Wie war das – alle Wege führen nach Rom. Nun, das mag für Italien gelten. Aber für Deutschland? Google Maps empfiehlt drei Strecken. Die eine führt über die A61, die andere querfeldein durch die Eifel. Und dann gäbe es noch eine Südroute, die allerdings deutlich länger wäre – das könnte knapp werden. Denn der Akku des Honda e – „Advance“-Paket hin oder her – fasst nur 35,5 Kilowattstunden. Selbst im Eco-Modus, bei Verzicht auf Sitz- und Lenkradheizung und bei sensibelster Behandlung des Fahrpedals sind damit nur wenig mehr als 200 Kilometer drin, bei einer Außentemperatur von 8 Grad Celsius sind es eher weniger. Damit ist klar: Wir nehmen die Strecke durch die Eifel.

Der Honda e Advance in Kürze

  • Heckmotor mit 113 kW (154 PS) und 315 Nm max. Drehmoment
  • Lithium-Ionen-Batterie mit 35,5 kWh Kapazität
  • max. Ladegeschwindigkeit AC 7,4 kW, DC 56 kW
  • Reichweite lt. WLTP-Norm: 222 km
  • Höchstgeschwindigkeit 145 km/h
  • Preise ab 38.000 Euro

Wieso überhaupt Eifel, werden Sie jetzt fragen. Und wieso Rom? Nun, ganz einfach: Rom ist, da werden Sie mir sicher zustimmen, immer eine Reise wert. Und es lässt sich für jedes Elektroauto zwar leicht ein Ziel finden, das außerhalb dessen Reichweite liegt – das gilt für einen Honda e ebenso wie zum Beispiel ein Tesla Model S. Schwerer ist es das schon, ein Ziel zu finden, das noch innerhalb der Reichweite des Stromers liegt – und trotzdem in diesen verrückten Corona-Zeiten ein wenig das Fernweh befriedigt. Wie Rom beispielsweise.

Honda e in der Eifel
So weit der Blick reicht – kommt der Honda e auch
Natur gibt es in der Eifel reichlich. Das Angebot an Lademöglichkeiten für Elektroautos hingegen ist eher spärlich. Ausflüge mit dem Honda e sollten deshalb sorgfältig geplant sein.

So sind wir denn an einem sonnigen Morgen in der Domstadt Köln – Gründung des römischen Feldherrn Agrippa 38 Jahre vor Christi Geburt – aufgebrochen, um mit dem stylishsten (oder knuffigsten, je nach Alter und Geschlecht des Betrachters) Elektroauto das Weite zu suchen, das der Markt derzeit zu bieten hat. Einem kleinen Stromer zum Liebhaben, der mit großen staunenden Scheinwerferaugen ständig nach der nächsten Ladesäule Ausschau zu halten scheint. Aber gemach, die brauchen wir noch nicht auch wenn der Bordcomputer nach den ersten Hügeln der Voreifel irritierende Zahlen auswirft: Nach nur 15 Kilometern Autobahn wird nur noch eine Restreichweite von 120 Kilometern ausgeworfen.

Reisen nur mit leichtem Gepäck

Die Botschaft ist klar: Sorry, ich bin ein Stadtauto, kein Reisemobil. Auch wenn sich drei, vier Passagiere mit leichtem Gepäck (Rucksack mit Proviant und Fototasche) im Honda e durchaus kommod einrichten können. Sitze und Sitzbank sind bequem, an Knie und über dem Kopf gibt es ausreichend Freiheiten. Und der „Lounge“ genannte Innenraum ist mit einem wollartigen Mischgewebe, ein paar (Kunst-)Holzapplikationen sowie farbig abgestimmten Sicherheitsgurten recht wohnlich gestaltet. Die Vordersitze sind beheizt (was der Beifahrer schnell bemerkt, weil er mit dem linken Knie unbeabsichtigt immer wieder den Einschaltknopf betätigt) und serienmäßig sogar eine Lenkradheizung – wahrscheinlich zum Trost dafür, dass im Auto kein Platz mehr für eine Wärmepumpe war.

