Stromspeicher sind für die Energiewende unverzichtbar, daran besteht kein Zweifel. Der Thinktank Agora Energiewende rechnet mit einem zusätzlichen Bedarf von wenigstens 3.000 MW bis 2030. Das Start-up Jenabatteries will den Markt jetzt mit einer Redox-Flow- oder Flussbatterie aufmischen, die nach Unternehmensangaben ohne kritische Rohstoffe auskommt. „Redox“ steht für „Reduction“(also die Elektronenaufnahme) und „Oxidation“ (die Elektronenabgabe), „Flow“ für das flüssige Speichermedium.

Andere Stromspeicher des Typs bräuchten erhebliche Rohstoffmengen und auch kritische Rohstoffe, erläutert CEO Philipp Hammans – die Redox-Flow-Batterie von Jenabatteries hingegen nicht. „Unser Rohstoff ist Salz.“ Der Vorteil: Salz ist überall auf der Welt in großen Mengen verfügbar. Die EWE Gasspeicher GmbH – Tochter des Oldenburger Energieunternehmens EWE – plant mit dem Projekt „brine4power“ eine aufgelassene Salz-Kaverne in die „größte Batterie der Welt“ zu verwandeln.

Containerlösungen mit 400 kWh Kapazität

Entscheidender Unterschied zu gängigen Speichertechnologien ist demnach, dass Jenabatteries kein Metall verwendet. Wegen ihrer Nachhaltigkeit sei die Technologie eine Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus oder metallhaltigen Redox-Flow-Batterien, etwa auf Basis von Vanadium. Weiterer Vorzug: Sie können nicht brennen oder explodieren.

Aktuell haben die Entwickler eine skalierbare Containerlösung mit einer Kapazität von 400 kWh und einer Leistung von 100 kW im Portfolio. „Durchstarten“ werde Jenabatteries mit dieser Variante allerdings noch nicht, sondern das Ganze erst auf die nächsthöhere Ebene heben, erklärte Hammans. Ziel sei, in spätestens fünf Jahren Stromspeicher mit Leistungen im MW-Bereich anzubieten. Potenzielle Kunden dafür stünden bereits Schlange, so der Firmenchef.

Automatisierte Fertigung in Planung

Philipp Hammans 
Der 45-jährige Ingenieur arbeitete früher für Jenoptik und führt nun die Geschäfte von JenaBatteries. 
 Foto: JenaBatteries GmbH
Philipp Hammans
Der 45-jährige Ingenieur arbeitete früher für Jenoptik und führt nun die Geschäfte von JenaBatteries.
 Foto: JenaBatteries GmbH

Die zentrale Stellschraube der Technologie von Jenabatteries sind die Stacks, die noch manuell gefertigt werden. In einem Jahr, längstens in zwei Jahren soll sich das ändern und eine skalierbare „robotisierte“ Produktion im Jenaer Werk stehen, begleitet und optimiert von einem digitalen Zwilling. Um diesen Plan umzusetzen, benötigt das Unternehmen Kapital. Denn noch verkauft Jenabatteries im eigentlichen Sinne nichts.

Die nötigen Finanzmittel sollen neben bestehenden Investoren auch neue Projekte mit Kunden bringen. Demoprojekte wie im Rahmen von „EnergyKeeper“ in den Niederlanden gab es bereits. Darüber hinaus will sich das Unternehmen um Fördermittel des Bundes und der Länder bewerben. Für das erste Quartal ist geplant, ein sogenanntes Reallabor ins Leben zu rufen und dafür einen Fördermittelantrag zu stellen.

Es sei nicht exakt vorherzusagen, wie viele Speicherkapazitäten bis 2030 oder sogar 2050 nötig sind, erläuterte Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des BVES, kürzlich gegenüber energate.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Bis 2030 will die Koalition aus SPD, Grünen und FDP statt wie bisher 65 nun 80 Prozent Anteil Erneuerbarer am Strommix erreichen. Auf diese Entwicklung setzt auch Hammans. Er sieht großes Marktpotenzial, „sei es durch zunehmendes Umweltbewusstsein, den geplanten Erneuerbarenausbau oder Umweltvorgaben für Unternehmen“.

Speicherbedarf steigt steil an

Einig sind sich Experten aber darin, dass die Nachfrage nach Stromspeichern stark steigen wird. Und darin, dass alle Arten von Speichern – Pumpspeicher, Batteriespeicher, Wasserstoff oder thermische Speicher – benötigt werden. Ein Treiber dahinter ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Wunsch auch vieler Verbraucher, etwa für den Betrieb von Elektroautos und Wärmetauschern möglichst viel Grünstrom nutzen zu können.

Um das zu bedienen, skalieren Hammans und sein Team ihren Speicher weiter. Für ihr Redox-Flow-Verfahren lösen die Entwickler organische Salze in Wasser auf und lagern diese in zwei verschiedenen Tanks, getrennt durch einen Zellstapel (Stack). Die Tanks bilden dabei den Minus- beziehungsweise Pluspol. Wird die Salzlösung durch den Stack gepumpt, werden Elektronen gebunden und wieder abgegeben – also Strom gespeichert.

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