Sie machen es spannend bei Volkswagen mit dem neuen VW ID. Polo – dem neuen, vollelektrischen wie bezahlbaren „Freund für den Alltag, wie es VW-Chefdesigner Andreas Mindt formuliert. Mitte Dezember gaben sie am Produktionsort nahe Barcelona den Blick frei auf den neuen Kleinwagen im Harlekin-Gewand, erlaubten sie auch schon eine erste kurze Ausfahrt mit dem wieselflinken Stromer.

Nun erlauben die Wolfsburger auch einen ersten Blick in den Innenraum. Zumindest teilweise: Die ersten Fotos zeigen nur das Cockpit samt Lenkrad und die Bedientasten für die Fensterheber. Komplett enthüllt wird der ID. Polo erst im April – zum offiziellen Verkaufsstart der 155 kW (211 PS) starken Start-Version mit einem 52 kWh-Akku in NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)-Technologie der VW-Tochter PowerCo aus Salzgitter. Und am 15. Mai wird am Rande des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring als zweite, noch stärkere Variante der ID. Polo GTi-Variante vorgestellt. Erst Ende August, Anfang September wird dann endlich das rund 25.000 Euro teure, 85 kW starke Einstiegsmodell mit einem preiswerten, 37 kWh großen-Akku in LFP (Lithium-Eisen-Phosphat)-Ausführung vorgestellt. Was manchen enttäuscht, aber betriebswirtschaftlich Sinn macht – je preisgünstiger das Fahrzeug, desto geringer sind die Gewinnspannen.

Im Harlekin-Kleid auf Testfahrt in Barcelona 
Trotz der Maskerade ist die konventionelle Grundform des neuen vollelektrischen VW Polo gut zu erkennen. Sie schafft Vertrauen.
Im Harlekin-Kleid auf Testfahrt in Barcelona
Trotz der Maskerade ist die konventionelle Grundform des neuen vollelektrischen VW Polo gut zu erkennen. Sie schafft Vertrauen.

Der Polo-Striptease wird sich also ähnlich wie eine Netflix-Serie über das ganze Jahr hinziehen. Wir sind jetzt gerade mal bei Folge zwei. Und was sehen wir? Vor allem eines: Eine Rückbesinnung auf alte VW-Tugenden gepaart mit neuer Digitalität. Volkswagen hat offensichtlich zugehört. Nach der Kritik an der Bedienbarkeit früherer ID.-Modelle wurde das Interieur „auf Basis von Kundenfeedback komplett neu gestaltet“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Das Ergebnis ist eine Cockpit-Landschaft, die nicht nur digitaler, sondern vor allem wieder „griffiger“ wird – und den Traditionalisten eine Brücke in die Zukunft baut.

Das Ende der „Touch-Wüste“

Das wichtigste Signal aus Wolfsburg: Es darf wieder gedrückt und gedreht werden. Erst beim ID. Polo, später , nach einer weiterer Produktpflege, wohl auch beim ID.3. Kai Grünitz, VW-Markenvorstand für Technische Entwicklung, verspricht eine „intuitive Bedienwelt mit physischen Tasten“. Konkret bedeutet das für den ID. Polo:

  • Unterhalb des riesigen Infotainment-Screens (dazu gleich mehr) gibt es nun eine separate Leiste mit echten Tasten für zentrale Klimafunktionen und den Warnblinkschalter.
  • Auch am komplett neuen Multifunktionslenkrad finden sich nun wieder klar gegliederte Tastenfelder statt reiner Touch-Flächen. Links mit Knöpfen für die Steuerung der Assistenzsysteme, recht mit Knöpfen für das Infotainment-System, Sprachsteuerung und Lenkradheizung – ja, auch auf die muss man im ID. Polo nicht verzichten.
  • Und in der Armlehne findet der Fahrer in bewährter Manier wieder Einzeltaster für alle vier Fenster vor – um die hinteren Scheiben absenken zu können, muss im aktuellen VW ID.3 noch über einen separaten Taster umgeschaltet werden.
  • Vielleicht das Highlight für alle, die das haptische Feedback vermisst haben: Zwischen Smartphone-Ablage und Cupholdern sitzt ein für Fahrer und Beifahrer gut erreichbarer Drehregler für die Lautstärke des Infotainment-Systems. Der Slider unterhalb des Zentralmonitors verschwindet in der Mottenkiste.
Runde Sache 
Am komplett neuen Multifunktionslenkrad finden sich nun wieder klar gegliederte Tastenfelder statt reiner Touch-Flächen. Fotos: VW
Fingerspielerei
Am neuen Multifunktionslenkrad finden sich wieder klar gegliederte Tastenfelder statt reiner Touch-Flächen. Über die neun (!) Tasten auf der linken Seite werden die Assistenzsysteme gesteuert, über die rechten zehn unter anderem das Infotainmentsystem. Fotos: VW

