In ihrem Klimapaket hat die deutsche Bundesregierung beschlossen, in den nächsten Jahren 50.000 zusätzliche öffentliche Ladepunkte installieren zu lassen – 15.000 davon soll die Autoindustrie finanzieren. Das ist dringend nötig. Denn fehlende Lademöglichkeiten lassen immer noch viele potenzielle Käufer eines Elektroautos zögern umzusteigen.

Andere Länder in Europa sind da deutlich weiter, wie eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich zeigt. Besonders vorbildlich sind die Niederlande und Norwegen. Bei unseren westlichen Nachbarn gibt es 43.730 öffentliche E-Ladestationen, hierzulande sind es dagegen nur 32.704 – obwohl in Deutschland fünfmal so viele Menschen leben. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Diskrepanz noch deutlich größer: Auf 100.000 Einwohner kommen zwischen Maastricht und Groningen 252,8 Lademöglichkeiten, zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen sind es nur 39,4.

Wenig überraschend ist auch in Norwegen die Ladeinfrastruktur sehr gut ausgebaut. Dort gibt es 232,8 Ladestationen pro 100.000 Bürger. Es folgen Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Deutschland landet auf Platz 10. Schlusslicht ist Griechenland mit 0,5 Ladestationen.

Verteilung von Ladesäulen in Europa
Spitzenreiter Niederlande
Die Verteilung von Ladestationen pro 100.000 Einwohner und in absoluten Zahlen in Ländern Europas. Insgesamt gibt es in der EU der 28 circa 33,6 Lademöglichkeiten bezogen auf 100.000 Bürger und zusammengerechnet 172.672 E-Ladestationen. Deutschland liegt auf Platz 10.
Quelle: EAFO, VCÖ 2019 Grafik: Edison

„Right to plug“ gefordert

Kostenlos Strom zapfen fürs Elektroauto war gestern: Zum Jahreswechsel schnüren die Energieversorger und Dienstleister ihre Ladetarife neu. Vor allem das Schnellladen mit Leistungen von 50 Kilowatt und mehr wird teurer. Laden

Gansterer macht daher einen interessanten Vorschlag: In der Alpenrepublik sollte der Staat ein „Right to Plug-Prinzip verankern“. In Frankreich und Spanien gibt es bereits ein solches Anrecht, nach definierten Kriterien in Wohngebäuden eine Lademöglichkeit nachrüsten zu dürfen.

VCÖ-Experte Markus Gansterer erinnert aber daran, dass die meisten E-Autofahrer ihre Stromer Zuhause laden. Hier gebe ins Österreich noch viele rechtliche Hürden, wenn Mieter oder Besitzer von Eigentumswohnungen eine Wallbox installieren wollten. Ähnlich wie übrigens auch in Deutschland.

Angesichts der dürftigen Ladeinfrastruktur in Deutschland, wäre ein Right to Plug sicherlich eine sinnvolle Ergänzung für das Klimapaket der Bundesregierung.

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