind es dann sogar gigantische 2150 Liter. Und unter der Fronthaube gibt es sogar einen flachen Frunk, dessen Ladevolumen mit gerade mal 37 Litern allerdings nicht so dramatisch ist. Generell jedenfalls offeriert dieser Tscheche dank seines gewaltigen Radstands von 2,96 Metern verdammt viel Platz zum Herumräkeln auf längeren Reisen. Aber hallo, der liegt nämlich fast auf dem Radstand-Level eines VW ID Buzz (2,99 Meter).

Dabei gefällt uns im Peaq ganz besonders, dass die Sitze der mittleren Reihe um 15 Zentimeter vor oder zurück verschiebbar sind, was entweder mehr Raum fürs Gepäck oder einen eleganteren Zustieg zur dritten Reihe schafft. So oder so, großes Lob. Abgesehen davon, dass die sehr ergonomisch geformten Vordersitze nicht nur mit verstellbaren Beinauflagen und einer Belüftung aufwarten, sondern sogar mit einer Massagefunktion zu haben sind. Und dann registrieren wir da noch dieses feine Soundsystem von Sonos (16 Lautsprecher, 750 Watt Leistung), das, erstmals bei Škoda, uns quasi in einen Konzertsaal versetzt und dank eines Doppel-Subwoofers (200 W) herrlich fette Bässe produziert. Immersives 3D-Klangerlebnis.
Bis zu 640 Kilometer Reichweite
Schon sind wir bei den drei Antriebsversionen des SUV. Den Hecktriebler gibt es als 60 mit 150 kW (204 PS), als 90 mit 210 kW (286 PS) und als 90x-Allradler (zusätzliche Asynchron-E-Maschine vorn) mit der Topleistung von 220 kW (299 PS), die den unter harten Jungs immer noch bedeutsamen Sprint auf Tempo 100 in nur 6,7 Sekunden erledigen soll. Die Höchstgeschwindigkeit der 90er liegt jeweils bei 180 km/h. Klar, die große NMC-Lithium-Ionen Batterie (Nickel-Mangan-Kobalt) der beiden Topmodelle mit der Bruttokapazität von 91 kWh (86 kWh netto) kennen wir aus VW ID. Buzz und ID.7. Während der Kleine, maximal 160 km/h schnell, mit einer 63-kWh-Batterie (59 kWh netto) startet.
Dazu passt dann auch die üppige elektrische Reichweite des Tschechen, die im stärkeren Hecktriebler nach WLTP-Norm bei besten Bedingungen bei über 640 Kilometern liegt, während der Allradler auf 610 Kilometer kommen soll. Das sind selbstbewusste Ansagen, obwohl es hier Mercedes, BMW und einige Chinesen noch besser können. Offizielle Verbräuche des Peaq: reichen von 14,9 kWh (Selection 60) bis zu den 18,6 kWh des Allradlers (Sportline 90x). Bemerkenswert niedrige Werte.
Schnell laden mit knapp 200 kW
Schnelles DC-Laden? Geht relativ zügig. Exakt 28 Minuten fürs Aufbrezeln von 10 auf 80 Prozent verspricht Skoda hier für die Versionen 90 und 90x. Während der 60 mit dem kleineren Akku dasselbe in 27 Minuten erreichen soll. Das entspricht einer Lade-Spitzenleistung von 199 kW, was nun kein Rekordwert ist, aber laut Skoda dank einer harmonischen Ladekurve völlig ausreichend sei. „Die Kurve steigt schnell an und hält sich relativ lange konstant“, erklärt uns Technik-Vorstand Johannes Neft. Der 60er lädt übrigens mit 160 kW. Und weil dieser Peaq auf dem MEB-Baukasten des VW-Konzerns beruht, ist hier noch die klassische 400-Volt-Technik im Einsatz.

