Das Verbrenner-Aus ist politisch Geschichte. Die EU hat die Regelung aufgeweicht, der Druck ist erst einmal raus. Für viele Autofahrer klingt das wie eine Entlastung: mehr Zeit, weniger Zwang, vermeintlich mehr Wahlfreiheit. Doch während über Regulierung und Technologiepfade diskutiert wird, verändert sich die wirtschaftliche Realität der Mobilität bereits deutlich – und zwar vor allem bei den laufenden Kosten. Und genau dort sprechen die Zahlen weiterhin eine klare Sprache.

Der Autor dieses Beitrags ist Co-Gründer und CEO des Energieunternehmens Rabot Energy. Der Physiker gründete zuvor mehrere Unternehmen im Energiesektor und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Strommärkten, erneuerbaren Energien und der Digitalisierung des Energiesystems. Foto: Rabot Energy
Aktuelle geopolitische Entwicklungen zeigen erneut, wie stark fossile Energieträger von globalen Konflikten wie dem Iran- oder dem Ukraine-Krieg abhängen. Schon kleine Spannungen in wichtigen Förderregionen können die Ölpreise kurzfristig nach oben treiben. Entsprechend reagieren auch die Benzinpreise. In Deutschland haben sie zuletzt wieder die Marke von zwei Euro pro Liter überschritten. Diese Volatilität ist kein einmaliges Ereignis. Sie ist struktureller Bestandteil eines Systems, das auf importierte Rohstoffe angewiesen bleibt.
Fossile Mobilität wird strukturell teurer
Parallel dazu steigen die politischen Kostenfaktoren für fossile Energieträger weiter an. Ein zentraler Treiber ist der CO₂-Preis. Bereits heute wirkt sich die Bepreisung von Emissionen auf den Kraftstoffpreis aus, und bis 2030 erwarten Analysen zusätzliche Aufschläge von etwa 30 Cent pro Liter allein durch die CO₂-Bepreisung. Andere Szenarien gehen sogar von bis zu 50 Cent pro Liter Mehrkosten bis zum Ende des Jahrzehnts aus, wenn Zertifikatspreise stärker steigen.
Was bedeutet das konkret im Alltag? Bei einer typischen 50-Liter-Tankfüllung entspricht ein Aufschlag von 30 Cent pro Liter bereits rund 15 Euro Mehrkosten. Steigt der Preis um 50 Cent pro Liter, sind es 25 Euro pro Tankfüllung. Für einen Pendler mit rund 15.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr – bei etwa acht Litern Verbrauch pro 100 Kilometer – summiert sich das schnell auf 360 bis 600 Euro zusätzliche Kraftstoffkosten pro Jahr, allein durch steigende CO₂-Preise. Für Autofahrer bedeutet das: Selbst wenn der Ölpreis stabil bleibt, steigen die Kosten für fossile Mobilität mittelfristig weiter.
Die Betriebskosten entscheiden
Vor diesem Hintergrund rückt eine andere Frage stärker in den Fokus: die tatsächlichen Betriebskosten verschiedener Antriebsformen. Mehrere Kostenanalysen zeigen bereits heute deutliche Unterschiede. Beim Laden zu Hause liegen die durchschnittlichen Antriebskosten eines Elektroautos beispielsweise bei rund 5,9 Euro pro 100 Kilometer, während vergleichbare Benziner im Schnitt etwa 13,3 Euro pro 100 Kilometer verursachen.

Das bidirektionale Laden erlaubt es, den im Akku etwa eines Skoda Enyaq gespeicherten Strom in das Hausnetz einzuspeisen und damit dann Herd, Waschmaschine oder Beleuchtung zu betreiben. Erforderlich ist dafür nur eine spezielle Wallbox. Foto: Elli
Die Ergebnisse bestätigen, dass Elektrofahrzeuge im Betrieb deutlich günstiger sein können, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – insbesondere wenn Strom überwiegend zu Hause oder zu Zeiten niedriger Preise geladen wird. Dadurch ergeben sich Einsparpotenziale von bis zu 900 Euro pro Jahr, abhängig von Fahrleistung, Ladeverhalten und Strompreis. Der zentrale Unterschied liegt darin, dass Strompreise zeitlich variieren und damit Handlungsspielräume eröffnen.
Ein grundlegender Unterschied: der Wirkungsgrad
Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor liegt in der Energieeffizienz der Antriebe. Ein durchschnittlicher Benziner verbraucht etwa acht Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer. Das entspricht rund 68 Kilowattstunden Energie. Ein Elektroauto benötigt für dieselbe Strecke typischerweise etwa 20 Kilowattstunden Strom.
