Elektroautos sind für viele Subaru-Fans noch Neuland, denn bisher machte sich der Autobauer aus Tokio nicht allein durch seinen Allradantrieb, sondern auch die charismatischen Boxermotoren einen Namen in der Autoszene. Nicht alle jubeln über die Elektroantriebe, doch auch die Subaru-Verantwortlichen haben mittlerweile verstanden, dass es nicht allein Bestandskunden richten werden und so ist der Solterra gedacht, um solche Interessenten zu locken, die bisher mit der Allradmarke kaum etwas zu tun hatten. Hier fällt auch weniger ins Gewicht, dass der Solterra an sich nicht mehr ist, als ein Toyota bZ4x im kaum modifizierten Subaru-Dress. Die sogenannte e-TNGA-Plattform stammt vom japanischen Großkonzern; den elektrischen Allradantrieb stimmte Subaru ab, an dem Toyota einen Anteil von 20 Prozent hält.
Der 4,69 Meter lange Subaru Solterra ist ein Familienauto, in dem vier Erwachsene gute Platzverhältnisse finden. Trotz des Radstandes von 2,85 Metern sollte man die Rückbank, angenehm mit Sitzheizung und zwei USB-Ports ausgestattet, nicht drei Personen zumuten – das wird schneller als erwartet unkommod. Lieber die Mittelarmlehne herunterklappen und den Kopf an die angenehm groß dimensionierten Kopfstützen anlehnen. So lässt es sich reisen. Vorne sind die Sitze gut ausgeformt und die elektrische Verstellung ist tadellos.

Mit der Schnelligkeit auf längeren Strecken hat es der Subaru ohnehin nicht, denn aufgrund der Toyota-Plattform e-TNGA ist auch die maximale Ladeleistung an einem Hypercharger mit 150 kW zu wenig. Fotos: Subaru
Die Platinum-Variante verwöhnt die Insassen zudem mit klimatisierten Lederstühlen vorn; verzichtet jedoch auf eine Massagefunktion. Die Bedienung des Subaru Solterra kann speziell für den Fahrer kaum überzeugen. Das kleine Lenkrad ist zu tief positioniert und gibt den Blick frei auf Instrumente, die irgendetwas zwischen Head-Up-Display und normalen Anzeigen sein sollen. Da hilft es auch nicht, dass das Steuer übersäht ist mit einer Vielzahl von Tastern – das können andere ebenso besser wie die Materialanmutung, denn viele Oberflächen sind mit hartem Kunststoff überzeugen, der nicht in diese Fahrzeugklasse passen will.
Serienmäßig mit Panoramadach
Solide Noten gibt es dagegen für den 14 Zoll großen Zentralbildschirm, der per Finger oder Sprache durch die einzelnen Funktionen führt. Dass bei schönem Wetter durch das serienmäßige Panoramadach viel Licht in den Innenraum kommt, gefällt ebenso wie die elektrische Sonnenblende, durch das sich die Luke bei schlechtem Wetter oder starker Einstrahlung verschatten lässt. Viele Wettbewerber verzichten mittlerweile auf diese sinnvolle Jalousie.

Trotz des Radstandes von 2,85 Metern sollte man die Rückbank, angenehm mit Sitzheizung und zwei USB-Ports ausgestattet, nicht drei Personen zumuten – das wird schneller als erwartet unkommod. Lieber die Mittelarmlehne herunterklappen und den Kopf an die angenehm groß dimensionierten Kopfstützen anlehnen.
Das gute Platzangebot im Innern setzt sich nur eingeschränkt im Gepäckabteil fort, denn hinter der sich mitteilungsfreudig per Piepton öffnenden Heckklappe, lassen sich gerade einmal 452 Liter nutzen. Falls das nicht reichen sollte, einfach mit zwei Handgriffen die Rücksitze umlegen und den Platz für größere Gegenstände erweitern, während eine 220-Volt-Steckdose Verbraucher aller Art versteckt mit Energie versorgt. Die Zuglast ist mit 1.500 Kilogramm überschaubar für einen Allradler.
Entspannter Cruiser für wenigstens 52.990 Euro
Angetrieben wird der Subaru Solterra von zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, die gemeinsam stattliche 252 kW / 343 PS und 268 Nm Drehmoment leisten. Der Antritt passt in allen der drei Fahrmodi und die Elektromotoren sprechen betont stimmig auf die Gaspedalbefehle an. Praktisch sind die Schaltpedale am Lenkrad, mit denen sich die Rekuperation in verschiedenen Stufen einstellen lässt – insbesondere bei flotter Kurvenfahrt. Doch nicht allein für ein Mittelklassemodelle dieser Leistungs- und Preisklasse ist eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zu wenig. Darüber täuscht auch das gute Spurtpotenzial 0 auf Tempo 100 in 5,1 Sekunden nicht hinweg, denn für lange Autobahnpassagen ist die große Motorleistung weitgehend überflüssig.
Mit der Schnelligkeit auf längeren Strecken hat es der Subaru ohnehin nicht, denn aufgrund der Toyota-Plattform e-TNGA ist auch die maximale Ladeleistung an einem Hypercharger mit 150 kW zu wenig. Die Konkurrenz tankt bereits mit 300, 350 oder sogar mehr als 400 kW nach. Zusammen mit dem gerade einmal 73 kWh großen Batteriepaket im Unterboden und einem Normverbrauch von 15,8 kWh / 100 km reicht das für maximal 470 Kilometern – nicht viel für ein luxuriöses Familienauto, das mindestens 52.990 Euro kostet.
So präsentiert sich der Subaru Solterra 73 AWD als entspannter Cruiser, der viel Komfort und eine gute Serienausstattung für faires Geld bietet – jedoch ist der baugleiche Toyota bZ4x rund 2.000 Euro günstiger. Doch es fehlt am gewissen Etwas und mehr denn je am bekannten Subaru-Charme. Darüber können auch das ausgewogene Fahrwerk, eine gut abgestimmte Unterstützung der Lenkung oder eine Bodenfreiheit von mehr als 21 Zentimetern nicht hinwegtäuschen.