Trotz der haptischen Renaissance bleibt der ID. Polo natürlich ein Digital Native. Die Architektur ist strikt horizontal ausgerichtet, dominiert von zwei großen Displays auf einer Sichtachse. Hinter dem Lenkrad blickt der Fahrer auf ein 26 cm (10,25 Zoll) großes „Digital Cockpit“. Daneben thront ein knapp 13 Zoll (33 cm) großer Touchscreen für das Infotainment, der laut VW aufgrund seiner Größe eine Besonderheit in diesem Segment darstellt.

Die „Secret Sauce“: Ein Augenzwinkern in Richtung 80er

Andreas Mindt nennt den VW ID. Polo einen „Freund für den Alltag“, und gute Freunde haben bekanntlich Humor. Das Designteam nennt solche emotionalen Details intern „Secret Sauce“. Beim ID. Polo schmeckt diese Sauce ein wenig nach Nostalgie. Denn auf Knopfdruck verwandeln sich die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad in eine „Retro-Anzeige“, die grafisch exakt die Uhren der zweiten Golf-Generation aus den 80er Jahren zeigt. Koppelt man sein Smartphone mit dem System, wird auf dem Touchscreen spaßeshalber ein Kassettendeck angezeigt. Ein nettes Gimmick, das zeigt, dass Elektromobilität nicht bierernst und immer futuristisch daherkommen muss.

Zurück in die Zukunft
Auf Knopfdruck verwandeln sich die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad in eine „Retro-Anzeige“, die grafisch exakt die Uhren des VW Golf II aus den 80er Jahren zeigt. Tankuhr und Kühlertemperatur fehlen hier, dafür gibt es eine Ladestandsanzeige in 14 Punkten.
Zurück in die Zukunft
Auf Knopfdruck verwandeln sich die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad in eine „Retro-Anzeige“, die grafisch exakt die Uhren des VW Golf II aus den 80er Jahren zeigt. Tankuhr und Kühlertemperatur fehlen hier, dafür gibt es eine Ladestandsanzeige in 14 Punkten.

Abseits der Spielereien soll der Innenraum vor allem wertig wirken. VW nennt die neue Designsprache „Pure Positive“. Das spiegelt sich in stoffbespannten und unterfütterten Oberflächen auf dem Armaturenbrett und in den Türen wider, was den sonst oft nüchternen Kunststoff-Look der Kleinwagenklasse aufbrechen – und das spartanische Hartplastik-Interieur des VW ID.3 der Anfangsjahre vergessen machen soll. Dazu passt das weiterentwickelte „ID.Light“, jene Lichtleiste an der Windschutzscheibe, die nun bis in die Vordertüren reicht und intuitiv mit dem Fahrer kommuniziert.

Technik-Upgrade unter der Haube

Auch verrät der Innenraum auch etwas über die neue Software-Generation. Der ID. Polo erbt Features aus den höheren Klassen wie dem VW ID.7:

  • One-Pedal-Driving zieht nun auch in den kleinen Stromer ein.
  • Der „Travel Assist“ in der dritten Generation erkennt künftig sogar rote Ampeln und Stoppschilder.

Kurzum: Die zweite Folge der „ID. Polo-Serie“ macht durchaus Lust auf mehr. VW scheint verstanden zu haben, dass ein „bezahlbarer Freund“ nicht billig wirken darf, sondern vertraut – oder wie Mindt es ausdrückt: „Klare physische Tasten sorgen für Stabilität und Vertrauen.“

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert