5C sind schon eine Ansage. Zur Erinnerung und Einordnung: Die sogenannte C-Rate steht beim Elektroauto für den Faktor, der die maximale Ladeleistung im Verhältnis zur Nennkapazität des verbauten Akkus angibt. Sie liefert also einen (groben) Anhaltspunkt, wie lange das komplette Laden des Stromspeichers dauert. Bei 1C beträgt die maximale Ladeleistung an einer Schnellladestation also bei einem E-Mobil mit einem 50 kWh-Akku 50 kW, die Ladung des leeren Akkus auf 100 Prozent rund eine Stunde. Tatsächlich braucht ein Renault 5 mit 50 kWh-Akku dank einer maximalen Ladeleistung von 100 kW und einer C-Rate von 2 nur eine halbe Stunde. In der Premiumklasse sind heute Werte um die 3C üblich – Ladezeiten um die 20 Minuten und maximale Ladeleistungen um die 300 kW. Wie etwa beim Porsche Taycan mit seiner 100 kWh großen Batterie.

Der neue, 4,78 Meter lange und 345 kW starke BMW i3X 50 XDrive, der gerade auf der IAA Mobility in München seine Weltpremiere erlebt, lädt sein brutto 108,7 kWh großes Akkupaket dank einer 800-Volt-Architektur sogar mit 400 kW und gewinnt damit in zehn Minuten Ladezeit an einem (dazu fähigen) HighPowerCharger bis zu 372 Kilometer Reichweite. Eine Rate von 4C ist da nicht mehr weit.

"Lademeister" XPeng G9 
Der LFP-Akku des Elektro-SUV lädt den Strom mit bis zu 585 Kilowatt. Gleichzeitig stieg die Lebensdauer der Batterie um 30 Prozent.
„Lademeister“ XPeng G9
Der LFP-Akku des Elektro-SUV lädt den Strom mit bis zu 585 Kilowatt. Gleichzeitig stieg die Lebensdauer der Batterie um 30 Prozent.

Doch die Chinesen setzen noch eins obendrauf. VW-Partner XPeng präsentiert auf der IAA Mobility die neue Modellgenerationen des aktuellen, 4,76 Meter langen und 218 kW starken Einstiegsmodells G6 und seines aktuellen Flaggschiffs, des 4,89 Meter langen und 258 kW starken Luxus-SUV G9. Und beide Modelle, die ebenfalls über ein 800-Volt-Bordnetz verfügen, können nach Angaben des Herstellers bereits 5C. Der G9 hat in der „Long Range“-Version eine brutto 83,1 kWh fassende Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batterie an Bord, die mit bis zu 585 kW geladen werden kann. Zehn Minuten reichen dann, um über 450 Kilometer Reichweite zu gewinnen.

In fünf Minuten ist der Akku wieder zu 80 Prozent voll

Und der G6 ist kaum weniger langsam, beherrscht ebenfalls 5C. Nur mit dem Unterschied, dass dessen LFP-Akku lediglich brutto 80,8 (netto 80) kWh fasst und „nur“ mit maximal 451 kW den Strom aufnehmen kann. Aber nach spätestens nach zwölf Minuten ist die Batterie auch hier wieder zu 80 Prozent gefüllt – für die nächste Etappe von 420 Kilometern Länge.

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und sind bei einer ersten Ausfahrt mit dem G6 unweit des Forschungs- und Entwicklungszentrums von BMW in Garching an einen HighPowerCharger von Ionity gerollt. Die Batterie war da noch zu 51 Prozent gefüllt. Und nach handgestoppten fünf Minuten war der Akku wieder zu 80 Prozent gefüllt, konnten wir die Fahrt fortsetzen. Der Fahrer eines Audi Q4 e-tron, der seinen Stromer an der benachbarten Säule schon bei unserer Ankunft lud, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Laden mit 5C 
Mit bis zu 451 kW kann der Xpeng G6 den Strom am HighpowerCharger aufnehmen - so der dazu denn schon in der Lage ist.
Laden mit 5C
Mit bis zu 451 kW kann der XPeng G6 den Strom am Highpower-Charger aufnehmen – so der dazu denn schon in der Lage ist.

Hohe Ladeleistungen, kurze Ladevorgänge – das hat schon was. Zumal XPeng versichert, dass die Lebensdauer der Batterie nicht unter den hohen Laderaten leidet. Im Gegenteil: „Trotz dieser Bestwerte konnte XPeng die Lebensdauer der Hochvoltbatterie um 30 Prozent steigern“, so Europachef Markus Schrick. Man sei davon so sehr überzeugt, dass man auf die Hochvoltbatterie eine Garantie über acht Jahre oder 160.000 Kilometer geben könne – ein Jahr mehr als auf das Gesamtfahrzeug.

Futuristisches „Raumschiff“-Design

Sehen lassen können sich aber auch die Fahrzeuge selbst. Das Team um JuanMa Lopez – der früher für Audi, Lamborghini, Ferrari und Genesis arbeitete – hat das von Raumschiffen inspirierte futuristische Design der beiden SUVs nur dezent optimiert, es hier und da ein wenig geglättet und mit neuen Leuchteinheiten versehen. Die Gewöhnung fällt deshalb deutlich leichter als beim BMW iX3, dessen kantige Optik polarisiert. Im Innenraum der XPeng-Modelle gibt es frische hochwertige Materialien und neue Farbakzente, für den G6 wegen der schlechten Sicht nach hinten nun einen digitalen Rückspiegel, der brillant klare Bilder auch in der Dunkelheit liefert.

Feines Nappaleder statt recycelter Plastikmüll 
Ein feines Ambiente bietet der XPeng G9, wird das Premium-Paket geordert. Der große Zusatz-Monitor für den Beifahrer ist aber schon in der Basisausführung montiert. Etwas Eingewöhnung verlangt das Tesla inspirierte Bedienkonzept. Fotos: Xpeng
Feines Nappaleder statt recycelter Plastikmüll
Ein feines Ambiente bietet der XPeng G9, wird das Premium-Paket geordert. Der große Zusatz-Monitor für den Beifahrer ist aber schon in der Basisausführung montiert. Etwas Eingewöhnung verlangt das Tesla inspirierte Bedienkonzept. Fotos: Xpeng

Zudem werden die Insassen mit noch mehr Komfort verwöhnt als vorher schon: Die elektrisch verstellbaren Vordersitze des G6 verfügen serienmäßig nicht nur über feine (Kunst-)Lederbezüge, sondern nun auch über eine Massagefunktion. Im luftgefederten und mit elektromagnetischen Dämpfern ausgestattetem G9 war schon vorher der Fahrkomfort auf höchstem Niveau. Und das Ganze ohne Aufpreis.

Xpeng-Preise lassen BMW-Käufer aufhorchen

Ohnehin ist die Aufpreisliste bei beiden Modellen erfreulich kurz. Wer mag, kann beim G6 für 1190 Euro zusätzlich eine Anhängerkupplung ordern, um Lasten von bis zu 1500 Kilogramm hinter sich herziehen zu können. Und wer sich nicht mit einer weißen Außenlackierung anfreunden mag, kann für 800 Euro Aufpreis sein Traumauto zum Beispiel in Stellar Purple-Metallic lackieren lassen. Dem Sternenhimmel fühlt er sich dann nicht nur aufgrund des (serienmäßigen) großen Panoramadachs näher.

Beim Xpeng G9 kostet die Anhängerkupplung (mit gleicher Zuglast) 1260 Euro, eine alternativfarbige Außenlackierung 1000 Euro. Zudem gäbe es die Möglichkeit, für 3.960 Euro den Innenraum mit einer feinen Napplader-Garnitur und einem Dachhimmel in Wildleder-Optik weiter aufzupeppen.

Ein Spoiler mehr für den Fahrspaß 
Die Heckklappe des XPeng G6 bekam ein "Ducktail" zur Verbesserung von Aerodynamik und Anpressdruck, aber auch, um den sportlichen Charakter des Elektro-Crossover zu betonen, der in der Allrad-Version in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 sprintet.
Ein Spoiler mehr für den Fahrspaß
Die Heckklappe des XPeng G6 bekam ein „Ducktail“ zur Verbesserung von Aerodynamik und Anpressdruck, aber auch, um den sportlichen Charakter des Elektro-SUV-Coupé zu betonen, der in der Allrad-Version in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 sprintet.

Das dreifach dimmbare Solardach und das famose Soundsystem von Dynaudio mit Dolby Atmos ist hingegen bereits im Basispreis von 63.600 Euro für die heckgetriebene Long Range-Version inbegriffen. Wer auf Allradantrieb Wert legt und 423 kW Antriebsleistung benötigt, zahlt 9000 Euro mehr – und landet bei 72.600 Euro. Übrigens genau so viel wie vor der Modellpflege. Selbst der Strafzoll der EU in Höhe von 21 Prozent hat daran nichts geändert.

Auch nicht an der Preisliste beim Xpeng G6. Sie fängt weiterhin bei 47.600 Euro für die 218 kW starke Basisversion an und sieht lediglich 51.600 Euro für den 358 kW starken „Performance“-Allradler vor. Für den BMW iX3 (ab 68.900 Euro) müsste man da noch wenigstens 20.000 Euro drauflegen, um auf ein ähnliches Ausstattungsniveau zu kommen. Selbst mit einem Top-ausgestatteten G9 käme man unter Umständen günstiger weg – und könnte den Bayern an der Ladestation die lange Nase zeigen.