Der Unterschied entsteht vor allem durch den Wirkungsgrad der Antriebssysteme. Beim Verbrennungsmotor gehen rund 80 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme verloren – nur etwa ein Fünftel treibt tatsächlich die Räder an. Ein großer Teil der Energie, die beim Verbrenner im Tank landet, wird also gar nicht für Bewegung genutzt, sondern verschwindet als Abwärme.
Beim Elektroantrieb ist die Situation umgekehrt: Rund 60 bis 70 Prozent der eingesetzten Energie kommen am Rad an. Vereinfacht gesagt: Ein Elektroauto benötigt deutlich weniger Energie, um dieselbe Strecke zurückzulegen. Dieser physikalische Unterschied erklärt einen wesentlichen Teil der niedrigeren Betriebskosten elektrischer Fahrzeuge – unabhängig davon, wie sich Kraftstoff- oder Strompreise entwickeln.
Strom ist zunehmend planbar
Ein weiterer struktureller Trend spricht ebenfalls für elektrische Mobilität: Die Kosten für zentrale Komponenten wie Batterien sinken seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem.
Das verändert die Kostenstruktur von Mobilität grundlegend. Während fossile Energieträger weiterhin von geopolitischen Risiken und globalen Märkten beeinflusst werden, entsteht Strom aus Wind und Sonne zunehmend im eigenen Land. Damit wird Energie für Mobilität nicht nur klimafreundlicher, sondern auch kalkulierbarer.
Mit einem dynamischen Stromtarif in Kombination mit intelligenten Ladelösungen daheim können E-Auto-Fahrer sogar weiter sparen, indem sie ihre Ladezeiten aktiv in die günstigsten Bezugszeiten legen. So wird der Stromer nicht nur günstiger als der Verbrenner – sondern bietet auch noch bis zu 68 Prozent Einsparpotential bei der Nutzung eines dynamischen Stromtarifs im Vergleich zum Betrieb eines E-Autos in einem Haushalt mit Fixtarif.
Technologie- und Markttrends verstärken den Effekt
Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Fahrzeugkosten. Der Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennern ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Analysen zeigen, dass der durchschnittliche Aufpreis für batterieelektrische Fahrzeuge zuletzt nur noch rund 1.600 Euro betrug – deutlich weniger als noch vor wenigen Jahren. Mit sinkenden Batteriepreisen, steigenden Produktionszahlen und wachsender Konkurrenz auf dem Fahrzeugmarkt wird sich diese Entwicklung voraussichtlich fortsetzen.
In Kombination mit niedrigeren Betriebskosten verschiebt sich damit die wirtschaftliche Betrachtung: Der Anschaffungspreis verliert an Bedeutung, während die laufenden Kosten immer stärker ins Gewicht fallen.
Mobilität wird Teil des Energiesystems
Elektromobilität verändert zudem die Rolle von Fahrzeugen im Energiesystem. Während Verbrenner ausschließlich Energie verbrauchen, können Elektrofahrzeuge flexibel geladen werden – beispielsweise zu Zeiten mit viel Wind- oder Solarstrom. Über bidirektionales Laden können sie als mobile Speicher sogar zusätzliche Flexibilität bieten.
Dadurch entsteht ein zusätzlicher Vorteil: Strom kann dann genutzt werden, wenn er besonders günstig oder besonders klimafreundlich ist. Diese Verbindung zwischen Mobilität und Stromsystem wird mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien immer wichtiger.
Eine wirtschaftliche Entwicklung – keine politische
Die Diskussion um das sogenannte Verbrenner-Aus erweckt häufig den Eindruck, als hinge die Zukunft der Mobilität in erster Linie von politischen Entscheidungen ab. In Wirklichkeit wird sie vor allem durch wirtschaftliche Faktoren bestimmt: Energiepreise, Technologieentwicklung und Betriebskosten.
Und genau hier zeigen die aktuellen Daten eine klare Richtung. Fossile Mobilität bleibt anfällig für Preisvolatilität und steigende CO₂-Kosten. Elektrische Mobilität profitiert dagegen von sinkenden Batteriekosten, wachsender erneuerbarer Stromerzeugung und geringeren Betriebskosten.
Vor diesem Hintergrund entscheidet sich die Zukunft der Mobilität weniger im Gesetzestext als im Alltag der Nutzer – und dort vor allem an der Kostenrechnung. Denn am Ende gilt ein einfacher Grundsatz: Mobilität wird sich langfristig dort durchsetzen, wo sie wirtschaftlich am sinnvollsten ist.