Um Ostern herum werden hierzulande gemeinhin die Räder gewechselt. Die Winterreifen kommen runter, dafür werden die Sommerreifen am Auto montiert. Wer eine Garage besitzt, einen fahrbaren Wagenheber sowie einen großen Drehmomentschlüssel erledigt das schnell selbst in einer freien Stunde am Abend. Andere müssen dafür eine Werkstatt aufsuchen. Dort kostet der Wechsel schnell einen Fünfziger und schnell noch einmal die gleiche Summe, wenn der Räder eingelagert werden soll. Ganz zu schweigen von den Kosten für den kompletten Satz Winterreifen, die hier wie da anfallen. Schnell kommen da 1000 Euro zusammen. Bei Elektroautos meist deutlich mehr. Denn die Reifen für die Stromer müssen für schwere Traglasten ausgelegt sein. Und auch die Radgrößen zwischen 17 und 22 Zoll gehen ordentlich ins Geld.

Allwetterreifen für hohe Lasten

Da wünscht sich mancher, er käme mit einem einzigen Reifensatz durchs ganze Jahr. Ohne Kompromisse bei der Sicherheit, Komfort und Reichweite eingehen zu müssen. Bei jeder Witterung, sommers wie winters. Mit Ganzjahresreifen, die speziell auf seinen Fahrzeugtyp ausgelegt sind. Für konventionell angetriebene Fahrzeuge gibt es diesen Reifentypen schon länger. Als erster Reifenhersteller hat Vredestein nun einen Allwetterreifen auf den Markt gebracht, der mit dem Lastindex HL („High Load“) speziell auf Elektroautos und Pkw mit Hybridantrieb zugeschnitten ist.

Einer für alles
Sonne, Regen, Schneeflocke und ein vierblättriges Kleeblatt, bestehend aus vier kleinen Herzen, kennzeichnen den neuen Allwetterreifen. Charakteristisch ist die Lauffläche, mit einem Winterprofil innen und einem Sommerprofil außen.
Einer für alles
Sonne, Regen, Schneeflocke und ein vierblättriges Kleeblatt, bestehend aus vier kleinen Herzen, kennzeichnen den neuen Allwetterreifen. Charakteristisch ist die Lauffläche, mit einem Winterprofil innen und einem Sommerprofil außen.

Die Reifenmarke aus den Niederlanden, die seit 2009 zum indischen Apollo-Konzern gehört, gilt schon seit 1993 als Spezialist für diese Reifengattung und hat bei der Entwicklung des neuen Vredestein Quatrac Pro EV für Elektroautos in Europa alle Register gezogen. In Enschede, wo das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Vredestein sitzt, wurden Computersimulationen genutzt, um in kürzester Zeit die perfekte Karkassenstruktur und Gummimischung zu finden.

Laufruhig auch ohne Schaumstreifen

Das Ziel war, kritische Leistungsmerkmale wie Rollwiderstand, Grip, Fahrkomfort und Geräuschentwicklung zu optimieren, ohne Einbußen bei der Lebensdauer hinnehmen zu müssen. Oder auch das spätere Recycling der Reifen zu erschweren: Einige Reifenhersteller tragen nach der Fertigstellung neuerdings auf die Innenseite der Reifen Schaumstoffstreifen auf, um lästige Luftschwingungen zu unterbinden. Das verringt zwar die Abrollgeräusche der Elektrofahrzeuge, sorgt aber später für große Probleme bei der Reifenverwertung. „Wir bemühen uns deshalb darum, unseren Kunden die Schaumstoffstreifen auszureden“, sagte Produktmanager Ankit Pandey bei der Vorstellung des neuen Allwetterreifens am Produktionsort Gyöngyöshalász in Ungarn.

Tatsächlich rollt der mit Unterstützung von Italdesign gestylte Vredestein Quatrac Pro EV auch ohne den schaumigen Lärm-Absorber überaus leise über die Fahrbahn, wie wir bei einer ausgedehnten Testfahrt mit einem umgerüsteten Audi Q4 e-tron feststellen konnten: Von den Laufgeräuschen der ebenso großen wie breiten Ganzjahresreifen der Dimension 235/55 R 19 – zugelassen bis zu Geschwindigkeiten von 270 km/h – war in der Kabine so gut wie nichts zu hören. Eher schon vom Wind, der bei höheren Geschwindigkeiten deutlich vernehmbar um die Fenster des Leihwagens strich.

Sparsamer Energieverbrauch

Auch der angeblich bis zu 15 Prozent geringere Rollwiderstand (gegenüber einem konventionellen Allwetterreifen von Vredestein für konventionell angetriebene Autos) zeigte Wirkung: Im Schnitt begnügte sich der Audi auf unserer Tour über die Landstraßen und Autobahnen Pannoniens mit einem Stromverbrauch von exakt 20 kWh/100. Die Einstufung des Allwetter-Reifens in der Effizienzklasse B ist also mehr als gerechtfertigt.

Sicher in der Spur 
Auf dem Testparcours am Slovakia-Ring schlug sich der Audi Q4 e-tron prächtig mit dem neuen Allwetterreifen. Schnee lag zwar keiner mehr, dafür kam die Fahrbahn mit Belag und Bewässerung fast schon einem Eiskanal gleich.
Sicher in der Spur
Auf dem Testparcours am Slovakia-Ring schlug sich der Audi Q4 e-tron prächtig mit dem neuen Allwetterreifen. Schnee lag zwar keiner mehr, dafür kam die Fahrbahn mit Belag und Bewässerung fast schon einem Eiskanal gleich.

Eine spezielle Mischung aus Polymeren der vierten Generation und „intelligentem“ Silica für Lauffläche, Felgenband und Karkasse machen sich hier offenbar bezahlt. Ebenso wie die Anstrengungen der Ingenieure zur Reduzierung des Reifengewichts. Und auch in punkto Grip und Kuvenstabilität zeigte der neue Reifen keine Schwächen.

Künftig auch in der Erstausrüstung?

Wie der Reifen mit M+S-Kennung sich auf schneebedeckten Straßen – dank Klimawandel in unseren Breiten ohnehin nur noch eine seltene Erscheinung – schlägt, konnten wir zwar nicht ermitteln. Aber den intensiv bewässerten Handlings-Parcours am Slovakia-Ring bewältigte der Audi mit den Allwetter-Pneus bei Geschwindigkeiten von über 70 km/h ohne Fehl und Tadel. Auch Bremstests auf nasser Fahrbahn bewältigte der immerhin über zwei Tonnen schwere Stromer anständig.

Angeboten wird der allwettertaugliche Leichtlaufreifen im Handel derzeit in sieben Dimensionen für 18- und 19-Zoll-Felgen. Im Laufe des Jahres in zwölf weiteren Größen auch in 17 (ab 205/55R 17) und 20 Zoll (bis 255/40 R20) erhältlich. Übrigens zu Listenpreisen zwischen 145 und 200 Euro, je nach Reifendimension. Serienfahrzeuge werden derzeit noch nicht in der Erstausrüstung mit den neuen Reifen bestückt. Aber das könnte sich noch ändern: Wie wir am Rande der Reifenpräsentation erfuhren, führt Vredestein Gespräche unter anderem mit BMW.

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1 Kommentar

  1. Stefan Mahlau

    Ich hoffe, dass dieser Ganzjahres-Reifen für E-Autos von Vredestein auch in 22-Zoll-Größe für BMW IX 40, 50 und M60 auf den Markt kommen wird. Ich wäre auf jeden Fall der erste Kunde dafür!

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