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19 Kommentare

  1. Timo

    Der Xpeng hat deutlich weniger Reichweite und davon wird hier nichts erwähnt.
    Dazu gibt es so gut wie keine Ladesäulen wo sich dieser kleine Vorteil des Xpeng lohnen würde.

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  2. Wolfgang Schulze

    Wo bitteschön gibt es eine Ladesäule mit 585 kW??? Braucht kein Mensch… lieber mehr gut funktionierende mit 150 kW…

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    • Franz W. Rother

      Richtig, bei uns sind die noch Mangelware. Ebenso wie Megawatt-Charger. Aber die kommen noch. 150 kW-Charger sind auch bei Ladeleistungen von 250 kW suboptimal.

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  3. Peppe

    Dass bei BMW eine ebenso „schwächere“ Basisvariante für 60.000,- folgen wird, lässt der Autor hier aus. Das ist zweifellos noch immer viel Geld, aber nicht mehr als bei den aktuellen Verbrennern.

    „Die lange Nase an der Tankstation“ zeigen klingt für mich auch etwas arg kindisch. Das ist wie, wenn ein Fahrer an jeder Ampel unbedingt den Proleten raushängen lassen muss.

    Bei den bereit stattgefundenen Testfahrten des iX3 durch diverse YouTuber, gibt es auch diverse chinesische Tester, die den BMW in Sachen Fahrwerk weit vor jeglichen chinesischen Kollegen sehen (bspw. hier : https://www.youtube.com/watch?v=ry3mzRVFpCU). Schade, dass der Autor hier nicht dieselbe Möglichkeit für eine Testfahrt genutzt hat, um Erfahrungswerte für einen richtigen Vergleich zwischen dem G6 und dem iX3 anstellen zu können.

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  4. Rudi

    Ich kauf lieber einen Xpeng als das Brüsseler Regenbogen/Wir schaffen das/Es gibt 867 Geschlechter-Regime zu unterstützen.
    Ausserdem sind die Xpeng 10x schöner.

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  5. André

    bezüglich Reichweite ist leider nicht berichtet wer mit 150 km weniger startet lädt natürlich früher;-)

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  6. DKK

    Seid ihr noch zu retten? Für das Geld kriege ich ein Rohbauhaus. Euch geht’s definitiv zu gut.

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    • Franz W. Rother

      Uns definitiv nicht. Richtig ist: Die Preise muss man sich leisten können/wollen. Wobei wir vom Kauf eines Elektroautos grundsätzlich abraten – erst einmal nur leasen

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  7. Sigi

    ich kaufe deutsche Wertarbeit und kein Kommunisten-Auto. wir in Europa müssen zusammen stehen, es sind unsere Arbeitsplätze!

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    • Adrian Lauer

      ja gut gesagt 👍👍ich bin auch gleichen meinung

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    • Henrik Dolling

      Was haben Sie denn für einen Fernseher, Löwe für 7000 Euro (?)

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      • Duesendaniel

        Der Hinweis auf Fernseher beim Autokauf ist ein ‚Whataboutism‘ und nicht hilfreich.
        Jedes Produkt aus Deutschland hilft, auch wenn es nicht konsequent alle sind und vor allem nicht aus China.
        Loewe Fernseher gibt es übrigens schon für deutlich unter 1000€.

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      • Elektrofloh

        Den Unterschied zwischen KW und KWH sollte man bei Edison doch eigentlich kennen, oder?

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        • Franz W. Rother

          Davon ist auszugehen.

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    • Murat Selimagic

      Ich bin voll bei dir!

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    • Michael

      Der BMW wird in Ungarn gebaut, schön bei Herrn Orban, Putin Versteher und was weiss ich noch. Denke da hat jeder in Berlin gebaute Tesla mehr deutsche Wertarbeit intus und mehr deutsche Arbeitsplätze gehalten, als dieser BMW 😉

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    • JaMeister

      Jeder, der ein China-Auto kauft, ist direkt für den Niedergang des deutschen Wohlstands mit verantwortlich! Abgesehen von dem hier wenig sachlichen Vergleich, ist schon die Überschrift eher darauf angelegt, Aufmerksamkeit (= Klicks) zu erreichen. Damit wird (beabsichtigt?) ganz generell das Thema suggeriert, die deutschen Autobauer hätten (wieder mal) die Trends verschlafen. Das ist wenig hilfreich.

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  8. Stef

    „Xpeng-Preise lassen BMW-Käufer aufhorchen“ – ja nö. Lassen sie nicht. Mag sein dass der Chinaböller schnell lädt. Juckt mich als zu Hause Lader herzlich wenig. Genau wie der Rest. Wenn ich mich für nen BMW interessiere kaufe ich keinen Xpeng. Ist wie ein iPhone vs Android.

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  9. Pse

    Also wegen 450km oder 372km in zehn Minuten kaufe ich mir bestimmt keinen Chinesen der dan nach 2 Jahren garnicht mehr existieren muss.

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