Eines vorweg: Wir sitzen nicht im auf 30 Exemplare limitierten Yangwang U9X, dem aktuell mit 4 mal 555 Kilowatt oder 3.020 PS leistungsstärksten Serienfahrzeug der Welt. Doch auch der zahme Bruder hat es faustdick hinter den Außenspiegeln. Denn eine Spitzenleistung von 960 kW oder 1.306 PS raubt selbst erfahrenen Sportwagenpiloten den Atem, wenn es durch die Kurvenkombinationen der BYD-Teststrecke von Zhangzhou geht. Und trotz schier unfassbarer Fahrleistungen (auf Tempo 100 geht es in 2,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei 392 km/h erreicht) ist der heißeste Sportwagen aus dem BYD-Universum ein echtes Schnäppchen. Kostet der teilelektrische Lamborghini Revuelto (Spitzenleistung: 747 kW) über 500.000 Euro und ein vollelektrischer Lotus Evija (1471 kW) gar zwei Millionen, ist der Yangwang U9 in China bereits für umgerechnet 300.000 Euro zu haben.
Sein Design ist scharf, heiß, verführerisch – eine sehenswerte Monocoque-Karosserie aus Kohlefaser, um Gewicht zu sparen. Dazu bietet der chinesische Hypersportler eine 800-Volt-Architektur für kürzeste Ladezeiten bei 500 kW und ein klassisches Mittelmotor-Design nebst gewaltigem Heckflügel für maximalen Abtrieb. Den braucht es auch, wenn Yangwang der U9 gefordert wird. Im vergangenen Sommer schaffte der deutsche Rennfahrer Marc Basseng auf einer Teststrecke in Papenburg einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Elektrofahrzeuge auf: 472,41 km/h. Das ist Flugzeugniveau.

Während einiger Runden auf dem 1,4 Kilometer langen Rundkurs von BYD in Zhangzhou konnten wir uns einen ersten Fahreindruck von dem elektrischen Hypercar machen. Der große Heckflügel fährt wie bei Porsche erst bei höheren Geschwindigkeiten aus.
So wild die technischen Daten auch sein mögen – im Innenraum wirkt der 4,97 Meter lange Yangwang U9 wie ein ganz normaler Sportwagen nach McLaren-Vorbild mit Leder, Alcantara, Ambientelicht und einem vertikalen 12,3-Zoll-Touchscreen. Alles wertig – alles sehenswert und die Sportsitze passen bestens.
Ein E-Motor für jedes einzelne Rad
Nach einigen Runden auf dem 1,4 Kilometer langen Rundkurs von Zhangzhou fühlt sich die 2,4-Tonnen schwere Rakete zwar schwer an, bleibt im Grenzbereich aber bemerkenswert agil. Die Lenkung bietet dabei ein exzellentes Ansprechverhalten und vermittelt ein hervorragendes Fahrgefühl. Die Kurveneinfahrt ist schier überragend und die Karosserie bleibt dank des ausgeklügelten aktiven Luftfederungssystems und einer ungemein steifen Karosserie auch unter härtesten Anforderungen stabiler denn je.

Im Innenraum ist der Yangwang U9 ein ganz normaler Sportwagen mit Leder, Alcantara, Ambientelicht und einem vertikalen 12,3-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole. Fotos: BYD
Dabei hat die Federung einen maximalen einstellbaren Federweg von bis zu 75 mm, während die maximale Hubgeschwindigkeit an einer einzelnen Achse 500 mm/s erreicht. Derweil sorgt das Vier-Motoren-Konzept dafür, dass jedes Rad seine eigene Antriebseinheit bekommt – mehr Drehmoment an einem einzelnen Rad geht kaum. Um den Koloss leichter zu bändigen, kann der Fahrer über sechs Modi vorab aktiv ins Geschehen eingreifen.
Überraschend: trotz der gewaltigen Leistung hat der U9 mit seinem 80-kWh-Blade-Batteriepaket im Unterboden einen überraschenden Restkomfort, der verhindert, bockelhart über die Piste zu donnern. Angenehm: die serienmäßigen Karbon-Keramik-Bremsen beißen heftig zu – allerdings lässt sich das Bremspedal nicht einfach dosieren. Die Bremse reagiert aggressiv und abrupt – da braucht es noch Feinarbeit für die Yangwang-Ingenieure. Aber sonst…..Wahnsinn! Spätestens im kommenden Jahr soll der Yangwang U9 auch offiziell in Europa angeboten werden. Das könnte ein heißer Ritt werden.