Modellpflegen gibt es viele und die meisten sind längst dünner denn je. Selbst wenn man dem Volvo EX90 sein neues Innenleben nicht ansieht, es tut sich mehr als bei jedem anderen Elektromodell. Denn der Schwede bekommt ab dem Modelljahr 2026 – produziert ab November – das überfällige 800-Volt-Bordnetz. „Der Volvo EX90 verfügt künftig über unser fortschrittlichstes Elektrosystem“, sagt Anders Bell, der Technikchef von Volvo. „Die Ladezeiten werden kürzer, die Effizienz steigt, und unsere Kunden profitieren insgesamt von mehr Vertrauen und Kontrolle.“

Dass Volvo bei seinem Topmodell so schnell in Sachen Ladeleistung nachlegt, hat sich eher durch einen Zufall ergeben. Ursprünglich war der Marktstart des Volvo EX90 bereits vor mehr als zwei Jahren geplant, doch dieser wurde immer wieder verschoben. Erst seit Anfang des Jahres 2025 ist der in einem neuen Werk in USA produzierte Luxus-SUV in größeren Stückzahlen verfügbar. Daher kommt der Techniknachschlag schneller als gewöhnlich durch eine technische Überarbeitung.

Mit der Spannung steigt die Leistung

Volvo hat sich dabei selbst in Zugzwang gebracht: In den kommenden Wochen rollt der Volvo ES90 zu den Kunden. Die Elektro-Limousine ist auf der gleichen Plattform unterwegs – nutzt aber bereits ab dem Marktstart eine 800-Volt-Architektur. Der EX90, der bislang mit einem 400-Volt-System auskommen muss, hätte da im direkten Vergleich alt ausgesehen – und bei Kaufinteressenten Fragen aufgeworfen.

Volvo de Luxe
Mit Allradantrieb, 800-Volt-Technik und in Ultra-Ausstattung ist der sechs- oder siebensitzige Volvo EX90 ein Elektro-SUV der Extraklasse.

Volvo nutzt nun die Gelegenheit, um auch die Ladeleistung beider Modelle durch eine selbst entwickelte Batteriemanagement-Software zu verbessern. Ladevorgänge werden dadurch signifikant verkürzt: Künftig kann an einem Hypercharger mit einer Ladeleistung von bis zu 350 kW in zehn Minuten Energie für bis zu 250 Kilometer Reichweite nachgeladen werden.

Und dank der Umstellung auf die 800-Volt-Technologie erstarkt auch der Antrieb: Die Single-Motor-Variante leistet statt 205 kW (279 PS) künftig 245 kW (333 PS), bei der Version Twin Motor AWD steigt die Spitzenleistung von 300 auf 335 kW (456 PS) . Den größten Sprung macht der Volvo EX90 in der Twin-Motor-AWD-Performance-Version: Statt wie bisher mit 380 kW oder 517 PS fährt der Luxus-SUV nun mit 500 kW (680 PS) vor. An der Speicherkapazität der Akkus von 101 und 107 kWh hingegen ändert sich erst einmal nichts. Ebenso wenig wie an der Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

Neues Sonnendach und Prozessor-Update

Unsichtbar sind beim überarbeiteten Volvo EX90 andere Dinge: Batterie und Elektromotoren werden leichter, denn durch die Umstellung auf 800 Volt war es möglich, den Materialverbrauch zu reduzieren. Ebenfalls praktisch: Nach der Premiere im Volvo ES90 erhält auch der EX90 das elektrochromatische Panorama-Glasdach des Schwestermodells, bei der sich die Transparenz des Glases per Knopfdruck einstellen lässt. Die Sonneneinstrahlung im Innenraum lässt sich so an Sommertagen deutlich reduzieren.

Obendrein macht ein Prozessor-Update den Volvo EX90 im neuen Modelljahr nochmals sicherer. Verfügbar ist künftig beispielsweise die „Connected Safety“-Funktion, mit der sich miteinander vernetzte Fahrzeuge gegenseitig vor rutschigen Straßen, vorausliegenden Gefahren- und Unfallstellen warnen können.

Natürlich schlägt sich das Upgrade auch in der Preisliste nieder: Die Basisversion kostet nun 85.990 Euro – 2.290 Euro mehr als bisher. Beim EX90 Twin AWD beträgt der Aufschlag gegenüber dem aktuellen Modell 4.490 Euro (ab 96.190 Euro). In gleichem Maß steigt der Preis für das allradgetriebene Modell in der Performance-Variante: Künftig werden dafür wenigstens 101.290 Euro aufgerufen. Mit ein paar Extra und in „Ultra“-Ausführung kommen da schnell 120.000 Euro zusammen – nie war es teurer, einen Volvo zu fahren.

(Mit Ergänzungen von Franz Rother)

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert