Die gestiegenen Energiepreise machen den Betreibern von Ladesäulen zu schaffen. „Die Margen stehen unter Druck“, sagte Ulf Schulte, Geschäftsführer des Ladeinfrastrukturbetreibers Allego, auf einer Online-Pressekonferenz des BDEW. Ladesäulen aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit wieder abbauen werde Allego jedoch nicht, stellte Schulte klar.

Allego-Manager Ulf Schulte
Allego-Manager Ulf Schulte
„Elektromobilität ist alltagstauglich“

Auch Timo Sillober, Chief Sales & Operations Officer bei EnBW, bekräftigte, dass Standorte „keinesfalls“ geschlossen würden. Auf die Energiepreise blicken beide dennoch mit Sorge: Sillober bezeichnete die Preisschwankungen als kritisch. Allego-Chef Schulte erklärte, sein Unternehmen wolle sich bei der Energiebeschaffung mittels PPAs auch in Deutschland künftig so weit wie möglich von klassischen Lieferanten abkoppeln. „In den Niederlanden machen wir das schon.“ So genannte Power Purchase Agreements (PPA) sind Verträge zwischen einem Abnehmer und einem Erzeuger erneuerbarer Energien. Abnehmer beziehen damit direkt oder indirekt Strom zu einem vorab vereinbarten Preis. 

Sillober: Brauchen „Auslastungslogik“

Der Betrieb von Ladesäulen war bereits vor der aktuellen Krise in vielen Fällen nicht wirtschaftlich – nun aufgrund der hohen Strompreise im Einkauf umso weniger. Laut Sillober muss sich dazu erst eine „Auslastungslogik“ einstellen. Dadurch würde die Nachfrage kalkulierbarer und es müsse weniger Strom am teuren Spotmarkt beschafft werden. Die beiden Manager rechnen damit, dass die Börsenstrompreise wieder sinken werden, jedoch nicht kurzfristig. Zugleich unterstrichen sie die auf Langfristigkeit ausgelegte Kalkulation von Ladeinfrastruktur – Veränderungen an den Ladetarifen schließt EnBW aber derzeit (noch) aus.

Timo Sillober von EnBW im Ladetalk Timo Sillober ist Chief Sales & Operations Officer bei der EnBW. In der Funktion leitet er auch den Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Wie gut. Denn da gäbe es einiges zu besprechen. Laden

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betonte: Gerade jetzt sei eine ganzheitliche Betrachtung der Elektromobilität noch wichtiger. Die Bundesregierung müsse alle relevanten Stakeholder an einen Tisch holen, insbesondere Kommunen mit ihren für den weiteren Ladenetzausbau unverzichtbaren Flächen. Der Bundesregierung fehle aber bislang eine Strategie, um das eigene Ziel von 15 Millionen Elektroautos im Jahr 2030 zu erreichen, kritisiert Andreae.

98 Prozent würden wieder einen Stromer kaufen

Ihr Verband hat zuvor massive Kritik am aktuellen Entwurf des neuen Masterplans Ladeinfrastruktur geäußert, der der E-Mobilität neuen Schub bringen soll. Der Vorwurf: Zu viel Staat, zu wenig Markt. Mit gemäß „Statista“ aktuell rund 687.200 zugelassenen Batterieautos sowie rund 623.000 Plug-in-Hybriden ist Deutschland von seinem offiziellen Ziel noch weit entfernt.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Dass es der Gesetzgeber ist, der die E-Mobilität maßgeblich ausbremst, will der Verband mit einer repräsentativen Umfrage unter Fahrern von Elektroautos untermauern. Drei Viertel meinen demnach, das öffentliche Laden habe sich insgesamt verbessert. Als besonders positiv bewerteten die Befragten die gestiegene Zahl an Lademöglichkeiten, verbesserte Lade-Apps sowie einen höheren Komfort an Ladestandorten. Eine überwältigende Mehrheit von 98 Prozent würde wieder ein E-Auto kaufen. In dieser Gruppe sorgt sich lediglich ein Prozent noch um die Reichweite des Fahrzeugs.

„In der öffentlichen Diskussion über Elektromobilität fehlt bislang oft die Perspektive derjenigen, die Elektromobilität Tag für Tag nutzen“, führt die BDEW-Chefin aus. „Wir haben nachgefragt und sehen nun, dass die Zufriedenheit insgesamt sehr hoch ist und das Ladeangebot deutlich besser ist als sein Ruf.“ Die Umfrage ist online als PDF verfügbar. Nach Angaben des Verbandes betreiben seine Mitgliedsunternehmen über 80 Prozent der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland und stellen außerdem die Netzanschlüsse bereit.

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