Sharklets, nach oben ragende Flügelohren, hatten die Flugzeuge schon zuvor bekommen. Ein paar Jahr später spendierte Airbus den Erfolgsmodellen neue verbrauchsgünstige und leisere Triebwerke – und den Zusatz „Neo“. Seitdem zahlt die A320-Familie zu den meistverkauften Verkehrsflugzeugen weltweit.
Einen ähnlichen Schub erhofft sich Volkswagen nun von der „Produktaufwertung“ für den ID.3 – der ab September ebenfalls den Zusatz „Neo“ erhält. Ohren für den Heckspoiler sind zwar nicht geplant. Dafür erhält er einen neuen, effizienteren Antrieb für Reichweiten von bis zu 630 Kilometer, ein komplett neues Interieur sowie einen Feinschliff auch des Exterieurs, das für „100 Prozent Volkswagen-Gefühl“ sorgen und die Verkaufszahlen hochhalten soll – bis denn 2028 der komplett neue ID.Golf auf den Markt kommt.

Neue Stoßfänger und neue Räder und eine durchgehende Lackierung in Wagenfarbe lassen den ID.3 größer erscheinen. Das Markenzeichen am Heck ist nun weiß – und zur Modellbezeichnung darunter gesellt sich ein „Neo“. Fotos: Volkswagen
Es ist die zweite große Modellpflege, die Volkswagen dem dem ID.3 seit der Markteinführung 2019 angedeihen ließ. In der Frühphase war das vollelektrische Kompaktauto nicht unbedingt ein Burner. Ein gewöhnungsbedürftiges Design, ein billig wirkendes Interieur sowie eklatante Software- und Bedienmängel sorgten dafür, dass der Absatz lange hinter den Erwartungen zurückblieb. Der E-Kompakte war zum Zeitpunkt der Markteinführung in einigen Punkten noch ein unfertiges Auto. Ein Schnellschuss, bei dem zuletzt noch der Rotstift der Controller das Auto auf Profit getrimmt hatten.
Für Golf ist der ID.3 noch nicht reif genug
Besser lief es erst nach dem ersten Facelift im Frühjahr 2023, nach dem Wegfall des schwarzen „Bügelbretts“ vor der Frontscheibe, einer Aufwertung des Interieurs mit neuen Materialien und Oberflächen – und einer deutlichen Verbesserung der Betriebssoftware. Später wurde auch noch die Ladeperformance verbessert, eine sportliche GTX-Version hinzugefügt – und der Absatz immer mal wieder mit Rabattaktionen gepusht.

Über eine „View“-Taste im Lenkrad kann der Fahrer eine „Retro-Anzeige“ aufrufen, die an die Instrumentenansicht eines VW Golf I aus den 1980er Jahren erinnert. Und das Musikprogramm wird auf dem Touchscreen in Kassettenform dargestellt.
Inzwischen ist der ID.3 ein ganz manierliches Elektroauto, das sich auch ganz ordentlich verkauft. Aber es ist noch kein echter Volkswagen, zumindest nicht nach den Kriterien von Markenvorstand Thomas Schäfer und Vertriebschef Martin Sander. Die Idee, den ID.3 im Zuge der Modellpflegemaßnahme und parallel zur Einführung des neuen ID.Polo (der ursprünglich ein ID.2 werden sollte) in ID.Golf umzubenennen, wurde deshalb nach internen Diskussionen wieder verworfen.
Mit viel Liebe zum Detail
Ein großer Schritt – aber nicht mehr. Das betrifft vor allem das Interieur, das nun endlich dem entspricht, was man von „True Volkswagen“, also einem echten VW erwartet: Satt zuschlagende Türen, viel Liebe zum Detail, Wohlfühlatmosphäre, Bedienerfreundlichkeit. Der Slider zur Regulierung der Lautstärke von Navigationsansagen und Unterhaltungsprogramm ist einem Drehknopf gewichen, es gibt auf der Fahrerseite in der Türblende wieder vier Schalter für die vier elektrischen Fensterheber und obendrein eine richtige Mittelkonsole mit bequemer Armauflage und zahlreichen Ablagemöglichkeiten.

Die serienmäßige Klimaanlage wird im ID.3 nun wieder über klassische und edel anmutende Drucktasten gesteuert. Na also, geht doch.
Letzteres war angeblich vielen Stammkunden der Marke wichtig. Die (und auch Neukunden) können sich nun über ein ebenso einfach wie präzise zu bedienendes Multifunktionslenkrad freuen, feine Sitzbezüge und Bezugsstoffe. Und sie können sich per Knopfdruck in vergangene Zeiten zurückversetzen: Über eine „View“-Taste im Lenkrad kann der Fahrer eine „Retro-Anzeige“ aufrufen, die an die Instrumentenansicht eines VW Golf I aus den 1980er Jahren erinnert. Wobei der Drehzahlmesser hier als Powermeter angelegt ist und nicht die Drehzahl des Heckmotors anzeigt, sondern die Energieabgabe oder -aufnahme des Antriebs per Rekuperation. Ein wenig Spaß darf sein – auch und gerade im Zeitalter der Elektromobilität.
Mehr Drehmoment bei geringerem Stromverbrauch
Apropos Motor: Der arbeitet im ID.3 Neo weiterhin im Heck. Aber der APP350, der bei den Modellen mit einer Antriebsleistung von bis zu 170 kW den APP 310 ersetzt, ist sparsamer und zugleich dynamischer als die aktuelle permanenterregte Synchronmaschine:: Statt 310 beträgt das maximale Drehmoment nun 350 Newtonmeter. Dadurch beschleunigt er nun kräftiger – und der Stromer kommt bei gleichbleibender Batteriekapazität weiter als bisher.

Das Dach und auch die Heckklappe des ID.3 sind nun in Wagenfarbe lackiert. Das sieht nicht nur schick aus, sondern spart auch Geld.
Die Reichweitenprognose – die Homologation ist noch nicht abgeschlossen – für den VW ID.3 Neo mit 50-kWh-Batterie und125 kW Antriebsleistung liegt bei bis zu 417 Kilometer. Der ID.3 Neo mit 58-kWh-Akku und 140 kW Leistung soll bis zu 494 Kilometer weit kommen. Und mit dem 79 kWh-Akku sollen nun gar bis zu 630 Kilometer drin sein. Außerdem haben die Softwareingenieure die Ladeperformance nochmals optimiert, um die Ladepausen zu verkürzen. So lädt der „große“ ID.3 nun Gleichstrom mit bis zu 183 kW in deutlich weniger als 30 Minuten bis auf 80 Prozent. Bei den Ausgaben mit kleineren Akkus beträgt die maximale Ladeleistung nur 105 kW. Aber der Wert wird so lange gehalten, dass die Ladepause angeblich nicht länger wird.
So gesehen fliegt der ID.3 Neo nun tatsächlich deutlich höher als bisher. Ob sich das auch im Preis widerspiegeln wird, wollten die Produktmanager noch nicht verraten. Aktuell ruft VW für den ID.3 „Pure“ 33.330 Euro auf. Künftig heißt die Einstiegsversion „Trend“, darüber rangieren „Life“ und „Style“, die viele der heute aufpreispflichtigen Extras serienmäßig an Bord haben. Das alles spricht für eine zumindest leichte Preiserhöhung.
Viel Hype um Nichts und optisch für mich zurück in die gepflegte VW-Langeweile.
Ich brauche keine mechanischen Tasten, weil ich mit den induktiven Slidern prima zurecht komme. Das schwarze Dach fand ich toll und um keinen Preis will ich die angeblich ‚richtige‘ Mittelkonsole zurück, weil die aktuelle viel mehr Bein- bzw. Kniefreiheit bietet. Ich möchte mich in meinem Sitz nicht eingemauert fühlen, weder durch Schalensitze noch durch völlig unnötige Monsterkonsolen.
Besonders irritierend finde ich dabei die Verallgemeinerung des eigenen Geschmacks, als wenn alle so denken und fühlen müssten.
Geschmack ist etwas höchst subjektives und so schlimm kann die aktuelle ID-Serie auch gar nicht sein, führt sie doch mit dem ID.7 und dem ID.3 seit Jahren immer wieder die E-Ranglisten in Deutschland und Europa an.