Virgin Hyperloop hat am Sonntagnachmittag auf seiner firmeneigenen Teststrecke DevLoop in der Wüste von Nevada erstmals zwei Menschen mit seinem ultraschnellen Transportsystem „Pegasus“ befördert. Wie das Unternehmen des Firmengründers und Milliardärs Richard Branson bekanntgab, erreichte die magnetisch angetriebene Aluminium-Kapsel während der Premierenfahrt durch eine knapp 500 Meter lange Vakuum-Röhre eine Spitzengeschwindigkeit von 100 Meilen in der Stunde (161 km/h). An Bord waren Technikchef Josh Giegel und Sara Luchian, die Leiterin der Abteilung Passagier-Erfahrung. Zuvor hatte das Unternehmen bereits rund 400 Testfahrten durch die Röhre von 3,30 Metern Durchmesser unternommen – stets allerdings nur mit unbemannten Kapseln.

Für das 2014 gegründete Unternehmen bedeutet der erfolgreiche Test einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Serienreife des Systems. Das Ziel ist der Aufbau eines unterirdischen Hochgeschwindigkeitsnetzes, in dem Menschen wie Güter quasi per Rohrpost verschickt werden – mit Geschwindigkeiten von letztlich bis zu 760 Meilen in der Stunde, umgerechnet 1223 km/h. Die Idee dazu hatte Tesla-Chef Elon Musk 2013 in die Welt gesetzt.

Aluminium-Kapsel im dänischen Design

„In den letzten Jahren hat das Virgin Hyperloop-Team daran gearbeitet, seine bahnbrechende Technologie in die Realität umzusetzen“, sagte nach der Testfahrt Richard Branson, der Gründer der Virgin Group. „Mit dem heutigen erfolgreichen Test haben wir gezeigt, dass dieser Innovationsgeist die Art und Weise, wie Menschen überall auf der Welt leben, arbeiten und reisen, in den kommenden Jahren tatsächlich verändern wird.“

Ab in die Röhre
Vorbereitungen zum Start der ersten bemannten Testfahrt mit der weiß-roten „Pegasus“-Kapsel auf der rund 500 Meter langen Teststrecke in Nevada. Foto: Virgin Hyperloop

Die auch X-2 genannte Pegasus-Kapsel, die für den ersten Passagiertest verwendet wurde, entwarf der dänische Designer und Architekt Bjarke Ingels. Sie wiegt 2,5 Tonnen, ist etwas mehr als fünf Meter lang und bietet Platz für zwei Personen, die mit Vierpunkt-Gurten auf ihren Sitzen festgeschnallt werden. Die spätere Serienversion soll bis zu 28 Passagiere aufnehmen – die sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, mit der Geschwindigkeit eines Verkehrsflugzeugs durch ein vakuumdichtes Rohr katapultiert zu werden.

Studenten der TU München haben Tech-Milliardär Elon Musk schwer beeindruckt: mit einem fulminanten Sieg im Wettbewerb um die schnellste Hyperloop-Kapsel. Die Arbeit an dem Turbozug war für die jungen Forscher aber mehr als nur ein Technologie-Projekt. Sie hat ihr Leben verändert. Verkehr

Aber keine Angst: Nach Angaben des Unternehmens hat der Testlauf bewiesen, dass das System sicher sei. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich gefragt werde ‚Ist Hyperloop sicher?‘, sagte Jay Walder, der CEO von Virgin Hyperloop. „Mit dem heutigen Passagiertest haben wir diese Frage erfolgreich beantwortet und gezeigt, dass Virgin Hyperloop nicht nur eine Person in einer Vakuumumgebung sicher in einer Gondel befördern kann, sondern dass das Unternehmen auch über einen durchdachten Sicherheitsansatz verfügt.“

Zu der Testfahrt hatte das Unternehmen wohlweislich Experten der französischen Prüforganisation Certifer eingeladen, die auch schon Hochgeschwindigkeitszüge wie die chinesische Magnetschnellbahn zertifiziert haben. So weit bekannt, hatten sie nichts zu beanstanden.

Anschnallen bitte!
Technikchef Josh Giegel und Virgin-Managerin Sara Luchian sind bereit für die Testfahrt. Foto: Virgin Hyperloop

Bis zur Serienreife des Hyperloop-Systems ist allerdings noch ein weiter Weg. Virgin Hyperloop hat auf der Teststrecke in Nevada bislang nur eine Höchstgeschwindigkeit von 240 Meilen pro Stunde, also 386 km/h, erreicht. Um auf eine Geschwindigkeit von 1000 km/h darstellen zu können, soll in West Virginia ab 2022 für eine halbe Milliarde Dollar ein neues Zertifikation-Center mit einer zehn Kilometer langen Teststrecke gebaut werden. Virgin Hyperloop strebt eine Zertifizierung der Technik bis 2025 und die Aufnahme eines ersten kommerziellen Betriebes im Jahr 2030 an.

Aber auch außerhalb der USA wird intensiv an der Technik gearbeitet. In den Niederlanden, in Spanien und der Schweiz, aber auch in Deutschland: Bei dem von Musk 2015 ins Leben gerufenen „Hyperloop Pod Competition“ haben Studenten der Technischen Universität München bereits mehrere Preise gewonnen.

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