Tesla hat am Wochenende mit dem lang erwarteten Praxistest seiner Robotaxis begonnen. In Austin, Texas, verkehren seit Sonntag zehn umgerüstete Model-Y-Fahrzeuge durch den Stadtteil South Congress – fahrerlos, aber nicht unbeaufsichtigt. Auf dem Beifahrersitz sitzt jeweils ein sogenannter Sicherheitsüberwacher, der im Ernstfall eingreifen kann. Die Fahrten kosten pauschal 4,20 Dollar. Das Angebot richtet sich derzeit ausschließlich an Erwachsene – Minderjährige werden aus Sicherheitsgründen nicht befördert. Auch schlechtes Wetter und besonders komplexe Kreuzungen sollen die Fahrzeuge meiden.

Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete den Start auf seiner Plattform X als „den Beginn einer neuen Ära“. Es sei das Ergebnis von zehn Jahren Entwicklungsarbeit – und der erste Schritt hin zu einem vollautonomen Mobilitätsdienst. Das Besondere: Tesla verzichtet bei seinen Robotaxis auf Lidar- und Radarsysteme und setzt stattdessen ausschließlich auf Kameras und eine selbst entwickelte KI-Software. Das sei sicherer, günstiger und besser skalierbar, argumentiert Musk.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Gleichzeitig tritt in Texas in wenigen Wochen ein neues Gesetz in Kraft, das klare Regeln für autonome Fahrzeuge vorgibt. Ab dem 1. September benötigen Anbieter wie Tesla eine staatliche Genehmigung, um fahrerlose Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen einsetzen zu dürfen. Das neue Regelwerk verlangt unter anderem Informationen darüber, wie sich Polizei und Rettungskräfte im Ernstfall verhalten sollen. Auch erlaubt es den Behörden, Genehmigungen zu entziehen, wenn Risiken für die Öffentlichkeit bestehen. Im Vergleich zu den strengen Vorgaben für Robotaxen etwa in Kalifornien gelten die Auflagen in Texas jedoch als moderat.

Waymo ist schon weiter

Trotz aller Euphorie in des Tesla-Community warnen Fachleute vor überzogenen Erwartungen. Experten wie Philip Koopman von der Carnegie Mellon University weisen darauf hin, dass Tesla mit seinem Ansatz technologisch noch hinter etablierten Robotaxi-Anbietern wie Waymo oder Zoox liegt. Waymo hat in San Francisco mit über 1.500 umgebauten Elektroautos vom Typ Jaguar iPace inzwischen mehr als 250.000 Passagiere befördert. Auch das Startprojekt in Austin sei bislang eher ein symbolischer Schritt, der nur unter stark eingeschränkten Bedingungen funktioniere.

Marktreife Zukunftstechnologie 
Mit insgesamt 27 Sensoren, darunter 13 Kameras, neun LiDAR und fünf Radare, erzeugt der ID. Buzz AD ein umfassendes, redundantes 360-Grad-Bild seiner Umgebung. Erste Einsätze sind in Hamburg und bei Uber in Los Angeles geplant. Foto: MOIA
Marktreife Zukunftstechnologie
Mit insgesamt 27 Sensoren, darunter 13 Kameras, neun LiDAR und fünf Radare, erzeugt der ID. Buzz AD ein umfassendes, redundantes 360-Grad-Bild seiner Umgebung. Erste Einsätze sind in Hamburg und bei Uber in Los Angeles geplant. Foto: MOIA

Einen deutlich anderen Weg geht unterdessen Volkswagen. Der deutsche Konzern hat vergangene Woche in Hamburg sein erstes serienreifes Robotaxi vorgestellt – den ID. Buzz AD. Im Gegensatz zu Tesla richtet sich das Angebot nicht an Endkunden, sondern an Flottenbetreiber und Mobilitätsdienstleister. Das Fahrzeug wird als schlüsselfertige Komplettlösung angeboten, inklusive Software, Buchungs-App, Wartungspaket und technischer Unterstützung.

VW ID.Buzz für Verkehrsbetriebe

Geplant ist der Einsatz ab Ende 2026 – sowohl in Europa als auch in den USA. In den Vereinigten Staaten hat Volkswagen bereits einen Großauftrag von Uber erhalten: 10.000 autonome ID. Buzz AD sollen dort künftig Passagiere befördern. Auch in Europa will VW mit kommunalen Verkehrsverbünden zusammenarbeiten und so die urbane Mobilität neu gestalten.

Während Tesla noch einzelne Fahrzeuge auf abgesperrten Teststrecken oder in begrenzten Stadtteilen fahren lässt, setzt Volkswagen auf eine skalierbare Serienproduktion. Der ID. Buzz AD basiert auf einem Lidar-gestützten System von Mobileye mit 27 Sensoren und erfüllt bereits die Anforderungen des SAE Level 4 für vollautonomes Fahren. Produziert wird das Robotaxi in Hannover.

Wettlauf hat begonnen

So unterschiedlich die Ansätze auch sind – gemeinsam ist beiden Unternehmen die Überzeugung, dass fahrerlose Fahrzeuge ein zentraler Bestandteil der Mobilität der Zukunft sein werden. Tesla will den Markt mit günstigen Endkundentarifen und KI-Software aufrollen, Volkswagen hingegen mit verlässlicher Technik und einem klaren B2B-Fokus punkten.

Ob sich am Ende das kamerabasierte System aus Austin oder das auf Sensorfusion ausgelegte Konzept aus Wolfsburg durchsetzt, bleibt offen. Klar ist aber schon jetzt: Der Wettlauf um das Robotaxi der Zukunft hat begonnen – und Europa ist diesmal nicht bloß Zuschauer.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert