Man rieb sich auf dem Pariser Autosalon verwundert die Augen: Neben Citroëns charmanter Retro-Ente 2CV und Renaults geräumigem Elektro-Espace stahl ausgerechnet der kleinste Flaneur der Messe vielen die Show. Smart besinnt sich auf seine Wurzeln und feiert mit dem neuen Smart #2 die Wiedergeburt des legendären Zweisitzers. Exakt 2,75 Meter kurz, wendig wie eh und je und ab sofort für knapp unter 20.000 Euro bestellbar – wir waren bei der Weltpremiere live dabei.

Mitten im Blitzlichtgewitter um den knallroten Zwerg stand plötzlich die frühere Smart-Chefin Annette Winkler, die heute im Aufsichtsrat von Renault sitzt, und applaudierte sichtlich berührt. Auch Johann Tomforde ließ es sich nicht nehmen, nach Paris zu reisen. Der inzwischen 80-jährige Ur-Vater und Chefdesigner des ersten Smart Fortwo hatte den Entwicklern im Vorfeld wertvolle Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Nach den wuchtigen SUV-Ausflügen mit #1, #3 und #5 kehrt die deutsch-chinesische Marke damit endlich dorthin zurück, wo ihr eigentliches Biotop liegt: in die notorisch verstopften Gassen europäischer Metropolen. Ab Frühsommer 2027 können wir den kleinen Zweisitzer dort wieder als Stromer erleben – bald auch in einer über 100 PS starken Brabus-Version.

Generationenübergreifend 
Ex-Smart-Chefin Annette Winkler war zur Weltpremiere des Smart #2ebenso geladen worden wie Smart-Urvater Johann Tomforde.
Generationenübergreifend
Ex-Smart-Chefin Annette Winkler war zur Weltpremiere des Smart #2ebenso geladen worden wie Smart-Urvater Johann Tomforde.

Das größte Pfund des neuen Smart #2 ist aber zweifellos seine Kompaktheit. Mit exakt 2.746 Millimetern Länge bewahrt er das geniale Prinzip der weit außen in den Ecken platzierten Räder und die charakteristische, zweigeteilte Heckklappe. Der Wendekreis von gerade einmal 6,95 Metern von Bordstein zu Bordstein ist eine regelrechte Demütigung für jedes moderne Kompakt-SUV, das sich mühsam durch Parkhäuser zirkeln muss.

Dank einer in diesem Segment einmaligen Fünflenker-Einzelradaufhängung an der Hinterachse und dem tiefen Schwerpunkt der Batterie dürfte zudem das gefürchtete Hoppeln früherer Baureihen endgültig Geschichte sein. Die weiterentwickelte Sicherheitszelle Tridion Cell Evo sorgt zusammen mit serienmäßigen Assistenzsystemen wie dem Abstandsregeltempomaten für ein Sicherheitsniveau, das man einem Winzling auf den ersten Blick kaum zutraut.

Schnell laden mit maximal 65 kW

Dennoch darf man bei aller Wiedersehensfreude nicht die Augen vor den Schattenseiten verschließen, denn bei der Ladetechnik zeigt der Smart #2 spürbare Schwächen. Zwar reicht die Kapazität der Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 35,8 kWh auf dem Papier für bis zu 290 Kilometer nach WLTP. An der Schnellladesäule sind jedoch maximal 65 kW Gleichstrom möglich. Weil der Akku recht klein ist, vergehen für das Fenster von 10 auf 80 Prozent zwar immer noch akzeptable 20 Minuten, doch ein technologisches Ausrufezeichen setzt diese Ladeleistung im Jahr 2026 nicht mehr.

Smart Pure 
Die Basisversion des Smart #2 kostet zwar nur 19.990 Euro, kann dafür an der heimischen Wallbox Wechselstrom nur mit 7,4 kW laden.
Smart Pure
Die Basisversion des Smart #2 kostet zwar nur 19.990 Euro, kann dafür an der heimischen Wallbox Wechselstrom nur mit 7,4 kW laden.

Richtig ärgerlich wird es beim Blick auf das Wechselstrom-Laden der Basisversion Pure für 19.990 Euro. Hier knausert Smart unverständlicherweise und verbaut lediglich einen einphasigen 7,4-kW-Bordlader. An einer gängigen öffentlichen 22-kW-Säule zieht der Zwerg damit schieflastbedingt oft nur mickrige 3,7 bis maximal 4,6 kW. Ein kompletter Ladevorgang dehnt sich so auf zähe fünf Stunden aus – für Laternenparker im urbanen Raum ist das schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Pure+ ist klar die beste Wahl

Genau deshalb lautet unsere klare Kaufempfehlung: Machen Sie einen weiten Bogen um das nackte Basismodell Pure. Erst die mittlere Ausstattungslinie Pure+ rüstet den unverzichtbaren, dreiphasigen 11-kW-Onboard-Lader nach, der die Standzeit an der AC-Säule auf erträgliche drei Stunden verkürzt, und bringt obendrein sinnvolle Details wie Sitzheizung und Totwinkelwarner mit. Wer dazu noch das Panorama-Glasdach und edlen Sennheiser-Klang schätzt, greift gleich zur Premium-Linie. Wenn man die Ladekröte im Basismodell umschifft, bekommt man mit dem #2 das derzeit smarteste Gegenmittel gegen den automobilen Übergewichtswahn.

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