Es muss nicht immer ein Elektroauto sein. Wer in der Großstadt lebt, kommt meistens auch gut mit einem Fahrrad zur Arbeit. An schönen Tagen ist das eine feine Sache, die Entwicklung der Benzinpreise muss einen ebenso wenig interessieren wie die Suche nach einem Parkplatz. Nur an regnerischen Tagen kann es ungemütlich werden. Ein Hamburger Startup hat sich für diese Fälle ein E-Bike mit Wetterschutz einfallen lassen, mit drei Rädern und elektrischer Trittunterstützung.
Ein Pedelec im Auto-Gewand
Das 2,12 Meter lange und 1,50 Meter hohe Vehikel hört auf den Namen Hopper und schließt geschickt die Lücke zwischen herkömmlichem Drahtesel und kompaktem E-Auto. Rein rechtlich handelt es sich bei dem Dreirad um ein Pedelec: Der Radnabenmotor im Hinterrad leistet 250 Watt im Dauerbetrieb und greift dem Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h elektrisch unter die Arme. Das bedeutet im Klartext: Kein Führerschein, keine Helmpflicht, keine Versicherungskennzeichen – und vor allem freie Fahrt auf dem Radweg, vorbei am morgendlichen Stau der Innenstädte.

Der 250 Watt starke Radnabenmotor im Hinterrad unterstützt den Fahrer nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Das bedeutet im Klartext: Kein Führerschein, keine Helmpflicht, keine Versicherungskennzeichen – und freie Fahrt auf dem Radweg, Fotos: Hopper
Technisch geht das Startup dabei eigene Wege. Anstelle einer klassischen Kette setzt der 140 Kilogramm schwere Hopper auf ein modernes „Pedal-by-Wire“-System. Die Tretkraft wird elektronisch an einen 250 Watt starken Heinzmann-Motor übertragen, was den Wartungsaufwand minimiert. Durch die 90-Grad-Hinterradlenkung bleibt das rund 150 Kilogramm schwere Gefährt extrem wendig; der Wendekreis liegt bei unter zwei Metern.
Eine Besonderheit ist auch das Bremssystem: Verzögert wird hauptsächlich über einen Ring, der sich hinter dem Lenkrad versteckt und entsprechend leicht zu erreichen ist. Durch Treten eines Pedals im Fußraum kann zusätzlich die Scheibenbremse am Hinterrad betätigt werden. Obendrein gibt es noch eine Parkbremse.
Zwei Varianten für den urbanen Alltag
Die auffällige Kabine schützt zuverlässig vor Wind und Wetter. Für die Wintermonate gibt es sogar eine Scheibenheizung. Der 1440 Wattstunden fassende Lithium-Ionen-Akku (mit LKFP-Zellen) kann Laden an einer Haushaltssteckdose in der Etagenwohnung entnommen werden.

Der Passenger Hopper verfügt im Heck über einen abschließbaren Kofferraum, der alltagstaugliche 125 Liter fasst.
Angeboten wird der Hopper in fünf Farben und zwei Ausführungen, die jeweils auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 300 Kilogramm ausgelegt sind.
- Der Hopper Passenger bietet Platz für eine erwachsene Person vorn und wahlweise einen weiteren Erwachsenen oder zwei Kinder auf der Rückbank. Der Kofferraum fasst hier alltagstaugliche 125 Liter.
- Der Hopper Cargo verzichtet auf die Rückbank und punktet stattdessen mit einem 285 Liter großen Ladeabteil – das schluckt problemlos den großen Wocheneinkauf samt Getränkekisten oder die Ausrüstung von Handwerkern.
Die Reichweite liegt je nach Batteriekonfiguration bei etwa 60 Kilometern. Wer längere Fahrten plant, kann einen handlichen zweiten Austausch-Akku (Aufpreis: 1790 Euro) im Kofferraum mitführen.
Xyte Mobility spielt in einer anderen Liga
Die Idee, Zweirad-Flexibilität mit Auto-Sicherheit und Wetterschutz zu kreuzen, treibt aktuell auch andere Entwickler um. Ein spannender Konkurrent – wenngleich in einer deutlich höheren Leistungs- und Preisklasse – ist das Münchner Startup Xyte Mobility.
Mit dem Xyte One fordern ehemalige BMW-Manager ihren alten Arbeitgeber heraus. Anders als der Hopper ist der Xyte One allerdings kein Fahrrad für den Radweg, sondern ein vollwertiger, robuster Dreiradroller. Er beschleunigt mit seinem 19-kW-Elektromotor auf bis zu 100 km/h und positioniert sich mit einer Reichweite von gut 100 Kilometern primär als Pendler-Alternative für das Umland.

Ehemalige BMW-Manager unter Führung von Wolfgang Ziebart (Mitte) haben Xyte Mobility 2025 gegründet, um den Stadtverkehr zu revolutionieren. In diesem Jahr schon geht der dreirädrige Kabinenroller Xyte One in den Verkauf. Foto: Amelie Niederbuchner
Beide Konzepte vereint der Anspruch an Sicherheit und Komfort, ohne auf eine massige Karosserie zurückzugreifen. Beim Xyte One sorgt ein Aluminium-Space-Frame samt Gurtsystem dafür, dass man ihn legal mit dem normalen Pkw-Führerschein und ganz ohne Helm im Straßenverkehr bewegen darf.
Kopf-an-Kopf-Rennen beim Preisschild
Spannend ist der Blick auf die Kosten, denn hier trennt die beiden Konzepte trotz der grundverschiedenen Technik auf den ersten Blick gar nicht mal so viel: Das Hamburger Pedelec Hopper startet in der zweisitzigen Passenger-Variante bei 11.900 Euro, die Cargo-Version gibt es ab 12.300 Euro. Damit bewegt sich das Startup selbstbewusst im Premium-Segment der Lastenräder.
Xyte Mobility hingegen ruft für seinen rasanten Dreiradroller Xyte One in der vollausgestatteten Launch-Edition einen Einführungspreis von 12.900 Euro auf. Die Münchner bewegen sich damit in Schlagdistanz zu Premium-Rollern wie dem BMW CE04 – bieten aber das große Plus Wetterschutz und Insassenschutz.

Martin Halama, Philipp Herrmann und Torben Müller-Hansel haben Hopper Mobility 2021 in Augsburg gegründet, um die Mobilitätswende in der Stadt voranzutreiben. Seit 2025 läuft in Norddeutschland die Serienproduktion des dreirädrigen Lastenrads.
Ob nun der muskelkraftbetriebene Hopper für die abgasfreie „letzte Meile“ auf dem Radweg oder der rasante Xyte One für den täglichen Ritt aus dem Vorort in die City – die Mikromobilität wird erwachsen. Der Hopper zeigt eindrucksvoll, dass pragmatische Lösungen das Zeug dazu haben, unsere Innenstädte nachhaltig zu entlasten, ohne dass wir nass werden müssen. Über 100 Exemplare haben die Hamburger bereits verkauft. Und die Revolution hat gerade erst begonnen.