Auf Wunsch gibt es den Großen sogar mit gewaltigen 21-Zoll-Rädern, in der Serienausstattung sind es 19 oder 20 Zoll. Ebenso offerieren sich diese Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer, die vollautomatisch die Nacht zum Tage machen und dabei niemanden blenden. Erste Fahreindrücke? Gab es, was den noch getarnten Peaq betrifft, bei uns schon zu lesen. Mit ziemlich viel Zuspruch für die harmonische Fahrwerksabstimmung, speziell fürs erhältliche DCC-Fahrwerk mit den adaptiven Dämpfern. Lob auch für die trotz der Größe überraschende Handlichkeit des vom Fahrwerk her soft angestimmten Tschechen. Und natürlich fürs hier mögliche One-Pedal-Fahren, das per Energierückgewinnung bis in den Stand bremst. Und den kommoden Test-Verbrauch von nur 17,8 kWh per 100 Kilometer.
Panorama-Glasdach im Giga-Format
Auf Wunsch gibt es hier auch ein mit mehr als 2,1 Quadratmetern riesiges Panorama-Glasdach, das heute offenbar jeder feine Neuling haben muss. In diesem Fall offerieren sich gleich neun einstellbare Segmente, mit denen wir den Lichteinfall ganz nach unseren Wünschen sortieren können („Dynamic Shade Control“). Und mittig dieses 13,6 Zoll große Touchdisplay im praktischen Hochformat. Ein Infotainmentsystem auf Android-Basis, dessen intuitive Bedienung, wir haben es probiert, keine Rätsel aufgibt. Google Maps und Spotify? Logisch, sind an Bord. Beinahe vergessen: Für unsere Smartphones gibt es vorn eine doppelte 25-Watt-Ladefläche, die sogar mit Beleuchtung, aktiver Kühlung und darüber hinaus mit zwei Magneten daherkommt, damit nichts verrutscht. Und die Scheibenwischer, dem Ingenieur ist ja nix zu schwer, haben hier sogar integrierte Waschdüsen.

Schön übrigens, dass hier bei der Bedienung nicht alles umständlich über den erwähnten großen Touchscreen läuft. Das schlaue Bedienfeld auf der Mittelkonsole hat nämlich im oberen Bereich die beiden Tasten zum Ver- und Entriegeln, den Schalter für die Warnblinker und ein Scrollrad für die Einstellung der Lautstärke. Darunter fein griffig die äußeren Direktregler zur Einstellung der Temperatur für Fahrer und Beifahrer und in der Mitte schließlich der Regler für die fünf Stufen des Gebläses.
Anhängelast von bis zu zwei Tonnen
Auch interessant: Der bei Skoda neue digitale Fahrzeugschlüssel ermöglicht es, das Auto per Smartphone oder Smartwatch zu entriegeln und zu starten. Selbstverständlich gibt es zudem die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der sich zum Beispiel Kühlschränke, E-Bikes oder Wohnwagen mit Strom aus dem Peaq versorgen lassen. Was uns nicht so gefällt, das sind die elektrisch versenkbaren Türgriffe, die es noch nie in einem Skoda gab. Sie fahren bei Annäherung automatisch aus und sollen sich – wenn man auf den markierten vorderen Bereich des Türgriffs drückt – auch manuell ausfahren lassen. Da bleibt dennoch ein Rest von Unsicherheit im Falle eines bösen Seitenchrashs. In China ist derartiges deshalb ab 2027 generell verboten.
Logisch, dazu gibt es hier natürlich sämtliche Assistenzsysteme, die derzeit so auf dem Markt sind. Das reicht vom Frontradar mit Fußgänger- und Radfahrererkennung über den Abbiegeassistenten, einer 360-Grad-Umgebungskamera, dem Kreuzungsaufpasser, dem Ausweichassistenten bis hin zum optionalen Travel Assist 3.0, der, generell inklusive Stau- und Notfallassistent, nun auch prophylaktisch auf rote Ampeln reagiert und künftig zudem assistierte Spurwechsel managen soll. Eine Wärmepumpe, die im Winter die elektrische Reichweite vergrößert? Yes, serienmäßig an Bord des Peaq. Und ziehen darf er auch ordentlich, denn die erlaubte, gebremste Anhängelast des Allradlers 90x liegt bei immerhin 2000 Kilogramm. Die darunter rangierenden Modelle dürfen maximal 1800 Kilogramm an den Haken nehmen.
Camp-Modus für Übernachtungen im Auto
Kurz noch zur MySkoda-App, die nun zum Beispiel nach einmaliger Autorisierung auch Plug & Charge ermöglicht. Also das Laden an öffentlichen Stationen ohne weitere Authentifizierung. Völlig neu ist hier der Camp-Modus für Leute, die gern gelegentlich die Nacht in ihrem Auto verbringen. Sorgt bei stabiler Internet-Verbindung dafür, dass die im Voraus gewählte Innenraumtemperatur über die ganze Nacht brav konstant bleibt, inklusive kontinuierlicher Frischluftzufuhr. Okay, dafür muss die Batterie allerdings noch einen Ladezustand von mindestens 20 Prozent haben.

Bliebe noch zu erwähnen, dass es in diesem Peaq, typisch Skoda, fürs Interieur wahlweise fünf Design-Selections gibt. Hier sind es Suite Schwarz, Suite Keramik, Lodge, Loft und Sportline. Was da in jedem Fall geboten wird, das können Sie sich zu Hause jetzt in aller Ruhe im Konfigurator der Tschechen anschauen — und dann nach Ihren persönlichen Vorlieben sortieren. Nur soviel: Die beiden Suite-Topvarianten Schwarz und Keramik setzen bei den Sitzen auf die feine Lederalternative Techtona in Schwarz oder Hellgrau.
Preise ab 49.900 und über 60.000 Euro
So, jetzt wird es ernst. Genau, die Preise! Naja, nicht ganz so skodatypisch wie manch ein Sparfuchs vielleicht erwartet hat, denn der Einstieg fürs neue Skoda-Flaggschiff, da reden wir über den schmalbrüstigeren 60er, beginnt erst bei strammen 49.900 Euro, liegt also einen guten Tausender oberhalb des kleineren Kodiaq als Plug-in-Modell in der Sportline-Ausstattung. Den 90er Peaq gibt es ab 57.900 Euro, der Allradler ist nicht unter 60.400 Euro zu haben. Und nur mal nebenbei: Die gut ausgestattete Sportline-Variante des Peaq, die für alle Antriebsversionen zu haben ist, startet bei straffen 54.800 Euro, da gibt es optional auch eine Zweifarblackierung mit schwarzem Dach.
So, Sie können, wenn Sie nicht die Katze im Sack kaufen wollen, dafür auf jeden Fall noch ein bisschen sparen. Denn dieses Auto ist zwar schon bestellbar, soll aber offiziell erst „im Herbst“ zu den deutschen Händlern rollen. Wir wissen es natürlich genauer, rechnen Sie mal einfach mit Ende September. Was hier nur noch fehlt, aber in Mlada Boleslav längst in Arbeit ist, wäre die passende, obersportliche RS-Version. Okay, die dürfte im Frühjahr nächsten Jahres folgen und dann mit 250 kW (340 PS) powern. Und, was das Fahrwerk betrifft, einen spürbaren Tick straffer abgestimmt sein. Zum RS will Johannes Neft aber noch lieber nichts sagen, nur soviel: „Skoda kann sich im Konzern natürlich jederzeit bei allen technischen Möglichkeiten des MEB-Baukastens bedienen.“
Okay, falls Sie nun nicht so der Freund eines relativ gewaltigen SUV-Bolzens sind, aber trotzdem möglichst viel, viel Laderaum haben wollen, dann empfiehlt sich bei Skoda das Warten auf den großen, ziemlich smart gestylten vollelektrischen Kombiriesen, der bislang erst einmal unter dem Arbeitstitel „Vision O“ firmiert. Rund 4,85 Meter lang. Hat nach ersten Werten immerhin 650 bis 1700 Liter Ladevolumen und soll als designierter Octavia-Nachfolger allerdings nicht vor 2028 bei den deutschen Händlern starten. Sie haben die Wahl.