Auf Knopfdruck gibt es auf den großformatigen Infodisplays, die sich über die gesamte Breite des Armaturenträgers ziehen, sogar einen japanischen Bambuswald zu bestaunen. Oder eine pazifische Unterwasserwelt – manchmal ist die Ferne doch so nah. Im Honda e gilt das auch für den Blick in die Rückspiegel. Denn auch die sind volldigital und verklären manchmal die Wirklichkeit: Die Bilder, die von den beiden Außenkameras auf die hochauflösenden Bildschirme im Innenraum geworfen werden, lassen den nachfolgenden Verkehr je nach Lichteinfall manchmal etwas surreal erscheinen: heller, näher, in schärferen Konturen, irgendwie fremdartig. Erst recht, wenn auch der Innenspiegel „abgeblendet“ und zum Kamerasystem wird: Plötzlich ist der Passagier auf der Rücksitzbank weg.

Honda e in der Eifel
Raum ist in der kleinsten Hütte
Der 3,89 Meter lange Honda e sieht kleiner aus als er tatsächlich ist: Vier Passagiere und ein wenig Gepäck reisen damit durchaus bequem. Zumindest auf kurzen Strecken.

Ja, der Honda e bietet schon einen spektakulären Innenraum. Aber den hätten wir auch im Stand erkunden können. Nach der Eingewöhnung an die digitale Kunstwelt aber richten wir nun unsere Aufmerksamkeit lieber wieder auf das, was vor uns liegt. Auf die kurvenreichen Landstraßen und die Natur um uns herum. Latium hat unbestreitbar überaus reizvoll im Frühling. Aber auch die Eifel hat zu dieser Jahreszeit viel zu bieten. Sogar hie und da noch ein paar kleine Schneefelder auf den Höhen. Und von denen gibt es reichlich, je weiter man in die von Vulkanismus geprägte Landschaft vordringt. Die UNESCO, so lernen wir unterwegs anhand der Straßenschilder, hat den Naturpark zum Welterbe erklärt. Und auch Hinterlassenschaften der Römer gäbe es rechts und links des Weges reichlich zu besichtigen.

Ladesäulen in der Eifel noch Mangelware

Ja, die Eifel hat mehr zu bieten als nur den Nürburgring. Großartige Fernblicke, jede Menge Natur, aber auch nette Einkehrmöglichkeiten – die uns wegen der grassierenden Corona-Seuche aber leider versperrt blieben. So spärlich wie der Verkehr ist allerdings auch das Angebot an öffentlichen Lademöglichkeiten. Selbst an einem Zentralort wie Gerolstein, den wir zur Mittagszeit ansteuern, um frische Kräfte zu sammeln – für das Auto wie für die Insassen. Gegenüber der Zentrale der bekannten Brunnengesellschaft, unweit der berühmten (aber inzwischen offenbar ausgetrockneten Helenenquelle, hat Innogy zwar irgendwann eine Ladesäule aufgepflanzt – dann aber die Wartung vergessen.

Denn von den zwei Ladepunkten funktioniert nur noch einer – und das wohl schon länger. Das sorgt für eine kleine Diskussion mit dem Fahrer einer Renault Zoe aus der Region, der ebenfalls die Säule angesteuert hat. Freundlicher- und dankenswerterweise lässt er nach dem Abgleich der Ladestände beider Fahrzeuge uns aber den Vortritt: Während der Akku des Franzosen noch halbvoll ist, hat der Honda seine Energievorräte nach rund 100 Kilometern schon zu 90 Prozent aufgebraucht. Bis zum nächsten Ladepunkt für Elektroautos in Prüm könnte es für uns knapp werden.

Man kann es ja mal probieren
An der Ladesäule von Innogy in Gerolstein könnten theoretisch zwei Elektroautos Strom ziehen. Praktisch funktioniert allerdings nur ein Ladeanschluss. Ärgerlich.

Und so nutzen wir die Ladepause, um uns ein wenig in Gerolstein umzusehen. Unmittelbar neben der Ladesäule hat der Tourismusverband eine große Tafel mit den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung aufgestellt. Wir könnten demnach einem Mausefallenmuseum einen Besuch abstatten oder dem örtlichen Telefonmuseum. Auch die Überreste der römischen Villa Sarabodis warten auf eine Besichtigung. Wir hätten reichlich Zeit: die maximale Ladeleistung des Honda e an einem Wechselstrom beträgt maximal 7,4 kW. In vier Stunden und 30 Minuten, teilt uns der Bordcomputer mit, wäre der Akku wieder voll. Na, Mahlzeit.

