Die Kollegen im Finanzressort der „Welt am Sonntag“ haben genau nachgerechnet: Kalkuliere man sämtliche Kosten für die Versicherung, die Steuer, für Wartungsarbeiten, die regelmäßige Gasprüfung sowie den Stellplatz und rechne dann noch den Wertverlust des Fahrzeugs obendrauf – mache die Anschaffung eines Wohnmobils wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn. Zumindest dann nicht, wenn man das Fahrzeug nur für den Jahresurlaub nutzt und der fahrtüchtige Zweitwohnsitz elf Monate im Jahr nur irgendwo in einer Scheune oder einem Hinterhof herumsteht.
Bei nüchterner Betrachtung und von außen betrachtet ist sicherlich eine Menge dran an dieser Rechnung. Aber wir sind gerade auf einem Campingplatz im Sauerland und blicken aus dem Obergeschoss eines gut 100.000 Euro teuren VW California Ocean eHybrid 4motion auf die Listertalsperre, über der gerade die Sonne untergeht. Draußen herrschen angenehme 25 Grad und obwohl die 454 Stellplätze an der Kalberschnacke zu Beginn der Sommerferien schon gut belegt sind, herrscht eine wunderbare Stille. Wer rechnet da schon haarklein nach, wie hoch der „Preis der mobilen Freiheit“ ist?

Der elektrische Hinterachsantrieb des VW California Ocean eHybrid ist nicht nur auf nassen Campingplatz-Wiesen ein Vorteil. er steht auch dann zur Verfügung, wenn die Batterie leer ist: Der Strom wird dann vom zum Generator umfunktionierten Benziner erzeugt.
Zumal der California Ocean von VW Nutzfahrzeuge schon immer mehr war als nur ein „Camper“, wie die kompakten Wohnmobile genannt werden. Mit einer Länge von gut fünf Metern, einer Höhe samt Aufstelldach von 1,97 Metern sowie vier Sitzplätzen eignet sich der „Büssli“ (wie er in der Schweiz gerufen wird) auch durchaus als Familienkutsche außerhalb der Feriensaison. Tiefgaragen und Parkhäuser sind in der Regel problemlos befahrbar, der Laderaum bietet jede Menge Platz auch für die Wocheneinkäufe. Damit kommt man ganz gut durch den Alltag und benötigt auch keinen Zweitwagen für die Fahrten ins Büro.
Multitool auf vier Rädern
Zumal der VW California noch einige Vorzüge mehr hat: Geht es mal auf eine Geschäftsreise, gibt es unter dem Aufstelldach oder im Heckabteil einen bequemen Platz für einen erholsamen Powernap. Und in der Küchenzeile gibt es nicht nur einen Kühlschrank für die Flasche Sekt nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss, sondern obendrein einen Gaskocher für die Zubereitung einer Abendmahlzeit, eines Kaffees oder von Frühstückseiern. Kurzum: Dieser Camper ist ein echtes Multitool auf vier Rädern.

