Weiter im Text. Auch die adaptive, also situationsgesteuerte Luftfederung und die elektronische Dämpferregelung zählen zur Standardausstattung des neuen Cross Turismo. Wichtig, denn mit Hilfe dieser Luftfederung erfüllt er Porsches Werbeversprechen, sich auch wunderbar „auf anspruchsvollen Strecken abseits befestigter Straßen“ fahren lassen. Und das funktioniert mit der Aktivierung des serienmäßigen Fahrprogramms »Gravel Mode« (ein Klick auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole), das alle Systeme sofort auf verfeinerte Traktion trimmt und mit einem weiteren Zentimeter Bodenfreiheit (nun 156 Millimeter) noch besser fürs Durchkommen sorgt. Einsetzbar bis Tempo 130.

Cross Turismo nur 1500 Euro teurer als Limousine

So, und mit der Smart-Lift-Funktion (Button hinterm Lenkrad touchen) lässt sich der Porsche für alle dicken Wurzeln, Felsbrocken und bösen Tiefgaragen-Einfahrten nun noch mal zwei Zentimeter höher pumpen. Beinahe vergessen: Wer optisch noch ein bisschen dicker auftragen möchte, bekommt gegen 1642 Euro das Off-Road-Paket, das unter anderem mit diversen speziellen Kunststoff-Flaps daherkommt, die das Auto unserer Meinung nach aber eher verunzieren.

Wäre noch grundsätzlich zu bemerken, dass es diesen Cross Turismo in vier Leistungsversionen gibt, die in allen Fällen mit der „Performance-Batterie Plus“ ausgerüstet sind, die mit einer Brutto-Kapazität von 93,4 kWh eine Reichweite zwischen 388 und 452 Kilometern (klar, schöne Laborwerte) offerieren soll. Und nun der Reihe nach: Einstiegsmodell ist der mindestens 93.635 Euro teure Taycan 4 Cross Turismo mit 280 kW (380 PS), die sich im Overboost bei einem Launch Control-Blitzstart blitzartig auf 350 kW (476 PS) schwingen. Die dazugehörigen Stammtischwerte: Tempo Hundert in 5,1 Sekunden, Spitze bei 220 km/h. Und der Aufpreis zur Limousine (da hatten die knausrigen Schwaben wohl einen schwachen Tag) ist mit 1500 Euro für Porsche-Verhältnisse ungewöhnlich bescheiden.

Leistung für 26 Beschleunigungsrennen

Der stärkere und bis zu 240 km/h schnelle 4S kann’s mit 360 kW, der Turbo (die alten Verbrenner-Bezeichnungen lassen grüßen) mit 460 kW. Und der froschgrüne Turbo S für fette 187.764 Euro, mit dem wir seit einigen Minuten unterwegs sind, ballert mit herzlichen 460 kW (625 PS, im Overboost 761 PS). Soll in verrückten 2,9 Sekunden auf Hundert rauschen, ein ganz bisschen später auf Tempo 200. Dabei hilft das an der Hinterachse verbaute Zweigang-Getriebe, dass es in dieser Form nur bei Porsche gibt.

Diese Speed-Show soll bei Bedarf 26 mal hintereinander funktionieren, schwören sie bei Porsche. Das haben die Zuffenhausener nämlich schon 2019 mit der Limousine auf einem Flugplatz im südbadischen Lahr getestet. Da lag die Differenz zwischen dem schnellsten und langsamsten Versuch bei lächerlichen 0,8 Sekunden. Klingt natürlich super bombastisch, auch wenn das kein Mensch braucht. Und zielt ein bisschen gegen das Spielverderber-Model S von Tesla, das in der Plaid-Version nur wahnwitzige 2,1 Sekunden bis Hundert brauchen soll. Der Ami könne das aber nicht annähernd so oft und schwächle da zunehmend, verraten die Zuffenhausener hinter vorgehaltener Hand. „Der Tesla ist eben thermisch nicht so stabil.“ Nein, bitte nicht namentlich zitieren.

Effizienter Energieeinsatz 
Trotz forscher Fahrweise konsumiert der 460 kW (625 PS) starke Porsche Taycan Turbo S auf der Testfahrt im Schnitt nicht einmal 26 Kilowattstunden - das entspricht etwa einem Verbrauch von fünf Litern Benzin auf 100 Kilometern.
Effizienter Energieeinsatz
Bei relaxter Fahrweise konsumiert der 460 kW (625 PS) starke Porsche Taycan Turbo S auf der Testfahrt im Schnitt 26 Kilowattstunden – das entspricht etwa einem Verbrauch von fünf Litern Benzin auf 100 Kilometern.

