Airbags? Gibt es noch nicht. ESP? Wer braucht denn so etwas? Immerhin hat der Suda SA 01 serienmäßig ein Antiblockiersystem, eine Servolenkung und Dreipunktgurte auf allen Sitzen. Es gibt eine Zentralverriegelung, eine Einparkhilfe, ein Radio und eine Klimaanlage. Über eine Taste im Multifunktionslenkrad lässt sich sogar eine Sprachsteuerung aktivieren.

Über das Design der kompakten Stufenheck-Limousine aus China mag man sich streiten, das viele Hartplastik im Innenraum schreckt beim Erstkontakt ein wenig. Aber Lada und Dacia können es auch nicht viel besser. Dafür sitzt man trocken und rollt einigermaßen komfortabel und spurtreu über die Straße. Vor allem aber kann man sicher sein, auch dann noch in die City zu kommen, wenn Kommunalpolitiker eines Tages auch hierzulande entscheiden sollten, aus Gründen des Lärmschutzes und zur Verbesserung der Luftqualität Fahrzeuge mit Verbrennungskraftmaschinen auszusperren. Denn der 4,42 Meter lange Suda SA 01 ist ein Elektroauto.

Nur halb so teuer wie ein Honda e

Angetrieben von einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor und gefüttert von einer Hochvolt-Batterie mit einer Speicherkapazität von 39,5 Kilowattstunden (kWh) rollt der kompakte Stromer bis zu 210 Kilometer weit ohne Ladestopp. Danach muss er an einer Wallbox einphasig Wechselstrom nuckeln oder an eine Schnelllade-Säule: Ein CCS-Anschluss ist serienmäßig an Bord, der aktuell allerdings nur eine Ladeleistung von 22 kW erlaubt.

Die geringe Reichweite mag für den einen oder anderen Interessenten ein Manko sein. Aber der BMW i3 der ersten Generation war in der Disziplin auch nicht besser. Der nagelneue Honda kommt exakt auf die gleiche Reichweite – und der japanische Hersteller spricht von „Rightsizing“.

Große Klappe
Im stilisierten Kühlergrill verstecken sich die Ladeanschlüsse des Suda SA01. Wechselstrom kann hier einphasig mit 3,7 kW gezogen werden. Die maximale Ladeleistung über den CCS-Schnelllade-Stecker beträgt aktuell 22 kW, ab Januar 50 kW. Foto: EDISON

Aber während sich diese beiden Modelle in Preisregionen deutlich jenseits von 30.000 Euro bewegen, kostet der Suda etwa nur die Hälfte. Exakt 18.990 Euro ruft der deutsche Vertriebspartner, Frank Rotter von Auto SL in Neuss, für den China-(Preis-)Kracher auf. Abzüglich Umweltbonus und Innovationsprämie reduziert sich der Preis auf 9.990 Euro: Günstiger kommt man derzeit nicht an ein nagelneues Elektroauto. Inklusive drei Jahre Garantie auf das Fahrzeug und 96 Monate auf die Batterie.

„Da ist mancher Motorroller schon teurer“, staunt selbst Autohändler Rotter, der früher mit Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern handelt, heute auch historische Sportwagen im Angebot hat. Und bei dem Kaufpreis könne man den Wertverlust leicht verschmerzen.

Erste Charge landete in Duisburg

Kein Wunder, dass die ersten Exemplare des Suda SA 01 eine Woche nach der Markteinführung Mitte November schon verkauft sind. Obwohl die Marke in Deutschland noch völlig unbekannt ist und obwohl der chinesische Hersteller noch keinerlei Werbung betrieben hat. Der Vorlauf war extrem kurz: Als im Sommer 200 Exemplare des Elektroautos im Duisburger Hafen angelandet wurden, wusste Autohändler Rotter noch nichts von seinem Glück. Erst ein Youtube-Video machte ihn auf Marke und Modell aufmerksam. Es zeigte ein Fahrzeug am neuen Ladepark für Elektroautos in Hilden bei Düsseldorf.

Geordert hatte die 200 Autos Jian Guo, der 49-jährige Vorsitzende des Vereins für Deutsch-Chinesischen Kulturaustausch für Kunst und Design, der in Schloss Elbroich in Düsseldorf residiert. Jian Guo sitzt auch im Organisationsausschuss des Projekts „Blauer Container“ auf der Neuen Seidenstraße, das wiederum von der „Henan Suda Electric Vehicle Technology Company“ aus der zentralchinesischen Stadt Sanmenxia gesponsert wird – dem Hersteller jenes E-Mobils.

Keine Experimente
Ganz konventionell gibt sich das Elektroauto bei Interieur-Design und Bedienung. In der Mittelkonsole gibt es immerhin einen Touchscreen. Und über eine Taste im Lenkrad lässt sich sogar eine Sprachbedienung aktivieren. Das Material ist von robuster Güte.

Wie Jian Guo im Gespräch mit EDISON nach einer Testfahrt mit einem limonadengelben Suda ausführt, ist der Import von 200 Autos vom Typ SA 01 (das S steht für Suda, das A für das Fahrzeug-Segment) nur der Anfang. Das 2010 gegründete Unternehmen, das aus einem Logistikkonzern hervorging, habe sich gegenüber der chinesischen Regierung zu einer Jahresproduktion von wenigstens 100.000 Elektroautos verpflichtet – ein nicht geringer Teil davon soll in den Export nach Europa gehen. Deutschland soll dabei das Drehkreuz für Verkäufe nach Italien, Norwegen, auch in die Ukraine sein.

Autofabrik auch in Deutschland geplant

Möglicherweise werde man auch in Deutschland eine kleine Fahrzeugproduktion aufziehen. In Bottrop habe man dazu schon ein erstes Vorgespräch mit Brabus geführt, erzählt Jian Guo. Laut Brabus-Sprecher Sven Gramm hat sich dieses aber nur auf einen kurzen Austausch bei einem Empfang im Bottroper Rathaus beschränkt, wo : Noch gebe es keine konkreten Pläne, geschweige denn Vereinbarungen über eine Fahrzeugmontage.

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Autofabrik von Suda in Sanmenxia

In der zentralchinesischen Provinz Henan hat das junge Unternehmen einen riesigen Fertigungskomplex samt Einfahrstrecke hochgezogen. Wenigstens 100.000 Fahrzeuge sollen hier jährlich gebaut werden. Foto: Suda

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Suda SD 00

Als Stadtwagen konzipiert ist der kleine Viertürer, der ebenfalls noch 2021 auf den Markt kommen soll. Die Reichweite beträgt deshalb wie beim Smart Forfour auch nur rund 200 Kilometer. Foto: Suda

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Suda SA 02

Der kompakte, gut vier Meter lange SUV erinnert ein wenig an den Suzuki SX-4 – des Modelljahres 2012. Mit Elektroantrieb soll er bis zu 350 Kilometer ohne Ladestopp rollen. Foto: Suda

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Suda SV 01

Der Elektro-SUV von 4,71 Metern Länge und einer Reichweite von 500 Kilometer soll im kommendem Jahr unter anderem mit dem Skoda Enyaq in Wettbewerb treten. Auf den Preis darf man gespannt sein. Foto: Suda

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Suda SC01

Das Design erinnert ein wenig an VW Passat und Skoda Superb. In China soll die 4,78 Meter lange Elektro-Limousine noch in diesem Jahr an den Start gehen – mit einer Reichweite von 500 Kilometern.

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Suda SV 02

Mit einer Länge von fünf Metern und einer Reichweite von 700 Kilometern könnte der Shooting Brake dem Audi e-tron Sportback und dem Jaguar i-Pace in die Quere kommen. Foto: Suda

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Suda SS01

Die 4,76 Meter lange Sportlimousine wird Ende kommenden Jahres als Topmodell auf den Markt gebracht. Mit einer Akkuladung soll das Elektroauto bis zu 700 Kilometer weit kommen. Foto: Suda

Konkreter sind da schon die Pläne von Suda für den Ausbau der Modellpalette. In China bietet Suda auf der SA-Plattform bereits verschiedene Fahrzeugvarianten an, neben der Stufenheck auch eine Schrägheck-Version sowie ein SUV. In den kommenden zwei Jahren sollen auf zwei größeren Plattformen weitere elektrische Modellreihen folgen – kompakte und Mittelklasse-SUVs, auch eine Mittelklasse-Limousine nach dem Vorbild des VW Passat. Eine Firmenpräsentation zeigt auch einen Kleinwagen im Smart-Format – sowie eine elegante Sportlimousine von knapp fünf Metern Länge. Das SS01 genannte Fahrzeug soll über eine Reichweite von 700 Kilometern kommen.

