Einer ADAC-Umfrage zufolge besteht Nachholbedarf beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern. Eine Mehrheit von 57 Prozent der E-Autokäufer bemängelt „Probleme innerhalb ihrer Hausgemeinschaft“ hin sichtlich der Installation von Wallboxen in Tiefgaragen und auf anderen hauseigenen Stellplätzen. Die größten organisatorischen Herausforderungen sahen sie bei der Auswahl der passenden Ladetechnik (56 %), bei der Abstimmung mit der Eigentümergemeinschaft (33 %) und bei der Suche eines geeigneten Elektrikers (24 %).

Vermieter sind oft wenig hilfreich

Seit der Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes* (WEG) zum 1. Dezember 2020 haben es Mieter und Eigentümer von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern grundsätzlich einfacher, einen Anspruch auf eine Lademöglichkeit für ein E-Auto an ihrem Stellplatz durchzusetzen. Doch in der Praxis hakt es offenbar noch häufig bei der Realisierung derartiger Wünsche. 45 Prozent der im vergangenen Jahr deutschlandweit befragten 716 Personen wünschten sich, ohne die Eigentümergemeinschaft über den Einbau von Wallboxen entscheiden zu können, zumal nur in den wenigsten Fällen Vermieter, Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft sich als hilfreich bei der Planung erwiesen hätten.

Die Solarfachbetriebe stellten sich in der Umfrage als die kompetentesten Ansprechpartner heraus. 81 Prozent setzten auf Solar-Monteure, gefolgt von Autohändlern (67 %) und Elektrikern (57 %). Für eine einfachere und schnellere Umsetzung sprachen sich zudem 22 Prozent der befragten E-Autofahrer für Komplettlösungen aus einer Hand aus, die Vorabinformationen, Planung, Installation, Betrieb und Abrechnung abdecken.

Frage des Vertrauens
Elektriker und Solarfachbetriebe sind laut Umfrage die kompetentesten Partner bei der Installation von Ladelösungen in Wohnhäusern. Gewünscht werden Unternehmen, die Komplettlösungen anbieten können. Foto: Webasto
Frage des Vertrauens
Elektriker und Solarfachbetriebe sind laut Umfrage die kompetentesten Partner bei der Installation von Ladelösungen in Wohnhäusern. Gewünscht werden Unternehmen, die Komplettlösungen anbieten können. Foto: Webasto

Da fast zwei Drittel ihre Ladelösung in Abhängigkeit vom Preis auswählen, sind für 47 Prozent die hohen Kosten und damit für 59 Prozent Finanzierungsprobleme ein weiteres ausschlaggebendes Hindernis für den privaten Wallboxausbau. Im Zuge der Nutzerumfrage verwies der ADAC auch auf eine Befragung aus dem Sommer 2022 von 250 Immobilienfirmen und Hausverwaltungen mit über zehn Stellplätzen. Dort gaben 7 Prozent an, über Wallboxen beziehungsweise Ladesäulen zu verfügen, und 11 Prozent verwiesen auf verfügbare, aber laut ADAC „weniger geeignete“ Steckdosen.

82 Prozent der Wohnobjekte ohne Ladepunkt

Auch wenn dies im Vergleich zur Erstumfrage im Jahr 2019 einen Zuwachs um fünf beziehungsweise sieben Prozentpunkte bedeutet und seitdem mehr als doppelt so viele Wohnungsunternehmen einen Ausbau der Ladeinfrastruktur planen, sei dies weiterhin „völlig unzureichend“, beklagt der ADAC. 82 Prozent der Wohnobjekte sind weiterhin ohne Ladeinfrastruktur und könnten daher mit dem Hochlauf der Elektromobilität nicht Schritt halten.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Hier mahnt der ADAC eine Beschleunigung durch die Beseitigung „administrativer Hindernisse und von Planungsengpässen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene“ an. Er fordert eine schnelle Umsetzung der im Masterplan Ladeinfrastruktur verankerten Maßnahmen zur Digitalisierung von Hausanschlüssen und zur Überarbeitung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes.

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