Rom bei Birresborn liegt deutlich höher

Wir geben ihm eine Stunde und überarbeiten bei einem Döner Kebab aus einem nahegelegenen Imbiss die Ladestrategie. Denn unser Ziel Rom ist nicht mehr so fern. Und mit einem weiteren Zwischenstopp an einem Schnelllader in Daun sollte die Rückkehr in die Domstadt am Rhein gelingen, ohne eine Hilfs-Kohorte des ADAC anfordern zu müssen.

Damit ist wohl der Zeitpunkt gekommen, um das Rätsel aufzulösen. Natürlich sind wir nicht auf einer Reise in die Ewige Stadt. Die ist zu dem Zeitpunkt noch über 1300 Kilometer entfernt. So in drei, vier Tagen könnten wir da sein – wenn wir wollten und Zeit hätten. Aber warum sollte wir die Strapazen einer solchen Reise mit einem Auto auf uns nehmen? Für solche Strecken gibt es längst bessere Verkehrsmittel.

Und Rom in der Eifel, gelegen in der Gemeinde Birresborn im Landkreis Vulkaneifel, hat durchaus auch seine Reize. Weniger kulturhistorisch – der Ort, der im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, besteht heute nur noch aus einem etwas heruntergekommenen Bauernhof und einer Handvoll Einfamilienhäusern. Wer nicht aufpasst, ist aus dem Flecken schon wieder raus kaum dass er das Ortseingangsschild passiert hat. Da ist es gut, mit einem Auto unterwegs zu sein, das dank seines Heckantriebs beinahe auf der Stelle wenden kann.

Honda in Rom
Willkommen in Rom
Alle Wege führen angeblich nach Rom. Zum gleichnamigen Ort in der Eifel führt nur eine einzige Kreisstraße. Die ist immerhin erst kürzlich neu asphaltiert worden.

Die Reize von Rom in der Vulkaneifel sind mehr landschaftlich: Das Salmer Hügelland hat mehr Hügel aufzuweisen als nur die berühmten sieben am Tiber. Und höher liegt es obendrein – auf 537 Meter statt auf 37 Meter über dem Meeresspiegel. Das gibt reichlich Gelegenheit, sich am flotten Antrieb unseres immerhin 113 kW (154 PS) starken Elektroautos zu erfreuen sowie an der hervorragenden Straßenlage auf den gerade frisch erneuerten Asphaltpisten rund um Rom.

Bergab wächst die Reichweite

Auch gibt die Berg- und Talfahrt reichlich Gelegenheit, über die Wippen am Lenkrad durch Rekuperation zumindest phasenweise Energie zurückzugewinnen. Wer mag, kann das allerdings auch dem Fahrzeug selbst überlassen. Das Ergebnis ist ein durchschnittlicher Energieverbrauch um die 22 kWh pro 100 Kilometer, was Anbetracht der topographischen und klimatischen Bedingungen nicht zu viel erscheint – im Flachland und bei frühsommerlichen Temperaturen sollten leicht Verbrauchswerte um die 18 kWh/100km zu erreichen sein.

Aber natürlich ist und bleibt der Honda e ein Elektroauto, was seinem Hersteller ganz spitz als Stadtauto konzipiert wurde. Wer die nötige Muße hat, kann damit auch sehr gut das Umland erkunden und wird dort sicherlich wie auf unserer Tour eine Menge Aufsehen erregen: So etwas wie den Honda e hatte Rom vor unserem Eintreffen jedenfalls noch nicht gesehen, wie die fragenden Gesichter einiger Dorfbewohner zeigten, die bei unserer Einfahrt in den Ort spontan vor die Haustüre traten.

Wir sind deshalb auch nicht lange geblieben und haben nach einem halbstündigen Zwischenstopp am schnellen (50 kW DC!) „German Charge Lader“ am Parkhaus in Daun wieder die Heimreise nach Colonia angetreten.

Ne quid nimis! Halte Maß in allen Dingen, wussten schon die Römer.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.