Und natürlich wird das Topmodell – wie die anderen Modelle auch – mit Airbags ausgestattet sein: Irgendwann erwartet man die schon. Der SA01 werde die Luftsäcke schon im Januar bekommen, versichert Marken-Repräsentant Jian Guo. Bis dahin hofft er auch Verträge mit einem zweiten Suda-Händler in Hannover sowie mit Euromaster abgeschlossen zu haben – die Michelin-Tochter soll sich um den Service für die Suda-Fahrzeuge kümmern und auch Garantie-Fälle abwickeln.

Viel Arbeit wird es da beim SA 01 nicht geben, schätzt Suda-Händler Rotter: „Wenn die Batterie kaputt gehen sollte, wird wahrscheinlich das ganze Auto ausgetauscht.“ Alles andere würde sich wohl auch nicht rechnen.

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8 Kommentare

  1. Avatar

    Autos ohne Airbag und ESP sind doch in Europa gar nicht mehr (Serien-)Zulassungsfähig. Wie macht Suda das? Einzelabnahme? Als Quad kann Suda ja auch nicht zulassen, weil es für Quads keine E-Auto-Prämie gibt (daher ist auch der Renault Twizzy außen vor).

    Der Preis wirkt mir für ein nicht sonderlich ausgereiftes Fahrzeug mit vermutlich relativ kurzer Nutzungszeit (Elektronik, Rost…) doch ziemlich teuer.

    Für 12.000 € nach Prämie bekommt man einen E-UP (wenn man ihn bekommt), für 14.000 € ab Januar den Fiat 500e. Natürlich erheblich mehr Geld, aber 2000 € fließen auch schnell mal in eine Reparatur. Und auf den China-Reifen sollte man auch keinen Meter fahren (Erfahrung China-Roller).

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  2. Avatar

    Jetzt ist bei meinem Suda SA01 auch Systemfehler /Kraftstoffsystemfehler.

    Ich habe beim Fahren (25.11.2020) die Heizung eingeschalten und hat auch gut funktioniert, hatte aber den Eindruck das die Heizung immer auf Volllast heizt, egal welche Einstellung man an Temperaturdrehknopf im „roten Bereich“ einstellt.

    Nach einiger Fahrzeit habe ich etwas an Geruch vernommen so in der Richtung „Verbrennung“ habe aber gedacht das ein Fahrzeug oder LKW der in der Kolonne vorausfährt etwas unsauber den Kraftstoff verbrennt.
    Auch ist komisch das die Heizung, wenn man die einschaltet auf 100% läuft und man die nicht regeln kann als das Fahrzeug noch gefahren ist so eine Wahrnehmung.

    Als ich heut Morgen (26.11.2020) den SAUDA wieder starten wollte sind die Fehler gekommen.

    Herr XXX hat ja auch so einen Fehler der im Zusammenhangen mit der Benutzung der Heizung aufgetreten ist.
    Irgendwie ist die Heizung die Ursache der Fehlermeldung oder dass man die elektrische Heizleistung nicht Regeln kann so meine Einschätzung.

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    • Franz W. Rother

      Kraftstoffsystemfehler ist gut 😉 Du hast einen Suda gekauft? Würde gerne mehr über den Alltag mit dem Auto erfahren.

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        „Würde gerne mehr über den Alltag mit dem Auto erfahren.“

        Habe den Suda erst 2 Tage im Einsatz, ab den 26.11.2020 steht das Teil.

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        • Franz W. Rother

          Klingt nicht unbedingt nach Fahrspaß 😉

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  3. Avatar

    erinnert mich an das Projekt Tata Nano

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    • Franz W. Rother

      Nur dass es dieses Auto bereits zu kaufen gibt – auch bei uns

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        Das ist richtig. Den Tata Nano konnte man auch irgendwo kaufen aber selbst dort war es ein Flopp.

        Ich bin zwar ein Smart-Shopper aber billig alleine genügt nicht. Oder .. mit anderen Worten: wer billig kauft – kauft manchmal 3x

        Ich habe 1x im Leben einen Fiat gekauft. EIN MAL. Ich dachte, dass er schön billig wäre. Getäuscht. Es war das teuerste Auto in meinem Leben.

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