Lange haben Volvo-Fans auf diesen Elektro-SUV gewartet. Nachdem die Verbrennerversion des Volvo XC60 trotz ihres zeitlosen Designs mächtig in die Jahre gekommen ist, komplettiert der neue EX60 nun endlich den Markenkern in der SUV-Mittelklasse. Er reiht sich zwischen den bereits verfügbaren Modellen EX30 und EX90 ein. Damit tritt Volvo in direkte Konkurrenz zu den Elektrostars wie dem BMW iX3 und dem Mercedes GLC EQ und setzt gleichzeitig Modelle wie den Porsche Macan oder den Audi Q6 mächtig unter Druck. Zwar kam er etwas später als die Konkurrenz von BMW und Mercedes, gerät dadurch aber technisch keinesfalls ins Hintertreffen.
Leistung und 800-Volt-Technologie
Der 4,81 Meter lange Volvo EX60 zeigt deutlich, dass bei einem Elektromodell im Alltag keinerlei Abstriche gemacht werden müssen. Bereits die heckangetriebene Basisvariante, der EX60 P6, erweist sich als Idealbesetzung. Sie leistet 275 kW (374 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 480 Nm, womit sich der über zwei Tonnen schwere SUV bis zur Volvo-typischen Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h äußerst dynamisch bewegen lässt.

Die Designer in Göteborg haben auf die SPA3-Plattform eine Karosserie von zeitloser Eleganz geschneidert. Etwas gewöhnungsbedürftig – und wegen neuer Sicherheitsbestimmungen in China wahrscheinlich nur eine Übergangslösung – sind die Türgriffe in Flügelform.
Ein großer Pluspunkt ist die neue SPA3-Plattform. Sie bringt nicht nur viel Platz, sondern auch das 800-Volt-Bordnetz mit, welches Ladegeschwindigkeiten von bis zu 320 kW sichert. Das 83 kWh große Batteriepaket füllt sich an der entsprechenden Ladesäule in Windeseile. So lässt sich in nur zehn Minuten Energie für 300 Kilometer nachladen. Die Normreichweite des EX60 P6 liegt bei komfortablen 610 Kilometern. Stärkere Versionen der 60er-Baureihe laden sogar mit bis zu 370 kW. Praktisch für den kurzen Einkaufsstopp: Volvo bietet auch einen 22-kW-Onboard-Charger an.
Schlichtes Design, viel Platz – aber kleine Patzer im Innenraum
Optisch präsentiert sich der Crossover schlicht und sehenswert in typischer Volvo-Manier. Gewöhnungsbedürftig sind jedoch die schicken, aber unpraktischen Türgriffe oberhalb der Fensterlinie und der mangelnde erkennbare Nutzen der rahmenlosen Türen.
Technische Daten
Motor / Antrieb: Elektro, Heckantrieb;
Leistung: 275 kW / 374 PS, Max. Drehmoment: 480 Nm;
Batteriekapazität: 83 kWh; max. Ladeleistung DC: 320 kW;
Normverbrauch: 14,9 kWh/100 km, Reichweite (lt. WLTP-Norm): 610 km;
Basispreis: 62.990 Euro.
Im Innenraum sorgt der 2,97 Meter lange Radstand für ein großzügiges Platzangebot für bis zu fünf Personen. Das Ladevolumen ist mit 523 bis 1.647 Litern üppig dimensioniert und wird durch einen bis zu 85 Liter großen Frunk unter der Fronthaube sinnvoll erweitert.
Das Cockpit ist nüchtern gehalten; die Bedienung läuft nahezu vollständig und einfach über einen 15,4-Zoll-Zentralbildschirm mit Google-Hilfe. Unverständlich ist jedoch das Fehlen eines Head-Up-Displays, das in dieser Preisklasse obligatorisch sein sollte und nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich ist.

Eine Lichtershow wie im Mercedes GLC EQ müssen die Insassen bei Volvo nicht fürchten – der EX60 kommt eher unterkühlt daher.
Auch bei der Materialwahl erlaubt sich der Schwede Schwächen: Im unteren Bereich der Türen findet sich viel hartes Plastik, und die Bedienung der puristisch aussehenden Sitzverstellung ist wenig intuitiv. Ein weiterer Kritikpunkt ist das serienmäßige Panoramadach, das sich weder öffnen noch mit einer Jalousie verschatten lässt – was nicht nur bei extremen Temperaturen stört. Besser gelöst sind Details wie die elektrische Heckklappe oder die vorderen und hinteren elektrischen Sitze, die optional mit edlem Leder bezogen sind.
Fahrverhalten: Stramm und kraftvoll
Das Fahrwerk des EX60 ist recht stramm abgestimmt, was teilweise dem 20-Zoll-Radsatz geschuldet ist. In schnellen Kurven könnte das Basisfahrwerk etwas mehr Abstützung bieten, und bei der leichtgängigen Lenkung wäre ein rundes Lenkrad ohne Abflachungen für manchen Fahrer wünschenswert. Die Bremse arbeitet kraftvoll, verlangt aber nach Überwindung des ersten Pedalwegs. Der Fahrer spürt dabei deutlich, ob das Fahrzeug stark rekuperiert oder klassisch mit der Bremsscheibe verzögert.
Preise und stärkere Alternativen
Der Basispreis für den Volvo EX60 P6 mit Heckantrieb und in der bereits sehr guten „Plus“-Ausstattung (inklusive Matrix-LED-Scheinwerfern und Bose-Soundsystem) liegt bei 62.990 Euro. Leider ist diese Variante zum Marktstart nicht als Allradversion verfügbar. Wer Allradantrieb wünscht, greift zum EX60 P10 AWD Plus für 3.000 Euro Aufpreis. Dieses Modell liefert gewaltige 375 kW (510 PS) und 710 Nm Drehmoment, verfügt über ein größeres 95-kWh-Akkupaket und erreicht Reichweiten von bis zu 660 Kilometern. Für viele dürfte das Modell die erste Wahl sein. Die 510-PS-Version ist zudem als rustikales Cross-Country-Modell ab 68.990 Euro erhältlich.

Mit einer Länge von 4,80 Meter und einer Höhe von nur 1,63 Metern passt der Volvo EX60 in jede Tiefgarage. Aufgrund des Radstands von 2,97 Metern bietet er dabei im Innenraum viel Platz für die Passagiere. In den Kofferraum passen wenigstens 523 Liter. Fotos: Volvo
Das 2,3 Tonnen schwere Topmodell EX60 AWD P12 startet bei vergleichsweise fairen 71.990 Euro und bietet beeindruckende 500 kW (680 PS) sowie dank 112-kWh-Batterie bis zu 800 Kilometer Reichweite. Sinnvolle Ergänzungen für alle Modelle sind das Winterpaket für 500 Euro (beheizte Rücksitze, Lenkradheizung, beheizte Scheibenwischer) sowie ein Fahrerassistenzpaket zu Preisen ab 1.400 Euro.