Vom Plateau des Fünfsterne-Campingplatzes Kalberschnacke im Sauerland haben wir einen wunderbaren Blick auf die Listertalsperre.
Und das hat sich rumgesprochen. Mit über 165.000 verkauften Einheiten weltweit zählt der California seit inzwischen sechs Generationen zu den erfolgreichsten, beliebtesten und sicher auch ertragsreichsten Modellen von Volkswagen. Mit der Umstellung der technischen Basis vom „nutzigen“ VW Transporter auf den Pkw-näheren Multivan ging für viele Fans 2023 zwar eine Ära zu Ende.
Dafür eröffnete der Modulare Querbaukasten in „evo“-Ausführung aber erstmals die Möglichkeit, den California auch mit einem teilelektrischen Antrieb anzubieten: Unser allradgetriebener eHybrid mit einer Antriebsleistung von 130 kW oder 177 PS kann dank eines 19,7 kWh großen Lithium-Ionen-Akkus unter dem Fahrersitz theoretisch bis zu 86 Kilometer vollelektrisch zurücklegen. Zusammen mit dem Inhalt des 45 Liter fassenden Tankinhalts ergeben sich damit Reichweiten von gut 500 Kilometern drin.Davon kann der Besitzer eines vollelektrischen VW ID.Buzz mit „Gute-Nacht“-Paket nur träumen. Nach spätestens 400 Kilometern muss der in aller Regel eine Ladesäule aufsuchen.
Erstaunlich niedriger Energieverbrauch
Praktisch – so eine Erkenntnis aus unserem kleinen Test – läuft es eher auf 60 bis 70 Kilometer im Elektrobetrieb hinaus. Aber das reicht nicht nur, um zu später oder früher Stunde lautlos auf den Campingplatz zu rollen, sondern auch eine Vielzahl der täglichen Besorgungsfahrten im E-Modus zurückzulegen. Am Ende schlug bei uns ein durchschnittlicher Energieverbrauch von 3,8 Litern Benzin und 15,6 Kilowattstunden Strom auf 100 Kilometern zu Buche. Für ein Fahrzeug mit einem Leergewicht von 2,5 Tonnen sind das nicht nur unter Umweltaspekten erstaunlich gute Werte. Sie verbessern auch die Wirtschaftlichkeit und lassen so manche Kalkulation von Finanzexperten kleinlich erscheinen: Bei den aktuellen Spritpreisen von über zwei Euro pro Liter sind die Mehrkosten für den Hybridantrieb in Höhe von rund 10.000 Euro (gegenüber einem rein benzin- oder dieselgetriebenen Ocean bei intensiver Nutzung des Gefährts schnell wieder drin.

Wechselstrom nimmt der VW California eHybrid mit bis zu 11 kW auf. Während der Mittagspause ist der Akku da wieder voll.
Voraussetzung ist, dass der Akku regelmäßig und wo immer möglich geladen wird. Natürlich nicht auf dem Campingplatz über den Landstromanschluss (da würden auf den meisten Anlagen vermutlich schnell das Licht ausgehen), sondern an der Wallbox daheim oder an öffentlichen Ladesäulen. Erfreulicherweise verfügt dieser Plug-in-Hybrid auch über einen Schnellladeanschluss, über den Gleichstrom immerhin mit 50 kW aufgenommen werden kann. An mit Wechselstrom betriebenen Ladestationen beträgt die Ladeleistung 11 kW – schon nach wenigen Stunden ist hier der Akku wieder zu 100 Prozent gefüllt. Am Schnelllader dauert es lediglich 26 Minuten, um den Ladestand von 10 wieder auf 80 Prozent anzuheben. Auf Fernfahrten ist die Pinkelpause da gut genutzt.
Standklimatisierung auch ohne Stromanschluss
Und der Hybridantrieb hat noch einen anderen Vorteil, den man als „California“-Fahrer in Sommermonaten mit Tagestemperaturen von inzwischen bis zu 40 Grad schnell zu schätzen lernt: Die elektrische Standklimatisierung. Ein Touch auf das Zentraldisplay oder das kleine Display im Fahrgastraum genügt, um während der Pausen unterwegs die Innentemperatur bei konstant 22 Grad Celsius zu halten – ohne dass ein externer Stromanschluss gesucht werden muss. Bei unserem Aufenthalt im Sauerland, bei dem das Thermometer nachts schon mal unter 10 Grad fiel, konnte so auch schon mal wohlige Wärme erzeugt werden, ohne dass dafür (wie bei anderen Wohnmobilen in der Nachbarschaft) ein Verbrenner angeschmissen werden musste. Da soll noch mal jemand sagen, die Generation E müsse auf Komfort verzichten.

Der Gasherd in der Küchenzeile es California Beach hat zwar nur eine Flamme. Aber für die Zubereitung kleiner Mahlzeiten reicht das.
Apropos Komfort: Bei einem kompakten Camper vom Format eines VW California muss man natürlich ein paar Zugeständnisse machen, was das Platzangebot anbetrifft. Alle Bewegungen im Innenraum wollen bei einer Belegung mit zwei oder mehr Personen wohl koordiniert sein. Das gilt insbesondere für den Aufbau des 1,33 Meter breiten Nachtlagers im Erdgeschoss am Abend: Die Einzelsitze in der zweiten Reihe sind vorzuziehen, die Kopfstützen umzustecken, dann die Lehnen umzuklappen und die Faltmatratze drüberzulegen. Und dann gilt es noch, alle Fenster mit Thermomatten zu verdunkeln.
Der Bettenbau und das Herrichten des Nachtlagers braucht am Anfang eine Weile, auch weil die Zugschlaufen an den Sitzen erst einmal gefunden sein wollen. Aber beim zweiten Mal ist alles in wenigen Minuten erledigt. Dann hat man auch gelernt, dass das Kaffeewasser erst aufgesetzt werden sollte, wenn das Bett im Obergeschoss (Breite hier: 1,14 Meter) geräumt und nach oben weggeklappt ist. Sonst muss alles im Sitzen erledigt werden. Oder das Kochen muss gleich ins Freie verlegt werden: Mit dem Umstieg auf den Multivan verfügt der California nun auch auf der linken Seite über eine Schiebetür – und die Küchenzeile gleich dahinter.
Zuladung von lediglich 383 Kilogramm
Überhaupt verblüfft immer wieder, wie die Spezialisten von Volkswagen Nutzfahrzeuge ein Raumvolumen von rund 20 Kubikmetern zu nutzen verstehen und die zur Verfügung stehenden Fläche immer wieder optimieren. Als Wohn- und Liegefläche, zum Kochen, Kühlen und Verstauen von all den Dingen, die Camper während einer Urlaubsfahrt so mit sich führen. Knapp 30 Ablagen und Fächer haben wir im Innenraum des Ocean gezählt – und wahrscheinlich noch die eine oder andere Gelegenheit übersehen, Gepäck und allerlei zu verstauen.
Allerdings darf der California Beach in T7-Ausführung insgesamt nur 383 Kilogramm zuladen – hier kommt die Pkw-Plattform an ihre Grenzen. Zudem sind manche Fächer sind etwas klein geraten. Und einige Zugänge im Heckabteil sind so verbaut, dass Gepäckstücke zunächst ausgeräumt werden müssen, wenn man etwa die Gasflasche vor der Weiterfahrt zudrehen möchte. Gewünscht haben wir uns auch einen Elektroantrieb für die Heckklappe: Da hier die zwei Klappstühle verstaut sind, ist das Teil recht schwer und nur mit gehörigem Kraftaufwand zu schließen.

Der Elektroantrieb ermöglicht es, lautlos und emissionsfrei vom Campingplatz zu schleichen, wenn die meisten Gäste sich nach langer Nacht noch die Augen reiben. Der Rückbau des Campers zum Van ist in wenigen Minuten geschehen. Foto: Rother
An Ladepunkten für Smartphones und anderen elektrischen Geräten mangelt es hingegen nicht – USB-C-Anschlüsse gibt es auf beiden Etagen zuhauf. Etwas unglücklich ist der Schalter für die Kindersicherung in der Lehne der Fahrertür positioniert: Während der Fahrt ist er mit dem Ellenbogen schnell aktiviert – und abends wundert man sich dann, wenn sich die Schiebentüren nicht mehr von innen öffnen lassen.
Elektrische Heckklappe nun als Option
Aber das sind alles Anfängerfehler, über die erfahrene California-Besitzer nur lachen werden. Unterm Strich, nach zwei Wochen Testbetrieb, hatte sich große Vertrautheit mit unsere zweifarbig lackierten California Ocean eingestellt. Das Modell hat dieser Tage ein Facelift erfahren, das dem California Ocean unter anderem die ersehnte elektrische Heckklappe (zum Aufpreis von 666 Euro) beschert und eine Standklimatisierung von bis zu acht Stunden. Unser Testwagen, geht uns durch den Kopf, dürfte dann bald im Gebrauchtwagen-Handel landen. Mit einem deutlich Preisabschlag, wie zu vermuten steht. Der Traumwagen käme dann dem privaten Budget zumindest ein Stück näher. Und die Rechnung der Kollegen in Berlin sähe dann nicht mehr so düster aus.