Am Standort des Kohlekraftwerks Staudinger des Energiekonzerns Uniper am Main bei Hanau entsteht künftig eine umweltfreundliche Großstrombatterie mit einer Leistung von einem Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von einer Megawattstunde (MWh). Das Pilotprojekt „UniBlu“, an dem Uniper zusammen mit dem Batterieentwickler CMBlu arbeitet, greift auf eine innovative Technologie zurück: Statt herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkus kommen hier organische Solid-Flow-Batterien zum Einsatz.

Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2023 geplant, danach sei eine Erweiterung im „zweistelligen Megawatt-Bereich“ vorgesehen. Verlaufen die Tests gut, könnte die Technologie ein wichtiger Teil des Transformationsprozesses auch an den anderen Kraftwerksstandorten von Uniper und ein „Gamechanger“ bei der Energiewende werden, hieß es bei der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der  CMBlu AG und Uniper: Die zunehmende Elektrifizierung von Prozessen in der Industrie und in privaten Haushalten führe zu erhöhten Anforderungen an die Grundlastfähigkeit von erneuerbaren Energien, damit die Versorgungssicherheit gewahrt bleibt. Leistungsstarke stationäre Stromspeicher für erneuerbare Energien seien dafür unabdingbar.

Bessere Eigenschaften als Lithium-Ionen-Batterie

Organic Solid-Flow Batterien speichern elektrische Energie in flüssigen Elektrolyten statt mit festen Elektroden. Die Elektrolyte werden in externen Tanks gespeichert und während des Lade- und Entladevorgangs in einem konstanten Fluss durch die Batteriestacks gepumpt. Anstelle von Metallionen werden zudem Elektrolyte aus Kohlenstoffverbindungen genutzt.

Grüne Zukunft 
Am Standort des Kohle- und Gaskraftwerks Staudinger am Main bei Großkrotzenburg soll ab kommenden Jahr eine innovative Organic Solid-Flow-Batterie den produzierten Strom in großen Mengen zwischenspeichern. Foto: Uniper
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Am Standort des Kohle- und Gaskraftwerks Staudinger am Main bei Großkrotzenburg soll ab kommenden Jahr eine innovative Organic Solid-Flow-Batterie den produzierten Strom in großen Mengen zwischenspeichern. Foto: Uniper

Im Vergleich zu den herkömmlichen Batterien „gibt es bei Organic Solid-Flow-Batterien keine Abhängigkeiten von seltenen oder konfliktbehafteten Rohstoffen und Lieferketten“, erläuterte Peter Geigle, der CEO von CMBLu. „Die Materialien der Organic Solid-Flow-Batterien sind weltweit in praktisch unbegrenztem Umfang verfügbar.“ Die Leistungseinheit bestehe hauptsächlich aus Kunststoff und sei daher nahezu vollständig recycelbar.

Hohes Skalierungspotenzial

Das wirke sich auch positiv auf den Preis aus. So kosten stationäre Speicher von CMBlu mit 50 MW Leistung bei 250 MWh Kapazität nach Unternehmensangaben etwa 363 Euro pro Kilowattstunde (kWh). Zum Vergleich: Ein Speicher von Tesla mit 50,4 MW Leistung und 201 MWh Kapazität kostet umgerechnet 434 Euro/kWh.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Beim Thema Leistungsdichte liegt die organische Batterie laut CMBlu ebenfalls vor der herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterie: Sie braucht nur 2,5 Quadratmeter Standfläche für eine MWh Speicherkapazität während ein Lithium-Ionen-Speicher dafür 3,9 Quadratmeter Fläche benötigt. Auch bei der Lebensdauer soll die neue Batterieart Vorteile haben. Sie kommt laut Unternehmensangaben auf 10 Jahre und 10.000 Ladezyklen und übertrifft damit die Charakteristiken der klassischen Batterie „um ein Vielfaches“, so CMBlu. Darüber hinaus ist sie praktisch weder brennbar noch explosiv und daher entsprechend sicher in Betrieb und Handhabung.

Einsätze auch im mobilen Bereich

Kurzfristig will die im bayerischen Alzenau beheimatete CMBLu Speicher mit einer Leistung von etwa 150 MW herstellen. Zwischen 2023 und 2024 soll diese Zahl auf 600 MW steigen und dann auch einen Multi-GWBereich erreichen. Das aktuell größte Kooperationsprojekt hat CMBLu derzeit mit Burgenland Energie. Ziel sei es, bis circa 2030 eine Speicherkapazität von 300 bis 500 MW in Österreich zu errichten.

Auch wenn beide Unternehmen das zentrales Anwendungsfeld von Organic Solid-Fuel-Batterien die stationäre Speicherung großer Strommengen (unter anderem auch an Ladeparks von Elektroautos) sehen, könnte die Batterie auch mobilen Bereich, beispielsweise im maritimen Segment zum Einsatz kommen. „Die Schiffe haben die nötige Fläche, um dort solche Batterien unterzubringen“, sagte CMBlu-CEO Geigle. Er sei sicher, dass bald künftig elektrisch betriebene Schiffe die Meere befahren werden.

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4 Kommentare

  1. Avatar

    „Großstrombatterie mit einer Leistung von einem Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von einer Megawattstunde (MWh).“

    Eine Megawattstunde? Ich verbrauche 4 im Jahr, ist das wirklich eine Meldung wert?

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      Da ist von 50 MW Leistung bei 250 MWh die Rede, skalierbar in den Multi-GWBereich nach 2024.

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  2. Avatar

    Ist da nicht ein Fehler im Artikel?

    „entsteht künftig eine umweltfreundliche Großstrombatterie mit einer Leistung von einem Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von einer Megawattstunde (MWh)“ und „Sie braucht 2,5 Quadratmeter für eine MWh“

    Dann hätte die vor Ort mit großem TamTam aufgebaute Batterie auch der Häfte der Halle nur eine innere Fläche von 2,5qm??????

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    • Franz W. Rother

      Gemeint ist die Standfläche

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