Überhaupt: Auf asphaltierten Pisten fährt sich der wilde Kombi, mal abgesehen von der leicht höheren Sitzposition, tatsächlich wie jeder richtige Porsche. Kann cool cruisen, kann es aber auch extrem aufregend und zackig. Ein Perfektionist. Ist fast immer besser als sein Fahrer (ja, das hatten wir irgendwie schon), ohne ihn zu erschrecken. Haben wir in den unzähligen Kurven der Teststrecke ständig getestet (wir hätten nicht neben uns sitzen wollen). Wusch, immer zentimetergenau auf der Ideallinie. Okay, alles andere hätte uns auch sehr gewundert. Dankeschön und beste Grüße an die beteiligten Fahrwerksprofis der Zuffenhausener.

Der Turbo ist tot, es lebe der Turbo: Porsche startet die Aufholjagd auf Tesla mit einem Elektro-Sportler der Luxusklasse. Der lässt nur einen Wunsch übrig. Impressionen einer Testfahrt durch die Alpen. Elektroauto

Erstaunlich niedriger Stromverbrauch

Die meiste Zeit sind wir, weil wir es nach einigen heftigen Sprints auf der Autobahn und in den Bergen nicht mehr übertrieben eilig haben, hauptsächlich im komfortablen Normal-Mode unterwegs, kurzzeitig aber auch mal wieder in den härteren Sport- und Sport Plus-Fahrprogrammen. Im letzteren bleibt das Fahrwerk übrigens dauerhaft in der tiefsten Stellung (minus 22 Millimeter). Und bei dieser Gelegenheit aktivieren wir auch den »Electric Sport Sound«, der uns bassig und spacig das „Porsche-typische Klangerlebnis“ (Werbezitat) aufführt. Wirklich ganz nett, aber höchstens für eine halbe Stunde, zumal der normale E-Sound des Cross Turismo die Ohren ausreichend prickelt. Und uns hier selbst bei hoher Geschwindigkeit keine Wind- und Abrollgeräusche stören.

Wie es denn mit dem Stromverbrauch aussieht? Knapp 320 Kilometer Reichweite zeigt uns der Bordcomputer beim Start, die Batterie ist zu 97 Prozent gefüllt. Unterwegs schwankt der Verbrauch zwischen 32 und 24,5 kWh. Am Ende des Tests landen wir bei einem Schnitt von lediglich 25,9 kWh, weil wir eben mehr den friedlich-ökonomischem Stil bevorzugten. Die starke Rekuperation des Cross Turismo, Porsche spricht von bis zu 290 kW, war übrigens permanent eingeschaltet.

Zweimal vollladen bitte 
Mit bis zu 260 kW nimmt der Taycan Cross Turismo am HighPowerCharger Strom aus, am AC-Lader beträgt die maximale Ladeleistung serienmäßig 11, gegen Aufpreis 22 kW.
Zweimal vollladen bitte
Mit bis zu 260 kW nimmt der Taycan Cross Turismo am HighPowerCharger Strom aus, am AC-Lader beträgt die maximale Ladeleistung serienmäßig 11, gegen Aufpreis 22 kW.

Laden mussten wir deshalb unterwegs nicht, aber das dürfte genauso rasant wie in der Limousine funktionieren, weil auch der Cross Turismo von Porsches 800-Volt-Architektur profitiert. Maximale DC-Ladeleistung: 260 kW. Ergo soll ein leerer Akku hier idealerweise in 22,5 Minuten zu 80 Prozent gefüllt sein. Holt in fünf Minuten auch fix mal Energie für 100 Kilometer. Vorausgesetzt, die Temperaturen oder jeweiligen Ladesäulen spielen hundertprozentig mit (da haben wir ja schon so einiges erlebt). Logisch, zu Hause geht’s serienmäßig per Wechselstrom und 11 kW, gegen 1666 Euro Aufpreis offeriert Porsche auch ein Onboard-Ladegerät mit 22 kW. Plug & Charge? Kann er auch. Geht bekanntermaßen so: Sobald das Ladekabel eingerastet ist, redet der Taycan verschlüsselt mit der Plug & Charge-fähigen Ladestation — Laden und Bezahlen (Kontoabuchung) starten automatisch.

Im dritten Teil erfahren Sie, wie sich der Cross Turismo im Gelände schlägt.

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