2030 könnte jeder zweite Neuwagen in der EU ein Elektroauto sein, prognostiziert das Beratungshaus Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie. Und die zunehmende Zahl an E-Autos werde den Strombedarf exponentiell steigern – EU-weit von aktuell vier Milliarden auf 30 Milliarden Kilowattstunden (kWh) im Jahr 2025 und auf 86 Milliarden bis zum Jahr 2030. Und während der Verkauf von Ladestrom Unternehmen in der Europäischen Union nach Schätzungen von Boston Consulting derzeit rund 1,5 Milliarden Euro einbringt, könnten es im Jahr 2030 mehr als 33 Milliarden Euro sein – da zeichnet sich ein riesiger Markt mit großem Erlöspotenzial ab.

Heute nehmen die Elektroauto nur etwa 0,1 Prozent der gesamten
Stromproduktion in der EU aus. 2030 könnten es schon drei Prozent
sein. Die benötigte Strommenge sei kein Nadelöhr, es könnten aber lokale Engpässe zu Spitzenlastzeiten auftreten, etwa wenn etwa Anwohner eines Wohnviertels zur gleichen Zeit ihr Fahrzeug für den Wochenendtrip laden, warnt die Studie. Für solche Situationen seien stellenweise Verstärkungen
des Stromnetzes notwendig. Aber das sei leicht zu schaffen – die Chancen des Marktes seien größer als die Risiken von Versorgungsengpässen.

Timo Sillober von EnBW im Ladetalk Timo Sillober ist Chief Sales & Operations Officer bei der EnBW. In der Funktion leitet er auch den Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Wie gut. Denn da gäbe es einiges zu besprechen. Laden

Denn bei der Ladeinfrastruktur sagt die Studie ein enormes Wachstum voraus. Laut BCG wird die Zahl öffentlicher Ladepunkte in der EU von heute rund 200.000 auf 800.000 im Jahr 2025 wachsen. Für das Jahr 2030 wird ein Netz mit mehr als 1,8 Millionen Ladepunkten prognostiziert. Der größte Teil der Ladepunkte (1,3 Millionen) werde allerdings nur Wechselstrom mit geringer Leistung zur Verfügung stellen. Schnell- und Ultraschnelllader werden im Jahr 2030 nach der Studie nur an etwa 500.000 Punkten in Europa zur Verfügung stehen. Daraus ergäben sich große Chancen nicht nur für die Hersteller von Ladesäulen und stationären Stromspeichern, sondern auch für die Immobilien-, Bau- und Energiewirtschaft.

Öffentliches Laden gewinnt an Bedeutung

Denn Boston Consulting rechnet damit, dass 2030 zwischen 40 und 50 Prozent des Ladestroms aus öffentlichen Säulen kommen wird. Derzeit werden Elektroautos noch überwiegend an privaten Wallboxen in oder an den Garagen von Eigenheimbesitzern geladen. Zudem rechnen die Berater mit einem stark zunehmenden Wettbewerb unter den Ladepunktanbietern im öffentlichen Netz. In der derzeitigen Hochlaufphase würden noch die Geschäftsmodelle ausgelotet und getestet.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Insbesondere die Energiewirtschaft hat nach Einschätzung von Boston Consulting gute Chancen, sich hier neu zu positionieren. Sei es bei der Elektrifizierung von Firmenflotten, beim Bau von Photovoltaik-Anlagen auf Ladestationen und von Speichern an Windparks oder auch beim
Vertrieb von Wallboxen samt Energieverträgen an Privatkunden.

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