„Eine frische Farbe ist wie ein neuer Anfang“, philosophiert die Psychologin Margerethe Tietze in Loriots „Ödipussi“ und versucht damit den Eheleuten Melzer eine farbige Auffrischung ihres Eigenheims schmackhaft zu machen, mit einem „frischen Gelb oder einem Apfelgrün.“ Die Melzers allerdings waren „eigentlich immer mit Grau sehr zufrieden“ – worauf Raumausstatter Paul Winkelmann für die Auffrischung des Sofas die Stoffkollektion eines belgischen Herstellers mit 28 Grautönen empfiehlt: Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau, Bleigrau, Zemtentgrau…

Ganz so trist wird es nicht werden, wenn Volkswagen irgendwann im Spätsommer endlich sein neues Elektroauto ID.3 in Kundenhand gibt. Immerhin kann der Stromer von Anfang an auch in einem strahlenden Weiß und einem frischen „Makena Türkis“ geordert werden – außer in Silber und drei Grautönen, die zwischen Basaltgrau und Betongrau changieren. Für das Dach kann jede Farbe gewählt werden – sofern es Schwarz ist. Das Kontrastprogramm ist Pflicht: Eine Lackierung in Wagenfarbe ist nicht vorgesehen.

„Viele unserer Kunden ordern ihre Autos in Weiß und unbunt“
Die Farbpalette des ID.3 sieht neben drei Grautönen und Weiß vorerst nur eine Farbe vor. Foto: Volkswagen

„Viele unserer Kunden ordern ihre Autos in Weiß und unbunt“, erklärte Designchef Klaus Bischoff bei einer Pressekonferenz im Internet die begrenzte Farbpalette. Im übrigen würde eine Vielzahl von Lackierungen die Komplexität in der Fertigung erhöhen. Und je „zurückhaltender“ die Außenlackierung sei, desto besser stehen dem Fahrzeug die (aufpreispflichtigen) Kontrastprogramme, die Volkswagen für seinen neuen Stromer offeriert. Beispielsweise ein „Kupferpaket“, das dem ID.3 unter anderem eine rosegoldene Dachrahmenlinie spendiert.

Staubgrau oder Steingrau

VW-Chefdesigner Klaus Bischoff
Der ID.3 steht am Anfang einer neuen Zeit und zugleich auch einer neuen, schnörkellosen Designsprache bei VW. Bild: Volkswagen

Auch der Innenraum des ID.3. würde dem Ehepaar Melzer aus dem Loriot-Film sicher gut gefallen: Ob Sitze, Türverkleidungen oder Dachhimmel – alles ist grau. Staubgrau oder Steingrau. Für die ganz Mutigen gibt es auch hier (aufpreispflichtiges) Kontrastprogramm, das Flächen Safran-Orange mit solchen in Beige kombiniert. So viel zu „Mut zur Farbe“ in der Abteilung Colour&Trim.

Wichtiger war es Frauke Baumecker und ihren Mitarbeitern, den ID.3 mit möglichst umweltverträglich und nachhaltigen Materialien auszugestalten. Echtes Leder findet sich deshalb im Elektroauto nur noch am Lenkradkranz. Und dort auch nur aus haptischen Gründen und weil es keine Alternative gibt – die Sitzbezüge selbst sind „tierfrei“. Der Velourstoff der Seriensitze etwa ist komplett aus Recyclat gefertigt. Und damit niemand auf falsche Gedanken gebracht wird, ist auch die Narbung der Kunststoffflächen auf dem Armaturenträger nicht mehr Tierhäuten nachempfunden. Statt dessen finden sich hier geometrische Muster – die man allerdings auch nur unter der Lupe erkennen wird. Und auf der so genannten C-Säule, die den Heckabschluss der Karosserie stützt, sind Ornamente im Bienenwaben-Design aufgeklebt. Wem das zu ostentativ erscheint, wie Greenwashing vorkommt, kann die Folie abbestellen – ohne Mehrkosten hoffentlich.

Mut zur Farbe?
Gegen Aufpreis kann der Innenraum des ID.3 mit Elementen in „Safran Orange“ aufgefrischt werden. Serienmäßig blickt man hier auf Flächen in unterschiedlichen Grautönen. Foto: VW

Und sonst so?

Pries VW-Chefdesigner Klaus Bischoff bei dem Skype-Termin die neue Formensprache, die im ID.3 als dem ersten, von Grund für den Elektroantrieb konzipierten Elektroauto zum Ausdruck kommt, mit völlig anderen Proportionen als etwa im VW Golf und einem „gelassenen Design“, das ohne Sicken und aufgesetzte Kanten auskommt – und „trotzdem sofort als Volkswagen zu erkennen“ ist. Mit einer Vielzahl von Sensoren, die aber „so gut wie möglich versteckt“ wurde. Bischoff: „Wir wollen die Technik nicht in den Vordergrund stellen.“ Der ID.3 signalisiere den Aufbruch in eine neue Zeit und einer neuen Designsprache: „Da verschiebt sich alles.“

Smartphone auf Rädern mit Startproblemen

Leider auch der Termin für die Markteinführung. Ab 17. Juni (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war fälschlicherweise vom 17. Juli die Rede) kann das Auto offiziell beim Händler bestellt werden – ursprünglich sollten die Orderbücher bereits im Mai eröffnet werden. Aber die Corona-Krise und die Probleme mit der neuen Betriebssoftware für das Fahrzeug haben die Terminpläne über den Haufen geworfen. Wie dieser Tage bekannt wurde, wird das „Smartphone auf Rädern“ zunächst wohl auch nur mit einem reduzierten Digitalangebot zu den Kunden kommen, weil einige Anwendungen noch nicht stabil funktionieren. Über das Funknetz, „over the air“ sollen sie aber schnellstmöglich im Fahrbetrieb und ohne Besuch in der Werkstatt nachgeladen werden können.

Wir drücken die Daumen.

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